Bootsbau

Bavaria-Chef geht von Bord

Andrès Cardenas gibt seinen Posten als Sprecher der Geschäftsführung auf – Zweiter Wechsel im Topmanagement binnen kurzem

Jochen Rieker am 20.03.2010

Wechselt zum Sommer wieder in den Aufsichtsrat: Bavaria-CEO Andrès Cardenas

Nach Informationen der YACHT gibt es an der Spitze von Deutschlands größter Serienwerft erneut Bewegung. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass der langjährige Marketing- und Vertriebschef Mike Reuer das Unternehmen verlässt. Jetzt strebt auch CEO Cardenas eine neue Position an

Gegenüber YACHT online bestätigte er seine Pläne, das Tagesgeschäft abzugeben. "Wir haben das Unternehmen finanziell restrukturiert, stehen heute super da, verkaufen mehr Boote, als wir selbst gedacht hatten", so Cardenas in einem Telefoninterview. "Jetzt kann ich wieder — wie zuvor — den Vorsitz im Beirat übernehmen."

Der Spanier, der lange Zeit für BMW gearbeitet hatte, steht erst seit zwei Jahren im Dienst von Bavaria. Er kam zunächst als Berater, übernahm dann aber nach dem Weggang von Interims-Geschäftsführer Kay Schwabedal auch die operative Leitung.

Cardenas, dessen Familie in Barcelona lebt, will die weitere Entwicklung der Werft "eng begleiten". Er werde aber nicht mehr so viel Zeit vor Ort verbringen und mehr von seinem Heimatwohnsitz in Spanien arbeiten, sagte er.

Die Veränderungen in der Führung kommen für viele überraschend. Kaum ist der Giebelstädter Betrieb finanziell aus dem Gröbsten raus und weist bei der Entwicklung und im Verkauf seiner Yachten wieder Erfolge auf, verlassen zwei der Top-Manager das Haus.

Am 9. März erst hatte Mike Reuer bekannt gegeben, dass er die Werft verlassen wolle. Der langährige Marketing- und Vertriebschef, von vielen Wettbewerbern der Bootsbranche umworben, wechselt zu einem Hersteller von Luxus-Wohnmobilen, wo er Geschäftsführer wird.

Wie Andrès Cardenas betonte, seien beide Personalien durch Zufall zeitlich zusammengefallen — und nicht etwa ein Indiz, dass es im Unternehmen kriselte. "Es war schon immer mein Plan, das Tagesgeschäft abzugeben und wieder mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können, sobald Bavaria auf einem guten Kurs ist", sagte er. "Das haben wir jetzt geschafft".

Tatsächlich steht die Werft finanziell so gut da wie lange nicht. Mit der Übernahme der Mehrheit durch die beiden Restrukturierungsfonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management ist die Bilanz von den ursprünglich extrem hohen Verbindlichkeiten befreit.

In der Folge einer kreditfinanzierten Übernahme durch die US-Beteiligungsfirma Bain Capital war Bavaria seit 2007 mit rund einer Mrd. Euro verschuldet. Als das Geschäft im Zuge der Wirtschaftskrise 2008/09 einbrach, standen die bis dato so erfolgreichen Bootsbauer plötzlich kurz vor der Insolvenz, weil sie die hohen Zinszahlungen nicht leisten konnten.

Doch dieses Szenario, so Cardenas, sei vorbei. "Die Verträge mit den neuen Gesellschaftern sind unterschrieben und notariell beglaubigt." Jetzt stehe Bavaria finanziell "wieder top da".

Jochen Rieker am 20.03.2010

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