Blauwasser-Blog

Atlantikrunde auf 31 Fuß: bye bye Karibik, auf zu den Azoren

Die junge Crew der "Andiamo" startet zur Atlantiküberquerung zurück nach Europa. Auf sie wartet ein stürmischer Törn, den sie dennoch genießt. Das Logbuch

Kristina Müller am 08.06.2019
Andiamo
Burke/Ahlhaus

Die "Andiamo" mit Kurs Europa

Im August 2018 sind Lennart Burke und Valentin „Vale“ Ahlhaus, Freunde und Melges-24-Segler aus Stralsund, zu einer Atlantikrunde mit einer alten IW-31 aufgebrochen. Nach abenteuerlichen ersten Etappen bis Frankreich, einer Biskaya-Überquerung gegen die ZeitBuchtenbummeln auf den Kanaren und den Kapverden haben sie ihr Schiff für den großen Sprung vorbereitet. In 18 Tagen haben sie schließlich den Atlantik überquert und drei Monate das Segeln in der Karibik genossen. Schließlich warteten vor dem Start zum zweiten großen Schlag zurück nach Europa einige Überraschungen. 
Nach der Atlantikrunde im Fahrtenseglermodus will Lennart Burke am Mini-Transat 2021 teilnehmen. Auf YACHT online berichtet er über seinen Weg dahin.

Andiamo

Freunde, Teil einer Melges-24-Crew und nun Langfahrer: Lennart Burke (l.) und Valentin Ahlhaus

Es sollte tatsächlich endlich losgehen. Wohin? Europa. Wir wollten uns, was das Ziel anging, ganz frei entscheiden können und habe uns somit auf eine mögliche Nonstop-Fahrt bis nach Deutschland ausgerüstet. Wie wir uns kennen, war das nicht gerade undenkbar. Ein genaues Ziel festzulegen, war nicht im Sinne unserer Reise. Also aufbrechen und segeln, bis wir nicht mehr wollen oder können. Ein großartiges Privileg. 

Hier die Auszüge aus unserem Logbuch:

Aufbruch! Freitag, 26.04.2019, 17 Uhr (UTC-4h) 

Es geht tatsächlich los!Um 1700 LT geht die Brücke auf, um die Lagune St. Martins zu verlassen. Um 1705 waren wir beinahe in die sich kurzfristig wegen eines Krankenwagens schließende Brücke gekracht. Wir mussten voll aufstoppen. Ging aber alles Glatt, jedoch kamen wir erst eine Bootslänge vor der Brücke zum Stehen.In der Marigot Bay erwartet uns Mirko schon unter Segel. Ihm fehlte Knoblauch, uns Zwiebeln. Egal, es hab kein Zurück mehr. Wir starten gemeinsam unsere Atlantiküberquerung. Voller Vorfreude, aber müde von der ganzen Arbeit für den weiten Atlantik. 

1. Tag - Samstag, 27.04.2019 

Meine erste Nachtwache beginnt und somit auch der erste volle Seetag. Wir haben in der Kajüte nicht den kleinsten Windzug. Ich sauniere hier schon seit 6 Stunden. Sonst ist erst einmal alles bestens.0935 (UTC-4h): Wir haben es über den Kontinentalschelf geschafft und aufgrund dessen, gleitet "Andiamo" regelrecht über die langen Atlantikwellen, hart am Wind. 

1520 (UTC-4h): Die erste Nacht ist durch. Es war wie im Traum. Besser hätten wir nicht starten können. Naja, viel schlafen konnte ich nicht, aber diesmal liegt es wohl an den 30°C im Boot. Vale schläft jedoch prächtig. 

2. Tag - Sonntag, 28.04.2019, Etmal: 108,1 sm 

Konnte fast 6 Stunden durchschlafen. Das Wetter ist durchgehend stabil und seit gestern Nachmittag, ist sogar die Genua oben. Was ein riesen Lappen. Seit Ende Dezember keine Genua mehr oben gehabt und noch viel länger ist es her, dass wir sie am Wind fahren. Wirkt gleich doppelt so groß.Wir haben keine große See, werden jedoch reichlich überspült. Unerklärlicherweise haben wir Wasser im Boot. Wir schöpfen etwa 40-50 Liter Wasser, alle 4 Stunden. Sollte uns zu denken geben. 

