Blauwasser
Auf der Suche nach dem Wind

Soloskipper Georg Schimmelpfennig kommt weiterhin nur mühsam voran. Vergangenen Freitag geriet er gar in ein Flautenloch. Der aktuelle Bericht von Bord

  • Georg Schimmelpfennig
 • Publiziert am 05.11.2018
Da war der Wind noch da: Schimmelpfennigs "Hekla" unter Parasailor Da war der Wind noch da: Schimmelpfennigs "Hekla" unter Parasailor Da war der Wind noch da: Schimmelpfennigs "Hekla" unter Parasailor

Georg Schimmelpfennig Da war der Wind noch da: Schimmelpfennigs "Hekla" unter Parasailor

Freitagmorgen. Es ist fünf Uhr in der Frühe. Die Segel habe ich schon vor Mitternacht geborgen. Das Groß, glaube ich, seit Wochen mal wieder. An Wind ist wirklich nichts vorhanden.

Ein Gefühl, als säße man in einer Käseglocke.

Über mir ein Sternenhimmel mit Restmond, wie ich ihn bisher nicht gesehen habe. Keine Wolke, der Horizont klar rundum. Die Sterne so hell, dass es fast blendet in der dunklen Nacht.

Das Groß habe ich erstmals in die Lazy Jacks am weit gefierten und in der Baumbremse fixierten Großbaum fallen lassen. Das Segel hängt, sozusagen, über dem Wasser. Es mittschiffs zu stauen hat sich nicht bewährt, weil Reffleinen und Segelbuchten ständig auf dem Sprayhood hin- und herfahren und mir die Nähte kaputtmachen.  Deswegen lasse ich es auch meistens bei Flaute stehen.

Ein ganz leichter Windzug aus Nordwest scheint aufzukommen. Aber er würde die Segel noch nicht stehen lassen.

Vor allem würde ich mit achterlichem oder wenigstens raumem Wind losmüssen, Richtung Süden. Laut Wetterbericht füllt von Nordwesten aus ein Windband Richtung Süden ein Tief auf, das nordwestlich Kapstadt sein Zentrum hat. In dieses Windband muss ich rein. Bei dem Windeinfallswinkel aber gäbe es nur wieder flappende Segel. Der ganze Mast bebt, die Stagen vibrieren. Ich hasse dieses Geräusch des schlagenden Großsegels inzwischen.

Ich glaube, das Segel geht vom Schlagen kaputt, nicht vom Segeln. Also weiter warten. Die Stille jetzt ohne Segel ist beeindruckend. Nicht bedrückend, ich mag diese Stille.

Muss gerade an meine zweite Walbegegnung gestern denken. Es war am Nachmittag, als ich zum ersten Mal seinen Blas hörte, aber ich konnte ihn nicht orten. Dann wieder, aber nichts zu sehen. Dann, beim dritten Mal, sehe ich ihn von achtern aufkommen, mit hellem Rücken, und ich denke, wenn er so weiter Kurs hält, schwimmt er mich über den Haufen.

Dann taucht er und ist weg. Diese langsamen und einen ganz bestimmten Takt innehabenden Bewegungen sind beeindruckend. Schiere Größe, die ich aber nicht als angsteinflößend empfinde.

Jetzt schon einen Kaffee? Nein, noch zu früh. Aber ich rühre schon mal mein Frühstück an: Die Haferflocken sollen gut quellen, dann schmecken sie mit den Nüssen, Rosinen und den Trockenfrüchten in der Milch aus Milchpulver und Wasser am besten. Kaffee gibt es später.

Georg Schimmelpfennig Aktuelle Position der "Hekla" am 5. November 2018


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