Hanseboot

Ausgezeichnet und doch nicht fertig

Erstmals zeichnet der Freundeskreis klassische Yachten eine in Restaurierung befindliche Yacht mit dem Preis "Segeln, Lieben, Bewahren" aus

Martin-Sebastian Kreplin am 04.11.2015
Mälar 22

Ein Mälar 22, unterwegs in den Stockholmer Schären

"La Petite" ist strategisch günstig platziert. Mit ihrer Steuerbordseite präsentiert sich der 22er-Mälarkreuzer den Messebesuchern, die von Halle 5 zur Halle 6 wechseln. Die zarten Linien des Langkielers und frische Farbe am Unterwasserschiff lenken erfolgreich davon ab, dass im Aufbau noch die Fenster fehlen, genauso am Heck das Ruderblatt. Und zeigt sich die zur Halle gewandte Rumpfseite über der Wasserlinie in grauer Grundierung, ist die Backbordseite bereits im endgültigem Weiß gestrichen. Ob das die bessere Seite zur Präsentation gewesen wäre? Wohl kaum. Hier klafft im Kajütdach noch ein breites Loch, öffnet den Blick hinein in die kleine Kajüte der 70-Jährigen.

Kurzum – im Grunde ist der Mälar 22 "La Petite" weit weg von dem Zustand, den der Freundeskreis klassische Yachten (FKY) mit seiner Plakette "Segeln, Lieben, Bewahren" honorieren will. Zwar geht es bei dieser Auszeichnung nicht um einen herausragenden Erhalt des Bootes an sich, dafür gibt es den im Sommer verliehenen Restaurierungspreis. Vielmehr soll die von Künstler Hinnerk Bodendieck gestaltete Medaille ein Ausdruck der Anerkennung für das grundsätzliche Engagement innerhalb der Szene oder einer speziellen Klasse sein. Trotzdem ist es die erste, noch nicht abschließend restaurierte Yacht, die der Verband auszeichnet. Man wolle damit gerade das Thema Restaurierung in den Fokus rücken, erklärt dazu der in Flensburg ansässige Verein. 

Mälar 22 "La Petite"

Mälar 22 "La Petite"

Eigner Marcus Rogozinski, Bootsbauer aus Lippstadt, erhält die Plakette am 4. November aus den Händen von Torsten Conradi, Präsident des deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes. "Nach 70 Jahren war hier mehr nötig als nur Haare schneiden und rasieren", stellt Conradi fest. Mitgebrachte Erinnerungsstücke belegen das deutlich, zum Beispiel die zerbrochenen Bodenwrangen. "Als wir die Kielbolzen lösten, fielen sie uns einfach entgegen", erinnert sich Rogozinski an die Anfänge der Restaurierung. Glück für ihn: die 1945 auf Kiel gelegte M22, Baunummer 120, war nicht der erste Mälarkreuzer, den der Westfale restaurierte. Mit der 14 Jahre älteren Baunummer 10 ist noch ein Schwesternschiff in Familienbesitz, das in den Niederlanden gesegelt wird. Marcus Rogozinski aber träumt davon, "La Petite" wieder in den Stockholmer Schären zu segeln, wo sie zeitlebens lag. Mit etwas Glück, sagt er, sei es vielleicht schon im Sommer 2016 so weit.

Die Preisverleihung findet am 4. November um 18 Uhr am Stand des FKY statt (Halle B6, Stand C 143).

Martin-Sebastian Kreplin am 04.11.2015

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