Verband

Ausgezeichnete Seemannschaft

Kreuzer-Abteilung ehrt Fahrtensegler mit Medaillen und Sonderpreisen. CKA fördert Jugend-Fahrtensegeln

Pascal Schürmann am 21.03.2010

Dr. Heidemarie und Dr. Manfred Brandes (68 und 69 Jahre) sind die diesjährigen Gewinner des Commodore-Preises. Der Jugendpreis Silberne Möwe ging zum wiederholten Mal an die 25-jährige ehrenamtliche Nachwuchstrainerin Doris Schmidt vom Segelclub Rheingau.

Der Commodore-Preis ist die höchste Auszeichnung, die die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbands im Rahmen ihres alljährlichen Fahrtenseglerwettbewerbs für eine außergewöhnliche seemannschaftliche Leistung vergibt. Er wurde gestern im Rahmen einer Feierveranstaltung im Hamburger Museum für Völkerkunde dem Ehepaar Brandes aus Berlin überreicht.

Heidemarie und Manfred Brandes sind bis zur norwegisch-russischen Grenze gesegelt

Die beiden waren 2009 mit ihrer Etap 30 "Libra" von der Ostsee zum Nordkap und weiter in die Barentssee bis zur norwegisch-russischen Grenze gesegelt. In der Laudatio für das Ehepaar Brandes hieß es: „Über 4.000 Seemeilen, rund 7.500 Kilometer, von Rostock über den Polarkreis bis in die Barentssee, 76 Tage auf See, oft bei widrigem Wind und Seegang in einem schwierigen Revier, zu zweit auf einer 9-Meter-Segelyacht: Wer sich so etwas als Urlaubsreise antut, muss total segelbegeistert, sportlich und hart im Nehmen. Die beiden Senioren beweisen: Segeln hält jung! Immer wieder bricht das Paar mit seiner "Libra" zu weiten Törns auf und ersegelt Medaillen und Preise.“

Doris Schmidt mit Opti-Kids und Vereinsjugendlichen auf einer 40-fuß-Charteryacht mit Kurs Dänemark

Doris Schmidt hatte mit Kindern und Jugendlichen ihres Vereins und unterstützt von einem Betreuer einen Ostsee-Törn nach Dänemark unternommen, um den Nachwuchs an die seemannschaftlichen und navigatorischen Herausforderungen des Dickschiffsegelns heranzuführen.

Nicht weniger beeindruckend die weiteren, auf dem Fahrtenseglertag der Kreuzer-Abteilung am 20. März im Hamburger Museum für Völkerkunde mit Goldmedaillen und Sonderpreisen belohnten Reisen, die außergewöhnliche segelsportliche Unternehmungslust mit sorgfältiger Törnplanung und verantwortungsbewusster Seemannschaft verbanden.

Mit dem nach dem Maler und Hochseesegler Arnd Georg Nissen benannten "A.-G.-Nissen-Preis" für die beste Nordseereise sowie einer Goldmedaille wurde Waltraud Degenhard (Segelclub Bayer-Uerdingen) ausgezeichnet. Mit je einem Crewkameraden im Wechsel führte sie ihre 33-Fuß-Yacht "Olivin" in sieben Wochen vom niederländischen Friesland 1.572 Seemeilen über die Nordsee nach Schottland und sicher zurück.

Den "Ostseepreis" sowie eine Goldmedaille ersegelte sich Prof. Jörg Ziegenspeck, Mitglied des Club der Kreuzer-Abteilung (CKA). Der ehemalige Leiter des Instituts für Erlebnispädagogik an der Universität Lüneburg und seine Ehefrau Gisela erfüllten sich mit ihrer sechsmonatigen Ostseereise, die über 3.500 Seemeilen in alle Anrainerländer der Ostsee führte, einen lang gehegten Seglertraum. Mit ihrem nur 8,90 Meter kleinen Motorsegler "Nordlicht" gelang ihnen eine überzeugende fahrtenseglerische Leistung.

Den "Arthur-Doerwald-Gedächtspreis" vergibt die Kreuzer-Abteilung für die beste Reise mit einem Boot unter 10 Meter Länge. Der Preis ging diesmal, verbunden mit einer Goldmedaille, an die Berliner Günter und Gerda Frentin vom Segelclub Rohrwall. Mit dem kleinsten Schiff des Wettbewerbs, der nur 6,99 Meter langen "törn", segelte das Ehepaar von Berlin entlang der schwedischen Küste bis zum finnischen Turku und wieder nach Berlin. In knapp drei Monaten legte die kleine Yacht unter teilweise ruppigen Wetterbedingungen 1.775 Seemeilen zurück. Die Jury urteilte: "Gute Seemannschaft, auf allen Kursen sichere Schiffsführung, vorbildlicher Fahrtensegelsport."

