Blauwasser

Äquatortaufe

Longue-Route-Segler Georg Schimmelpfennig hat den nullten Breitengrad überquert. Seit gestern segelt er mit seiner "Hekla" auf der südlichen Erdhalbkugel

Pascal Schürmann am 15.10.2018
Hekla im Atlantik
G. Schimmelpfennig

 Kurs Süd: die "Hekla" von Georg Schimmelpfennig auf dem Atlantik

Nach zuletzt zermürbenden Tagen in der Flaute kämpft sich Schimmelpfennig auf seiner Nonstop-Tour um die Welt weiter voran. Hier sein akueller Bericht von Bord: 

Wir haben ihn endlich! Den Äquator. Er hat uns nicht ranlassen wollen. Alle Flauten dieser Welt, direkt zu uns in die Kalmen, ab 10° N restlos den Wind abgeschaltet. Nein, nicht ganz, manchmal eine bescheidene Brise, dann aber von vorn.

Letztendlich hat er sich aber doch geschlagen gegeben. Er hatte nicht mit unserer Geduld gerechnet. Er wusste auch nicht, dass der Skipper kurz vor dem Wahnsinn war. Geduld wurde von außen, von guten Freunden und wohlwollenden Menschen sozusagen telepathisch geschickt.

Dann war es aber gestern doch geschafft, gegen 12:00 Uhr UTC quert "Hekla" die begehrte Linie. Ganz langsam und bedächtig, ich glaube, es waren zwei bis drei Knoten, und der Skipper steht, für jeden Meter hart kämpfend, eigens am Ruder.

Die Feierlichkeiten dann eher bescheiden, bei Einhandseglern sowieso systemimmanent. Aber es waren ja Adam, die Windfahne, Robert, der Autopilot, und noch schmollend die Leistung verweigernd, Geno, unser Strombeauftragter, dabei. Gegen Abend gibt es einen Becher Wein.

Wieder eine Etappe, und wir wünschen uns so sehr, dass der Südatlantik, am ehesten vor der brasilianischen Küste, mehr Wind bringt. Weiß gar nicht mehr, wann unser letztes Etmal über 100 Meilen war.

Position Hekla 15_10_2018

Die aktuelle Position der "Hekla" kurz nach Übersegeln des Äquators 

Da müssen wir aber ran, denn drei Monate sind kalkuliert, um auf der Höhe Kapstadts zu sein, und da heißt es hurtig, hurtig die Breitengrade auf der Welt nach Süden und den Zahlen nach oben abzuspulen. Sonst werden die Vorräte knapp.

Der Weihnachtsstollen von Tochter Rike wird schon nicht mehr die Adventszeit erleben.

Ach ja, der Strombeauftragte: Man lernt nie aus. Er hatte die letzten Tage Geräusche wie ein Hubschrauber gemacht, hatte sich schmähend immer wieder vom Wind abgewandt, um seinen Propeller abrupt zu stoppen, um sich dann wieder heftig vibrierend bemerkbar zu machen. Ich schloss daraus einen Lagerschaden im Generator oder Propeller selbst.

Inzwischen habe ich gelernt, dass er nicht wusste, wohin mit seinem Strom. Denn der Skipper selber hat ihn schlecht angeschlossen, sodass das Kabel sich dann irgendwann verabschiedete. Jetzt dreht er wieder wie runderneuert, ist kaum zu hören und liefert wunderbaren Strom für meine Batterien – immer wieder schaue ich verzückt zum Batteriemonitor. Der Pfeil zeigt nach oben.

BesBoot Hekla Cumulant38 Schimmelpfennig Bremerhaven 2018 SSc_STS_20180520_Hekla193

Was lernen wir daraus? Nicht alles sollte man selber machen. Segeln reicht!

Pascal Schürmann am 15.10.2018

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