Langfahrt

Überraschender Besuch an Bord der "Hekla"

Pascal Schürmann am 12.09.2018

Besuch habe ich auch bekommen – von einer Fledermaus. Im Englischen Kanal habe ich das Tier zu Gast. Am Abend umkreist mich die Fledermaus, sie sucht offenbar Schutz. Dann ist sie plötzlich weg. Als ich am nächsten Morgen das Groß setze, sitzt sie in Höhe der ersten Reffbahn. Sie hatte sich wohl im aufgetuchten Segel zur Rast niedergelassen. Wenig später ist sie verschwunden. Ich hoffe, sie hat den Weg nach Hause wiedergefunden.

Meine Entscheidung, südlich der Verkehrstrennungsgebiete an der französischen Seite zu bleiben, hat sich bewährt: ganz wenig Schiffsverkehr. Das ist mit AIS und Buzzer in der Kajüte gut zu überschauen. Da fällt sogar hier und dort eine Stunde Schlaf ab. Überhaupt bin ich und war ich auch schon auf der Nordsee erstaunt, dass ich ganz gut mit dem wenigen Schlaf auskomme. Keine wie aus vorangegangenen Törns bekannten Wahrnehmungsschwierigkeiten festgestellt.

Start La Longue Route Schimmelpfenning Bremerhaven Interior 2018 SSc_STS_20180822_023

Die Biskaya hat es mir dann gleichfalls leicht gemacht. Am Morgen des 6. September passiere ich die Ile de Ouessant bei frischen Wind und kabbeliger See. Allerdings ist dort dann doch sehr viel Schiffsverkehr, und keine Minute Unaufmerksamkeit ist erlaubt. Danach Kurs Kap Finisterre. Der Nordwind hilft. Einen ganzen Tag kann ich sogar den Parasailor einsetzen. Das Segel ist allerdings einhand eine komplexe Aufgabe, und ich überlege mir immer sehr genau, ob ich es setze oder nicht.

Letztlich brauche ich wegen der vor allem nachts schwachen Winde vier Tage für die große Bucht und liege in der Nacht zum 9. September vor dem Kap Finisterre. Als ich danach Kurs Richtung Madeira setze, taucht in etwa 200 Meter Entfernung zu meiner großen Überraschung ein Wal auf. Durch seinen lauten und langen Blas bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Er ist deutlich größer als mein Schiff, hat einen glänzend glatten bläulichen Rücken und eine auffallend kleine Rückenflosse. Ein Blauwal?

Ich habe mir so gewünscht, wenigstens eines dieser großen Tiere während meines Törns live zu erleben. Dass mir das schon an der Nordspitze Spaniens gelingt, überrascht mich. Ich hoffe, es war nicht die letzte Begegnung.

BesBoot Hekla Cumulant38 Schimmelpfennig Bremerhaven 2018 SSc_STS_20180520_Hekla193

Zurzeit genieße ich Easygoing im Nordostpassat vor der Westküste Portugals. Am gestrigen Dienstag stand "Hekla" etwas südwestlich der Höhe Lissabon. Der Wind ist unterschiedlich stark, kommt aber im Großen und Ganzen immer aus der gleichen Richtung: Nordnordost. Mal segele ich mit Reffs im Groß, mal Schmetterling, mal mit Kutterfock oder Genua, aber immer in strahlendem Sonnenschein.

So geht es weiter gen Süden. Und irgendwann dann links ab. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

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Pascal Schürmann am 12.09.2018

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