Zum Tod von Karla Schenk

"Auf der anderen Seite des Ozeans"

Viele kennen sie nur als "die Frau des berühmten Weltumseglers". Dabei hat Karla Schenk, die am Donnerstag verstarb, mehr Meilen gemacht als ihr Mann Bobby

Jochen Rieker am 19.02.2018
Zum Tod von Karla Schenk
YACHT-Archiv

Auf die Frage, was das Schönste sei am Segeln, hat sie einmal mit einem ebenso typischen wie treffenden Bonmot der Blauwasserszene geantwortet: "The Drink on the Other Side of the Ocean". Es war ein Spruch, der zu ihr passte: lebenslustig, direkt, humorvoll. Und man fragt sich unwillkürlich, ob sie es wohl auch jetzt gut haben wird, auf der anderen Seite des Lebens. 

Wie ihr Mann, Bobby Schenk, Freunden und Wegbegleitern am Wochenende schrieb, hat Karla Schenk am 15. Februar "ihren letzten, den großen Törn angetreten".

Sie starb im Alter von 85 Jahren nach "langem Kampf gegen eine heimtückische Krankheit" in einem Pflegeheim bei Starnberg. Die Folgen einer Demenz hatten sie schon seit längerem isoliert und immobilisiert – ausgerechnet sie, die in jungen Jahren ein Energiebündel war: deutsche Jugendmeisterin und vielfache bayerische Landesmeisterin im Tischtennis, eine zwar zierliche, aber durchaus zupackende, gewinnende, anderen Menschen stets zugewandte Frau.

Fotostrecke: Karla Schenk: Bilder eines bewegten Lebens

So hat sie auch zum Segeln gefunden: sportlich, pragmatisch, unverzagt. Zwei Mal – von 1970 und 1979 an – segelte sie mit ihrem Mann um die Welt. Ihr dritter Langfahrt-Törn führte sie in einem Katamaran von Frankreich aus bis Malaysia. Die Schenks zählen wie die Kochs und die Erdmanns zu den deutschen Blauwasser-Pionieren. Karla gilt bis heute als erste deutsche Fahrtenseglerin, die Kap Hoorn rundete.

An Seemeilen hat sie Bobby Schenk sogar eine Atlantikpassage voraus. Nachdem die beiden in den neunziger Jahren ohne Kompass und andere navigatorische Hilfsmittel über den großen Teich geskippert waren, segelte nur sie auch die Rücküberführung. Zu Thomas Dobernigg, einem Journalist und Freund, der sie dabei begleitete, sagte sie auf der zweiten Etappe: 

"Weißt du, was das Allerschönste an diesem Törn ist? Dass ich den großen Bobby überholt habe. Jetzt habe ich mehr Seemeilen als er. Und er wird nie wieder die Chance haben, das einzuholen, weil wir ja immer alles nur gemeinsam machen – außer diese Reise." 

Während sich ihr Mann durch Berichte in der YACHT und viele höchst erfolgreiche Bücher einen Namen gemacht hatte, war Karla stets im Hintergrund geblieben. Referierte er auf der Bühne großer Säle vor Hunderten von Besuchern, war sie es, die am Projektor stand und die Mittelformat-Dias an die Wand warf. Eine Nebenrolle, die ihr später bisweilen zu schaffen machte, wie ihre Freude über die geloggten Extrameilen schon erkennen ließ. 

Wohl auch deshalb bestand die Frau, deren seglerische Verdienste nicht geringer einzuschätzen sind als die ihres lebenslangen Co-Skippers, später darauf, auch ihre Sicht auf das gemeinsam Erlebte in einem eigenen Buch zu reflektieren. Es heißt "Karla Schenk" und trägt den charmanten Untertitel: "Abenteurerin, Weltumseglerin, Kap Hoorniere, Pilotin, verrücktes Huhn!"

Alexandra Schöler-Haring hat die Erinnerungen aufgezeichnet, auch Gedanken übers Alter sind dabei, und Sprüche, die Karla Schenk, geborene Schulz, so manche Prüfung bestehen ließen. Darunter dieser: "Wenn man vor allem Angst hat, verbringt man sein Leben hinterm Ofen." 

Nein, ängstlich war sie sicher nicht. Ihr Leben führte sie von Pommern, wo sie aufwuchs, nach Bayern, wohin die Eltern 1945 flohen. Und dann um die ganze Erde. "Jetzt ist das Meer meine Heimat", hat sie einmal gesagt.

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17 Fragen, 17 Antworten von Karla Schenk übers Segeln, Sorgen, Idole und wie man Stress an Bord vermeidet

Jochen Rieker am 19.02.2018

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