Corona
Auswintern nach Plan? So läuft der Saisonstart in Vereinen

Einiges erinnert an die Situation vor einem Jahr, als Corona das Abslippen ausbremste. Doch viele Segelvereine starten dennoch mit Optimismus in die Saison

  • Kristina Müller
 • Publiziert vor einem Monat
Mit Optimismus in die Saison: in Horumersiel wird gekrant. Ein Großteil der Boote ist dort breits im Wasser Mit Optimismus in die Saison: in Horumersiel wird gekrant. Ein Großteil der Boote ist dort breits im Wasser Mit Optimismus in die Saison: in Horumersiel wird gekrant. Ein Großteil der Boote ist dort breits im Wasser

K. Klein/ Segelkameradschaft Horumersiel Mit Optimismus in die Saison: in Horumersiel wird gekrant. Ein Großteil der Boote ist dort breits im Wasser

Spätestens mit dem Osterwochenende fällt in vielen Segelvereinen in normalen Zeiten der Startschuss fürs Abslippen – oder es ist dann bereits in vollem Gang. Doch wieder ist in diesem Jahr aufgrund der Pandemie vieles anders. Mancherorts verzögern sich Termine aufgrund von Einschränkungen oder schlicht der Unsicherheit darüber, was nun erlaubt ist oder nicht.

In anderen Vereinen dagegen sind jetzt schon mehr Boote in ihrem Element als sonst – weil vorausschauend und frühzeitig mit dem Auswintern begonnen wurde, um eine Situation wie im vergangenen Jahr zu vermeiden.

Die Berichte aus drei Segelclubs an Nordsee, Ostsee und Bodensee zeigen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen dieser Tage sind.

"Früher angefangen"

Im Winterlager des Kieler Yacht-Club (KYC) in Strande an der Kieler Bucht schreitet das Zuwasserlassen gut voran. 42 von 127 Schiffen sind bereits im Wasser. Allerdings ist alles anders, als es bisher war. Normalerweise ist das Abslippen eine große Gemeinschaftsaktion, bei der ein mobiler Kran an einem Tag Dutzende Schiffe zu Wasser lässt. Alle packen mit an, Masten werden gemeinsam gesetzt, Vorfreude auf die Saison liegt dann immer in der Luft.

"Dieses Jahr findet die Aktion ohne die vielen Helfer statt", berichtet Dr. Carsten Krage, Vorsitzender des KYC. "Es gibt keine Massenaktion." Mit Mitarbeitern der Werft vor Ort werde stattdessen dafür gesorgt, dass die Boote dennoch zeitig aus der Halle auf die Förde kommen. "Wir haben bewusst früher angefangen als sonst und schon Boote zu Wasser gelassen, an denen die Winterarbeiten bereits abgeschlossen waren", erläutert Krage. Dadurch sei alles eigentlich ganz entspannt.

Dabei wären viele Eigner aufgrund der kalten Temperaturen der letzten Wochen gar nicht böse um etwas mehr Zeit an Land für noch anstehende Arbeiten zum Saisonbeginn. "Insgesamt läuft alles ganz gut", freut sich Krage. Am kommenden Samstag, den 10. April, sollen in Strande knapp 40 weitere Boote ins Wasser kommen und bis zum 15. Mai die verbleibenden.

Voll im Plan

Auch an der Nordseeküste bei der Segelkameradschaft Horumersiel läuft bisher alles nach Plan. Zwei von drei Kranterminen haben bereits stattgefunden – einer musste lediglich wegen eines Sturms um wenige Tage verschoben werden. "Wir haben die Termine in diesem Jahr erst im Januar statt wie sonst üblich im Oktober festgelegt", erzählt Jan Gerdes, erster Vorsitzender des Vereins. "Aber natürlich gab es eine gewisse Unsicherheit darüber, ob die wohl zu halten sein würden."

Um schon im Vorfeld auf Nummer sicher zu gehen, hat der Zusammenschluss der Segelkameradschaft mit den zwei weiteren Vereinen, mit denen man sich den Hafen an der Jade teilt, im Vorfeld ein Hygienekonzept mit dem Ordnungsamt abgestimmt. Mit Abstand und Maske wurden die Stege in diesem Jahr ins Wasser gebracht – wenn auch mit nur acht Helfern statt sonst 20 bis 30. "Dadurch war die Aktion etwas komplizierter, aber wir mussten auf eine minimale Anzahl an Teilnehmern achten", so Gerdes.

Am 10. April soll der Kran auch hier nun zum letzten Termin anrücken und das letzte Drittel der Boote ins Wasser heben. "Wir liegen also im Zeitplan", freut sich der Vereinsvorsitzende. "Was uns jetzt noch Kopfschmerzen bereitet, ist das Verbot zum Anbieten touristischer Übernachtungen. Wir wollen uns aber auch nicht verrückt machen und sind froh, dass wir schon so weit sind und erst einmal segeln können", sagt er.

Schleppender Saisonstart

Etwas gedämpft ist die Stimmung dagegen im Lindauer Segelclub. Normalerweise starten auch hier rund um Ostern die ersten größeren Clubaktivitäten. Gut 40 bis 50 Jugendboote werden dann vom Dachboden geholt und "sommerfit gemacht", wie Jugendwart Johannes Hostenkamp erzählt. Denn bald darauf soll das Training auf dem Wasser beginnen. "Das ist jetzt alles on hold", sagt Hostenkamp. "Die aktuellen Bestimmungen lassen derzeit keinen Großbetrieb zu."

Auch die Belegung des Vereinshafens mit Yachten ist aktuell noch überschaubar. Von den etwa 80 Booten sind bisher erst gut 20 im Wasser. Gekrant werden darf, allerdings nur mit Termin und entsprechend der Kontaktregeln. "Es geht einfach alles etwas schleppend voran", sagt Hostenkamp. Auch eigene Clubyachten betreibt der Verein. Gerade um die fit für die Saison zu machen, werden immer viele Hände gebraucht – das sei derzeit nicht praktikabel.

Feste Termine fürs Auswintern habe der Vorstand daher auch vorsichtshalber nicht kommuniziert, sondern darauf gesetzt, sich immer an der aktuellen Lage zu orientieren, so Hostenkamp. Auch den Termin der großen Bodenseeregatta "Rund Um" haben die Veranstalter bereits vom Juni in den September verschoben – aus Sorge, dass die Lockerungen bis zum ersten Termin nicht weitreichend genug seien.

"Wir hangeln uns so an den Regeln entlang und versuchen, gleichzeitig das Beste aus der Situation zu machen", fasst der Jugendwart die Lage in seinem Verein zusammen.


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Themen: AbslippenAuswinternCoronaSegelvereine

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