Für vorbildliches Fahrtensegeln auf Binnen- und Küstengewässern vergibt die Kreuzer-Abteilung den "Binnen-Küste-Preis". Mit ihm sowie mit einer Silbermedaille wurde Hartmut Heise vom Segelverein Klub am Rupenhorn ausgezeichnet. Der 58-Jährige und ein Mitsegler waren auf der 8,60-Meter-Yacht "Big Sherry" von Berlin an der Ostseeküste zwischen Travemünde und Stettin unterwegs, ein Törn über 569 Seemeilen.

"Die Gottschalks" — Heinz und Helga Gottschalk vom Cöpenicker Segelverein, Berlin — und ihre Yacht "Libertas III" gehören bei den Fahrtenwettbewerben der Kreuzer-Abteilung seit langem zu den erfolgreichen Teilnehmern. Diesmal überzeugten sie die Jury mit einer über 800 Kilometer langen Reise durch die Märkische und Mecklenburger Fluss- und Seenlandschaft. Sie wurden mit einer Goldmedaille und dem "Fluss- und Seen-Preis" ausgezeichnet. Einmal mehr unterstrich diese Binnenreise, dass Fahrtensegeln nicht spektakulär sein muss, um vorbildlich und erfolgreich im Sinne des Wettbewerbs zu sein.

Eine besonders kinder- und familiengerechte Törnplanung belohnt der "Familienpreis der Kreuzer-Abteilung". Er ging diesmal an die Familie Ralf Bernhardt aus Brandenburg an der Havel. Zur Crew der kleinen Fahrtenyacht "Feria" gehörten die Mama Anja, der ganz kleine Moses, die Schwestern Jorinde (3), Emilia (5) und Anouk (7) sowie der zehnjährige "große Bruder" Elias. In 57 Fahrttagen führte der 1.175-Seemeilen-Törn vom Strelasund in die schwedischen Westschären, durch den Götakanal zur Ostsee, nach Gotland und Öland. Ein außergewöhnliches fahrtensportliches Familienerlebnis, das außerdem mit einer Silbermedaille belohnt wurde.

In den Fahrtenwettbewerben der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes werden seit 1922 besonders vorbildliche Segelreisen ausgezeichnet. Hier zählen nicht Meilenfressen oder Extremabenteuer, sondern die sorgfältige Vorbereitung und seemännisch verantwortungsvolle Durchführung des Törns. Bei der diesjährigen Preisverleihung wurden außer den begehrten Sonderpreisen insgesamt 69 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben.

Auf dem Fahrtenseglertag zeichnete zudem der Club der Kreuzer-Abteilung (CKA) erstmals drei Projekte im Bereich des Jugend-Fahrtensegelns mit Förderpreisen aus. Der 1. Preis, dotiert mit 2.500 Euro, ging an die Jugendabteilung der Segelsportgemeinschaft Stormvogel Steinfurt e. V im Münsterland. Ihr für den Wettbewerb eingereichtes Projekt war ein Jugendtörn mit vier Fahrtenyachten im Sommer 2009. 24 Kinder und Jugendliche sowie 12 Betreuerinnen und Betreuer erlebten drei Segelwochen auf der Ostsee.

Mit dem 2. Förderpreis in Höhe von 1.500 Euro wurde das Jugendprojekt "Alle in einem Boot" des Barther Segler Verein e. V. ausgezeichnet. Bei diesem Projekt ging es darum, Kinder und Jugendliche an das Kuttersegeln heranzuführen und dabei mit erlebnispädagogischen Methoden Team- und Konfliktfähigkeit zu trainieren. Ziel ist es, in Barth langfristig eine "Jugendgruppe Kuttersegeln" ins Leben zu rufen.

Mit ihrem Projekt "Ostsee Rund" sicherten sich Nora Anders (19) vom Segelclub Oevelgönne und Kristine Brügge (20) von der Seglervereinigung Altona-Oevelgönne den 3. CKA-Förderpreis von 750 Euro. Nach dem Abitur erfüllen sich die beiden jungen Seglerinnen den Traum von einer Ostseeumrundung, für die sie fünf Monate eingeplant haben. Ein Projekt, das sicherlich auf weitere junge Seglerinnen und Segler ansteckend wirkt.

Bewerbungsschluss für die Fahrtenwettbewerbe der Kreuzer-Abteilung 2010 und die Förderpreise des CKA ist der 15. November dieses Jahres.

Weitere Infos unter www.kreuzer-abteilung.org

Pascal Schürmann am 21.03.2010

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