Filmkritik

"All is lost" – so sieht es die YACHT

Alle großen Medien feiern das gestern angelaufene Einhandsegler-Epos mit Robert Redford geradezu hymnisch. Zu Recht? Wir waren im Kino

Uwe Janßen am 10.01.2014
All is Lost

Robert Redford verlässt das sinkende Schiff

Lobeshymnen ohne Ende für „All is lost“ – zudem sei der Film, schwärmt etwa der „Spiegel“, „realistisch bis zur Schmerzgrenze". Aber das ist grober Unfug, tatsächlich erreicht der Streifen die Wirklichkeitsnähe eines „Tatorts“ aus Münster. Gleichwohl, und da stimmt die Kritik vollends, ist er ein cineastisches  „Meisterwerk“ mit einem brillanten Robert Redford als Solisten über kurzweilige 106 Minuten. Ein starkes Märchen aus Hollywood, große Unterhaltung – also Besserwisser-Modus ausschalten und hingehen!
Uwe Janßen, stellv. Chefredakteur

Ich frage mich, ob ich den Film meiner Frau empfehlen soll – guckt sie ihn, erlaubt sie mir bestimmt nicht den langen Einhand-Schlag, den ich vielleicht noch mal irgendwann mache. Trotz mancher Mängel im Detail, die man anführen könnte: sehenswert.
Rolf Schanzenbach, Schlussredakteur

Eine verpasste Chance, leider. Ein großartiger Schauspieler, eine gute Story – und eine Aneinanderreihung von groben fachlichen Fehlern. Für einen Segler ist die Umsetzung inakzeptabel, manch ein Schnitt, etwa von völliger Flaute zu plötzlich bewegter See, erinnert an die teils laienhafte Machart der Fernsehreihe "Küstenwache". Robert Redford redet in dem Stück nicht viel, nur einmal bricht es aus ihm heraus, er schreit "Fuuuuck!" Nach zwei Stunden Ausharren im Kinositz möchte man sich ihm anschließen. 
Lars Bolle, Redakteur

Ein außergewöhnlicher und sehenswerter Film mit starken Bildern und einem überzeugenden Robert Redford. Die technischen Ungereimtheiten haben mich nicht gestört und würde ich als künstlerische Freiheit bezeichnen. Lediglich das Ende des Films hätte 20 Sekunden früher sein können.
Nils Campe, Art Director

Spannend! Laaangatmig! Spannend!
Susanna Werner, Redaktionsassistenz

Wer als Segler im Kinosaal sitzt, rutscht bereits zum ersten Mal unruhig auf seinem Sessel hin und her, wenn der Container die 39-Fuß-Yacht hinten rechts trifft. Ist Robert Redford (trotz Flaute) rückwärts gesegelt – oder hatte der Container etwa einen eigenen Antrieb? So durchziehen den Film viele kleine Detailfehler und der Segler ist froh, als nach 40 Minuten dann im Sturm endlich der Mast bricht. Denn die Segel stehen im ganzen Film nicht einmal ordentlich getrimmt, sind teilweise sogar mit verdrehtem Vorliek angeschlagen. Wer allerdings über die fachlichen Fehler hinwegblicken kann, kann sich an herrlichen Aufnahmen des Indischen Ozeans erfreuen und sich von recht gut gemachten Sturm- und Kenterszenen den Atem rauben lassen. Schauspielerisch ebenfalls eine gute Leistung – auch wenn Redford für einen Einhandsegler verblüffend wenig Selbstgespräche führt.
Johannes Erdmann, Redakteur

Die drei beruhigendsten Erkenntnisse aus dem Film, falls man selbst einmal in Seenot geraten sollte:
1. Einem Wassereinbruch im Schiff ja nicht übereilt entgegenwirken, sondern jeden Handgriff mit maximaler Bedächtigkeit ausführen.
2. Nie unrasiert das Schiff aufgeben.
3. Keine Sorge, wie ein Sextant funktioniert, lässt sich im Bedarfsfall noch schnell in der Rettungsinsel herausfinden.
Pascal Schürmann, Textchef

Großartig gespielt, im Text norddeutsch knapp, dramaturgisch kurzweilig sowie streckenweise auch für Segler spannend gefilmt. Und wer aus seglerischer Sicht Fehler suchen möchte, hat ordentlich zu tun. Zart besaitete Mitsegler lieber zu Hause lassen.
Fridtjof Gunkel, stellv. Chefredakteur

Mit Haltung untergehen: Die Frage, wie man sich beim Sinken der eigenen Segelyacht verhält, stellt man sich ja immer mal wieder. Eines ist aber sicher: so nicht. Dass das Seemännische, und auch die Realität in einem Hollywoodfilm wie erwartet zu kurz kommt, die Logik teils gänzlich fehlt, darf keine Überraschung sein. Sehr wohl aber die Rolle von Redford der mit traumwandlerischer Sicherheit und ohne jedwede Angst und Hektik Mögliches und Unmögliches an sich abprallen lässt. Starke, eindrucksvolle Bilder, gute Szenen und trotz der Widersprüche ein mitnehmender (Segel-)Film.
Sören Reineke, Bildredakteur

Als Segler so einen Film zu gucken ohne ständig jede Szene auf ihre Authentizität hin zu überprüfen ist leider fast unmöglich. Versuchen wir es trotzdem, ist er ein dramatisches, plausibles und überzeugendes Werk über die Tatsache, dass einem die See am Ende alles abverlangen kann. Im Nachgang hätte er sicher einen noch tieferen Eindruck hinterlassen, wenn man auf die vermutlich Hollywood geschuldeten, letzten 30 Sekunden des Films verzichtet hätte.
Michael Amme, Freier Autor und Fotograf

„All is lost“ ist nicht schlecht, nicht wirklich gut – aber keinesfalls langweilig. Ein ruhiger Film, trotz der Katastrophen die dem Protagonisten passieren. Man wünscht sich, in dem Alter auch so fit zu sein.
Simon Edeler, IT-Experte

Für mich ist das schon jetzt der überflüssigste Film des Jahres. Von Anfang bis Ende blieb die Frage im Kopf: Was soll das Ganze? Zumal es keine wirklich neuen Ideen gibt, was Umsetzung oder Dramaturgie betrifft.
Nils Günter, YACHT-TV

Und was meinen Sie? Diskutieren Sie mit im YACHT-Forum!

Übrigens: Für alle die mehr wissen wollen – das Segelportal „Scuttlebutt“ hat ein interessantes Hintergrundstück über die Enstehung des Films veröffentlicht.

Fotostrecke: Filmszenen: "All is lost"

Uwe Janßen am 10.01.2014

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