Blauwasser-Blog

Atlantikrunde auf neun Metern: die letzten Vorbereitungen

Lennart und Valentin, Crew der "Andiamo", berichten von den letzten Handgriffen vor der Atlantiküberquerung. Auch die Kapverden besuchen sie zuvor noch

Kristina Müller am 05.02.2019
Lennart Burke
Burke/Ahlhaus

Im August 2018 sind Lennart Burke und Valentin Ahlhaus, Freunde und ehemalige Melges-24-Segler aus Stralsund, zu einer Atlantikrunde mit einer alten IW-31 aufgebrochen. Nach abenteuerlichen ersten Etappen bis Frankreich, einer Biskaya-Überquerung gegen die Zeit und Buchtenbummeln auf den Kanaren bereiten sie endlich ihr Schiff auf den großen Teich vor. Nach der Atlantikrunde im Fahrtenseglermodus will Lennart Burke am Mini-Transat 2021 teilnehmen. Auf YACHT online berichtet er von dem Weg dahin.

Parallel zu Ausflügen auf den kanarischen Inseln – wir besuchten Lanzarote, Teneriffa und La Gomera – begannen die Vorbereitungen für die Atlantiküberquerung. Der große Sprung über den Atlantik sollte zwar erst von den Kapverden starten, jedoch denken wir, dass die Kanaren wesentlich mehr Möglichkeiten bieten, um günstig und umfangreich Ersatzteile und Proviant zu beschaffen.

Zuallererst widmeten wir uns einer ausführlichen Kontrolle des Bootes, das wir dazu in fünf Kategorien aufteilten: Rigg, Rumpf, Deck, Segel und Motor.

Lennart Burke

Freunde, Teil einer Melges-24-Crew und nun Langfahrer: Lennart Burke (l.) und Valentin Ahlhaus

Das Rigg...

... wird bei uns regelmäßig kontrolliert und auch vor jeder größeren Fahrt. Also werde ich wieder in den Mast gezogen, kontrolliere Stück für Stück jeden Bolzen und Splint und klebe gegebenenfalls erneut ab. Dann wird nach eventuellen Materialermüdungen geschaut. Also Risse, Kerben und Abschürfungen, gerade an beweglichen Teilen. Und wenn man schonmal da oben ist, kann man gleich auch noch einmal alles reichlich fetten. Ganz besonders inspizieren wir immer wieder die Wanten. Dabei entdeckte ich ein gerissenes Kanel einer Unterwante, die wir sofort ausbauten und erneuerten.

Der Rumpf ...

... muss natürlich dicht sein. Aber wenn man schon mal in so warmen Gewässern, wie um die Kanaren ist, kann man auch mal ein wenig tauchen gehen: Hält das Antifouling noch? Ist das Boot sehr bewachsen? Muscheln und weitere unerwünschte Mitfahrer würden den Törn ja nur unnötig verlängern. Auch Ruder, Schraube und Rumpf-Kiel-Verbindung werden genau begutachtet. Bei uns konnten wir zum Glück nichts als ein bisschen Gilb am Rumpf und Ansätze von Rost am Kiel entdecken.

Das Deck...

... und all die Ausrüstung an Bord wird ebenfalls einer Inspektion unterzogen. Zuallererst die Windsteueranlage, der wir neue Steuerseile verpassten und zugleich Ersatz kauften. Die filigrane Mechanik, die uns so viel Arbeit beim Steuern abnimmt, will natürlich auch gepflegt werden. Hier gehen wir eigentlich wie bei allen beweglichen Teilen an Deck vor. Zuerst wird kontrolliert, ob noch alles hält, dann wird gesichert und abschließend ordentlich gefettet, wobei wir Kleinteile lieber ölen, damit sie später nicht von hartem Fett blockiert werden. Schließlich gucken wir noch, ob Kanister, Rettungsinsel und das Dingi gut festgezurrt sind und ob sonst irgendwas lose rumhängt.

Den Motor...

... kontrollieren wir auch immer wieder, jedoch nicht "vor Antritt jeder Fahrt". Grundsätzlich gucken wir meist nur nach dem Kühlwasserfilter, dem Wasserabscheider und dem Ölstand, woraufhin ich etwas Öl nachkippte. Dann sorgen wir auch dafür, dass der Motor immer sauber ist, damit man eventuelle Lecks schnell erkennt und zurückverfolgen kann. Sonst achten wir einfach auf den Klang unserer zuverlässigen kleinen Maschine, die uns immer brummend mitteilt: Alles ist gut, ich mach das.

Die Segel...

... kontrolliert man natürlich beim Segeln selbst automatisch, aber auch beim Bergen werfen wir öfter einen prüfenden Blick auf das Tuch und die Nähte. Notfalls muss halt verstärkt, geflickt oder nachgenäht werden. Nicht zu vergessen sind natürlich die Spibäume zum Ausbaumen der Vorsegel und ein Check aller wichtigen Fallen, Schoten und sonstigem Tauwerk. Sind sie abgenutzt, aufgerieben oder spröde? Meistens reicht es, sie ein Stück zu kürzen, damit eine andere Stelle belastet wird.

Die Pantry...

Anschließend widmeten wir uns der Verproviantierung, die sich jedoch als sehr einfach herausstellte. Grund dafür war, dass wir vor Beginn unserer Reise das Boot schon für solch eine Überquerung mit reichlich Proviant beladen hatten. So konnten wir während der Reise immer davon zehren, haben aber auch regelmäßig ein wenig aufgestockt. Natürlich litt die Performance von "Andiamo" ein wenig darunter, aber das störte uns weniger.

Nach dem letzten Landausflug juckte es mächtig in den Fingern, zudem waren wir startklar. Unser letztes Ziel vor der Überquerung sollen die Kap Verden sein. Warum noch die Kapverden? Naja, wir wollten gerne einmal afrikanischen Boden betreten und gingen davon aus, wahrscheinlich nie wieder hier anzulanden.

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Kristina Müller am 05.02.2019

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