Blauwasser-Blog

Aufbruch, Zweifel und ein Anruf - Teil 3

Lennart Burke am 18.11.2018

Und dann die Nachricht, dass die Jury sich für mich entschieden habe. Bis auf ein "Oh mein Gott", wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Voller Euphorie fiel ich in Vales Arme, wobei ich mich direkt auf das zwischen uns liegende Eis setzte. Mein Kumpel wusste sofort, was Sache war und schlug vor, anstelle des Eismatsches ein kühles Bier an Bord zu trinken. 

Erst nach einiger Zeit fand ich nach der Nachricht wieder zurück in den Bordalltag – dafür aber umso motivierter. In Falmouth wollten wir auf ein Wetterfenster warten, um die Biskaya zu queren. Leider vorerst vergebens, ein Sturm nach dem anderen zog durch. Nach elf Tagen hatten wir genug vom Warten und segelten nach Camaret-sur-Mer auf der französischen Seite des Kanals, um dort weiter Ausschau nach dem Wetterfenster zu halten.

Champus, Nervosität und ein Roadtrip durch Europa

Von Camaret aus ging es ein zweites Mal nach Cuxhaven – zur offiziellen Bekanntgabe der Mini-Transat-Kampagne. In völliger Dunkelheit fuhren wir nach Brest zum Flughafen und bestiegen einen Leihwagen: 1500 Kilometer durch die Bretagne, durch Belgien bis nach Norddeutschland. Vale begleitete mich, und nutzte die Zeit in Deutschland, um Freundin und Eltern zu sehen.

Wir sind solche langen Roadtrips ja durch die Melges24-Regatten gewöhnt, aber die Fahrt war einfach nur lang. Kurz vor dem Ziel, um vier Uhr morgens, wurden wir mit unserem französischen Kennzeichen dann auch noch angehalten. Nichtsahnend begann ich mit dem Polizisten übers Segeln zu reden und erklärte, was wir um diese Uhrzeit, mit einem französischem Auto, in Norddeutschland machten. Für mich eine tolle Story! Doch die polizeiliche Reaktion auf meine Schilderungen war die Aufforderung zu einem Drogentest. Schließlich blieb der Staatsgewalt aber nichts weiter übrig, als uns fahren zu lassen.

TO Jubiläum

Andreas Deubel (l.), deutscher Starter beim Mini-Transat 2017, stellt Lennart Burke als ausgewählten Segler für die Einhand-Transatlantikregatta vor

Am Abend darauf stand ich ziemlich nervös auf der Bühne und versuchte, mich zu bedanken. Anlässlich der 50-Jahr-Feier des Trans-Ocean wurde der Mini-Segler für 2021 bekannt gegeben. Es war alles andere als einfach, auszudrücken, wie dankbar ich war. Voller Glücksgefühle, dass ich meinem Traum, einmal Segelprofi zu werden, ein großes Stück näher gekommen bin. Ich hatte es mir immer gewünscht, doch niemals gedacht, dabei so unterstützt zu werden.

Beschenkt mit Champus, jeder Menge schockgefrostetem "Minifutter" und voller Freude reisten wir danach zurück nach Frankreich zu unserer "Andiamo".

Nun konnte sie kommen, die lang ersehnte Biskaya-Überquerung. Ich war mehr als bereit für das erste große Stück Blauwasser.

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Lennart Burke am 18.11.2018

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