Blauwasser-Blog

Zu Besuch bei Monsterwellen - Teil 3

Kristina Müller am 27.12.2018

In Lissabon trafen wir spontan unseren Kumpel Rudi, der seit sechs Monaten in seinem Van lebt und derzeit durch Portugal reist, um surfen zu lernen. Wir luden ihn zum Essen an Bord ein. Rudi ist knapp zwei Meter groß, was uns daran zweifeln ließ, dass er überhaupt in "Andiamo" würde sitzen können. Er aber war begeistert darüber, wie viel Platz auf unserer IW-31 sei im Vergleich zu seinem Van. Glauben konnten wir das kaum. Im Regelfall sind Besucher an Bord überrascht von der Enge, in der wir leben – und das ist gut so, wenn ich daran denke, mich bald an 6,50 Meter einer Classe Mini gewöhnen zu müssen.

Andiamo

Besuch auf Madeira

Ein gutes Wetterfenster versprach uns eine schnelle Fahrt nach Madeira, wo Valentins Eltern und Freundin uns besuchen wollten. Knapp 550 Seemeilen, ungefähr fünf Tage auf See. Nach den vielen Stürmen, die durchgezogen waren, war die Dünung noch hoch und die seichte Brise hatte nicht genug Kraft, die Segel stehen zu lassen. Mit der Zeit aber nahm der Wind zu und wir setzten Groß und Genua. Mit stetig wachsendem Druck in den Tüchern genossen wir "Andiamos" Segeleigenschaften und entfernten uns Meile für Meile von der Küste. Viel Sonne, guter Wind, wenig Welle – alles perfekt. 

Einfach nur Meilen machen

Wir rauschten weiter und weiter. Endlich wieder einige Tage auf See, fern von dem Trubel der Großstadt. Endlich wieder Meilen machen und nur segeln – das, was ich am besten kann und was ich am liebsten tue. Die überwältigenden Sternenhimmel auf hoher See faszinieren mich immer wieder erneut. Wobei man sagen muss, dass auf See fast alles fasziniert. Valentin sagte oft, dass ich mich beim Segeln anders verhalte als an Land. Ich sei viel konzentrierter, aktiver und meine Mimik und Gestik würden verraten, wie ich all die Momente genießen würde. Da wird er wohl recht haben.

Andiamo

Festland achteraus, die "Andiamo" nimmt Kurs auf den Atlantik

Der Wetterbericht sollte für die kommenden vier Tage Recht behalten: dauerhaft angenehme See und vernünftige Winkel zum Wind. Wir setzten unseren riesigen rosafarbenen Spinnaker und schauten zufrieden auf die zehn Knoten auf der Logge. Wir lasen von Captain Bligh und angelten mit Erfolg. Nur fahren wir mit unserer Windfahne (Navik) fast nie den genauen Kurs, so summierten sich über die Tage knapp 50 Meilen mehr als die direkte Strecke, was der gute Speed aber wieder wett machte.

Lennart Burke Andiamo

Die ausgebaumte Genua dient der Crew als Passatbesegelung

Ein Törn von Stralsund nach Hiddensee hat etwa 16 Seemeilen, das war für uns vor dem Start zur Atlantikrunde eine normale Entfernung. Nun sind es Distanzen wie die 270 Seemeilen, die uns weiter von Madeira nach Lanzarote führten. Erst als wir schon längst auf See waren, unterwegs zwischen den Atlantikinseln, dort wo Europa endet und Afrika anfängt, erst da wurde uns klar, dass sich unsere Relationen zu Entfernungen und Zeit bereits bemerkenswert verändert haben.

Ein Abenteuer ist das Unterwegssein auf tiefblauem Wasser nach wie vor und wird es immer bleiben. Aber im Langfahrtsegeln sind wir meines Erachtens bestens angekommen und freuen uns schon auf den großen Sprung in die Karibik.

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Kristina Müller am 27.12.2018

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