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Ankern auf 5000 Meter Tiefe?

Johannes und Cati parken im Bermudas-Hoch. Die Langeweile treibt Johannes zu skurrilen Rechenspielchen. Doch Aldi-Würstchen helfen

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 13.05.2016

Johannes Erdmann "Maverick" in der Flaute (hier allerdings auf der Nordsee)

Auf dem Tisch neben mir steht ein Glas Cranberrysaft. Offen. Ohne Deckel, ohne Kardanik. Schon seit Tagen stelle ich es dort ab. Das liegt nicht etwa daran, dass wir auf einem Katamaran unterwegs sind oder das Glas auf der Tischplatte fest "gesikaflext" ist. Nein, es liegt daran, dass der Atlantik gerade ruhig daliegt, wie ein Dorfteich an einem windstillen Sommertag. Bleiern und schwer.

Seit sechs Tagen sind wir nun unterwegs über den Atlantik, und seit fünf Tagen stecken wir in einem großen Hochdruckgebiet fest, einem Bermudas-Hoch. Was wir bereits vermutet haben, hat sich gestern mit dem Empfang einer Wetterkarte über Kurzwellenradio bestätigt. Es war zwar nicht viel zu erkennen, weil der Empfang ziemlich schlecht war, doch als unser Seegebiet durch den Äther piepte, wurde das Bild kurzzeitig klar und zeigte ein großes "H", in dessen Mitte wir uns gerade befinden. Immerhin, die Hälfte ist geschafft. Wir sind halb durch.

Während wir es die letzten Tage immer noch irgendwie geschafft haben, 80er-Etmale zu laufen (zum Teil dadurch, dass wir jeden Tag ein paar Stunden den Motor angeworfen haben, um aus dem stationären System herauszukommen … ), ging gestern gar nichts mehr. Absolute Windstille. Ich war kurz davor, die Segel zu bergen und über Nacht statt der Dreifarbenlaterne das Ankerlicht zu setzen. Vielleicht sogar den Anker zu werfen. Hach, wenn ich doch Karikaturen zeichnen könnte, wie Mike Peyton. Es wäre ein tolles Bild, wie wir hier liegen. Mitten auf dem Atlantik, und der Anker baumelt in 70 Meter Tiefe unter dem Boot am Ende der Kette.

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Themen: Cati TrappJohannes Erdmannzu zweit auf See

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