3. Tag - Montag, 29.04.2019, Etmal: 121,3 sm 

Andiamo geht gut über die Wellen, auch voll beladen und hart am Wind.Ich schlafe auch richtig gut. Trotzdem ist die permanente Schräglage anstrengend. Während ich das schreibe, plätschern meine Füße im Wasser. Leider ist viel zu viel davon in der Bilge. 

Fotostrecke: Eindrücke der Reise zu den Azoren

4. Tag - Dienstag, 30.04.2019, Etmal: 111 sm 

Das Wasserproblem dauert noch immer an. Eine Flaute würde gelegen kommen, um die gesichteten Leckagen zu dichten.Abfallen und flicken kommt nicht in Frage. Die schön erkämpfte Höhe... Das Leben an Bord, mit Dauerschräglage ist auszuhalten, jedoch sehr sehr enthaltsam. Kein unnötig aufwändiges Essen kochen, und auf Toilette gehen wir nur, wenn wirklich nötig. 

Die Koje ist derzeit der beste Platz an Bord. 

5. Tag - Mittwoch 01.05.2019, Etmal: 113 sm 

Seit 5 Tagen segeln wir nun hart am Wind (...).Allerdings müssen wir nach 12 Stunden mit Windstärke 6, Böen 8, folgendes Fazit ziehen: Genua entbändselt (Zeisinge lösten sich), hing fast im Wasser, weil Netz an der Fußleiste gerissen. Erheblicher Zeisingschwund. Ankerkasten offen und voll Wasser. Die vordersten drei Sechserträger Trinkwasser haben sich gelöst und wären fast über Bord gegangen. Wir machen immer noch 20 Liter Wasser die Stunde.Dazu kommt 4,5 Stunden lang Nähte nachnähen... Ja, die Genua werden wir nie wieder auf dem Vorschiff liegen lassen.Der Wind nimmt nach und nach ab. "Andiamo" wird dennoch gnadenlos überspült. 

Andiamo

Segelwerkstatt auf See...

Andiamo

... auch bei Nacht

6. Tag - Donnerstag 02.05.2019, Etmal: 110,2 sm 

Mit aufgehender Sonne nahm der Wind etwas ab und ich konnte die Genua setzen.Auf den Einsatz habe ich die ganze Nacht hingefiebert. Nach dem Setzen der Genua fiel mir auf, dass ich doch noch etwas hätte warten können. Naja, nun ist sie oben.Am Nachmittag haben wir den flauen Wind genutzt, um endlich ein erfrischendes Bad zu nehmen. Mega, nach 6 Tagen schwitzen! Ein paar Arbeiten sind auch erledigt.Motor gestartet, Genua geborgen und Kurs Azoren gesetzt. 

7. Tag - Freitag 03.05.2019, Etmal: 98,4s m 

Was für eine Nacht! Anstrengend, aber schön.Ich war die ganze Zeit draußen, habe Motor, Segel und Autopilot aufeinander abgestimmt und immer wieder Kraut entfernt. Aber dazwischen saß ich im Pulli und Decke im Cockpit, unter den Sternen. Davon gibt es in so klaren Nächten, sooo viele. Schön, so ein Blick auf die Milchstraße und Sternschnuppen, wenn da nur der Motorenlärm nicht wäre. 

1718 (UTC-4h): Massig Kraut! Eines habe ich gesehen, da war so groß wie ein Handballfeld. Konnte meine Koje endlich nach den nassen Tagen im Passat an Deck, trocknen.Habe um 1600 UTC-4h tanken wollen, da wir ja 20h motort waren, was bei einem Verbrauch von etwa 1l/h, einem 20-Liter-Kanister entspricht. Wie das halt so ist, lief mir der Tank nach etwa 7-10-Liter schon über. Eigenartig. Oder? Nach 20h nur 10 Liter verbraucht zu haben? 

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Kristina Müller am 08.06.2019

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