Wetter

Achtung, Otto tobt sich aus!

Ein Sturmtief droht, Nord- und Ostseeseglern das Wochenende gründlich zu vermiesen. Die Seenotretter sind in Alarmbereitschaft

Pascal Schürmann am 22.07.2011
Sturm

Sturm

Viele Crews dürften an diesem Wochenende einen oder gar zwei unfreiwillige Hafentage einlegen. Tief Otto hat es sich von Polen kommend derzeit über Dänemark gemütlich gemacht. Bis Sonntag wird es seine Position voraussichtlich nur unwesentlich verlagern, vermutlich hinaus auf die Deutsche Bucht oder nach Ostfriesland. So oder so wird Otto über Nord- und Ostsee reichlich Wind schicken. Windstärke 6 aus West bis Südwest, in Böen 7–8, vereinzelt sogar bis 9, so die Prognose der Wetterdienste.

Der Sturm kommt denkbar zur Unzeit. In Lübeck wird heute die Travemünder Woche eröffnet, erste Regatten stehen für Samstag auf dem Plan. „Eigentlich sollen morgen früh die Dickschiffe auf die Seebahn nach Grömitz gehen“, berichtet Pressesprecher Andreas Kling. Mit einer Verschiebung sei wohl zu rechnen, unter Umständen sogar mit einer kompletten Absage des Starts. 43 Crews wären davon betroffen.

Auch die Motten und die 18-Footer würden eigentlich ab Samstagmittag mit ihren Titelkämpfen beginnen. Doch die filigranen Highspeed-Segelmaschinen sind nun wahrlich nicht fürs Starkwindsegeln ausgelegt. „Bei 5, 6 Windstärken wird es kritisch“, sagt Kling, "andere Klassen vertragen da noch eine Mütze mehr Wind.“

Welche Regatten tatsächlich dem Sturm zum Opfer fallen, werde von Stunde zu Stunde entschieden. Man bleibe in ständigem Kontakt mit Wetterdienstler Wetterwelt, der die Regattaveranstaltung als Partner unterstütze.

Kling: „Zum Glück werden die meisten Klassen morgen eh erst noch vermessen, bleiben also an Land.“ Apropos Land. Das Wetter sei natürlich auch bitter für das Festivalprogramm entlang der Travemündung. Immerhin, wen Regen und Sturm nicht vom Besuch der Veranstaltung abhalten, muss wenigstens nicht befürchten, dass der Sturm Zelte, Bühnen oder Buden fortreißen könnte. Alles sei entsprechend gesichert, so Kling.

Sichern, das ist auch das Gebot der Stunde für die Charterflottenbetreiber entlang der Küste. Malte Baumbach, technischer Leiter von Flottenbetreiber Mola: „Wir haben alle unsere Stützpunktleiter angewiesen, die Boote zusätzlich zu sichern.“

Der Sturm fällt genau in die Hauptsaison der Vercharterer. Und nicht nur das, morgen ist auch noch der Hauptwechseltag. „Allein heute erwarten wir über 100 Schiffe zurück, die alle am Samstag von neuen Crews übernommen werden“, so Baumbach. Noch sei der Wind zum Glück moderat, Meldungen über verspätete Rückgaben seien bislang nicht eingetroffen. „Viele Crews sind angesichts des aufziehenden Sturms auch gestern schon zumindest in die Nähe der Rückgabestation gesegelt, um heute nicht in Schwierigkeiten zu geraten.“

Wie er wird auch Dirk Kadach vom Charterzentrum Heiligenhafen den neuen Crews raten, morgen und vielleicht auch noch übermorgen besser aufs Auslaufen zu verzichten. Für das Charterzentrum besonders bitter: „Morgen sollte eigentlich unsere große Sommerferien-Familienflottille starten“, so Kadach. Damit die Gesichter vor allem der vielen Kinder nicht zu lang würden, werde man nun rasch ein Alternativprogramm auf die Beine stellen. „In Heiligenhafen ist zum Glück Hafenfest, das sorgt für Abwechslung.“

Besonders hart trifft es einige wenige Wochenendcharterer, die ihren Kurztörn nun nicht antreten können. Mit ihnen einige man sich auf Alternativtermine, erklärt Kadach.

