ARC-Blog

Aller Anfang ist mühsam

Nach anfänglicher Euphorie, dass es endlich losgeht, werden die ARC-Segler reihenweise seekrank. Auch Guhrs "Moana" wird zum Hospitalschiff. Ihr Blog von Bord

Pascal Schürmann am 27.11.2019
Guhr "Moana"
M. Guhr/www.magsail.de

Abend auf See

ARC-Blog Nr. 3

"Zugegeben, unser Start war nicht hollywoodreif, aber das ist mir angesichts von 2700 voraus liegenden Meilen ganz egal. Als wir dann jedoch das neue Tuch hochziehen, geht's ab. Das Leichtwindsegel zieht "Moana" vorwärts, der Kat galoppiert los.

Crew und Schiff sind endlich losgelassen. Vollgas Richtung Karibik! Als der Wind zunimmt, wird die Geschwindigkeit zweistellig, und alle juchzen.

Böen über 20 Knoten sind später allerdings grenzwertig für das neue Tuch, und als wir mit 15 Knoten die Welle hinabsurfen, ist mir doch ein wenig mulmig. Für die Nacht ist das definitiv zu viel. Um uns herum segeln immerhin fast 200 Yachten den gleichen Kurs, da ist auch öfter mal Ausweichen angesagt.

Safety first, und so wandert das große orange-weiße Segel zurück in den Sack. Wir fahren nur unter Fock ruhig und einfach in die Nacht. Denn die ersten aus meiner Crew hat es bereits erwischt.

Das Übel mit dem Übel

Die ersten Tage auf See sind bekanntlich die härtesten. Die Schiffsbewegungen, die neue Situation, die hinter uns liegenden Hektik fordert schnell Opfer. Damit hatte ich zwar gerechnet, aber dass meine komplette Crew seekrank wird, hat mich dann doch erstaunt.

Zwischen Kotzeimer, Küchenpapier, Wasserflaschen und Vomex ist die erste Nacht wenig erholsam für alle. "Moana" ist weniger ein Segelschiff denn ein Krankenlager. Nicht mal die Cracker bleiben drin. Ich fühle mit und kann nur wenig helfen, als immer wieder zu versprechen, dass es vorüber geht.

Die Nacht ist duster. Kein Mond, kaum Sterne, viele Wolken, ordentlich Welle und Wind. Als der Wind etwas nachlässt, sackt die Geschwindigkeit ab, und wir werden rechts und links überholt. Was ich beim Kochen von Haferbrei allerdings kaum bemerke. Hauptsache, alle werden schnell wieder fit! 

Guhr "Moana"

Mareike Guhr auf ihrer "Moana"

Mir selbst geht's gut, aber ich bin hundemüde, als der Morgen kommt. Und nach unserem starken Start drückt die reduzierte Geschwindigkeit natürlich aufs Gemüt. Aber meine Crew kotzt sich tapfer die Seele aus dem Leib. Dass wir nicht die einzigen sind, hören wir am nächsten Tag über Funk, als wieder etwas Leben in die Flotte kommt. Die Monos hat es noch viel mehr durchgeschüttelt.

Nun, nach 48 Stunden, entspannt sich alles. Endlich sitzen wir alle gemeinsam am Tisch, und es wird wieder mit Appetit gegessen. 

Der Wind hat sich, wie erwartet, fast verzogen. Der Grundkurs vom 217 Grad liegt an. Wir schleichen vorwärts. Mehr als vier Knoten Geschwindigkeit machen mittlerweile glücklich. Aber das war abzusehen. Unser Wegpunkt zum Abbiegen gen Westen ist noch 200 Meilen entfernt."

DIE SKIPPERIN

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

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Pascal Schürmann am 27.11.2019

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