Verbieten könne man natürlich keinem Kunden, auszulaufen. Aber da momentan in der Mehrzahl Familiencrews auf Törn gingen, sei die Risikobereitschaft, dem Sturm zu trotzen, eh nicht so groß. „In der Vorsaison, wenn viele Männercrews unterwegs sind, haben wir häufiger Probleme, dass die Segler einen Sturm unter- beziehungsweise ihr Können überschätzen“, sagt Kadach. Und weiter: „Bei den Familiencrews sind die Ehefrauen unsere besten Verbündeten. Die sorgen von sich aus dafür, dass das Schiff bei zu viel Wind im Hafen bleibt.“

Kinder, und zwar sehr viele, gucken in diesen Stunden auch an der Nordseeküste eher bedröppelt denn erfreut angesichts des vielen Windes. In Cuxhaven treffen die Teilnehmer des Störtebeker Opti-Cups ein. Ihr Ziel: Helgoland. An diesem Wochenende wollen dort rund 120 Optisegler gegeneinander antreten. Doch wie hinkommen?

Optis

Optis auf der Nordsee

Ole Pietschke von Yachtversicherer Pantaenius, der die Veranstaltung als Partner unterstützt, berichtet aus Cuxhaven: „Momentan sieht es so aus, dass die Fähren am Samstagmorgen nicht fahren, wir die Kinder und ihre Betreuer also nicht auf die Insel bekommen.“ Er sei aber optimistisch, dass man am Sonntag nach Helgoland komme und dann dort auch Rennen starten könne. Zwischen der Hauptinsel und der benachbarten Düne werde es voraussichtlich geschützt genug sein. Und hohe Wellen gehörten zum Opti-Cup eh dazu. „Wir produzieren hier ja auch Seehelden“, ergänzt Pietschke mit einem Augenzwinkern.

Der Opti-Cup, erstmal 2006 ausgetragen, zieht Kinder aus ganz Deutschland an. Ausrichter ist der Blankeneser Segel-Club. Gesichert wird die Veranstaltung mit einem enormen Aufgebot von DLRG und privaten Betreuern. „Einige Kids aus dem Binnenland gucken angesichts des Seereviers anfangs doch immer recht respektvoll. Am Ende sind sie dann aber mächtig stolz, mal so richtig auf der Hochsee gesegelt zu haben“, erzählt Pietschke.

Heute müssen er und alle anderen aus dem Organisationsteam allerdings kräftig improvisieren. In Cuxhaven müssen Ausweichquartiere für die anreisenden Kinder und ihre Betreuer, meist die Eltern, her. Und ein Ersatzprogramm für den Samstag will auch auf die Beine gestellt sein. „Die Seglervereinigung Cuxhaven hat Platz für die Optis geschaffen, viele Eltern kommen in der Jugendherberge unter, und für morgen haben wir einen Museumsbesuch in Bremerhaven ins Auge gefasst“, sagt Pietschke.

An Land bleiben, das empfiehlt im Übrigen auch die DGzRS den Seglern an Nord- und Ostsee. Wer dennoch unbedingt los wolle oder müsse und sich unsicher sei, solle ruhig bei den Seenotrettern anklopfen. „Unsere Leute auf den Booten wissen sehr genau, welche Bedingungen bei welchen Sturmverhältnissen im jeweiligen Revier zu erwarten sind und geben gern entsprechend Auskunft“, sagt DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey.

Wenn man nicht gerade in der Mittagszeit zwischen 12 und 15 Uhr komme – „dann ist Ruhe im Schiff“ –, brauche man sich nicht von den „Betreten verboten“-Schildern abhalten lassen. „Segler sind mit ihren Fragen immer willkommen.“ Darüber hinaus finde man in den Schaukästen am Steg in der Regel stets einen aktuellen Seewetterbericht.

Das Sturmwochenende bereite den Seenotrettern kein allzu großes Kopfzerbrechen, der Wind sei ja zum Glück lange genug im Voraus angekündigt. „Wir sind zwar in Alarmbereitschaft“, so Stipeldey, „aber das sind wir schließlich immer.“ Je nach Region und Situation werden Rettungsboote und Seenotkreuzer an neuralgischen Punkten vorbeugend aber ihren Liegeplatz im Hafen verlassen und Seepositionen einnehmen, um in Notfällen schneller am Einsatzort zu sein, so der DGzRS-Sprecher.

Wer es ganz genau wissen will: Hier ist der aktuelle YACHT-Segelwetterbericht fürs Wochenende, herausgegeben von der Kieler Firma Wetterwelt.

Pascal Schürmann am 22.07.2011

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