Expedition

"Abora IV": mit Schilf-Schiffen auf große Fahrt

Zwei ungewöhnliche Törns sollen 2019 starten: Der deutsche Forscher Dominique Görlitz will über das Mittelmeer, ein Amerikaner sogar über den Pazifik segeln

Kristina Müller am 15.03.2019
Schilfboot Abora unter Segeln
www.abora.eu

Wer im kommenden Sommer im östlichen Mittelmeer segelt, könnte – wenn alles nach Plan läuft – einem außergewöhnlichen Schiff begegnen: einem Schiff ohne Kiel und richtiger Kajüte, dafür mit einem Rumpf, der aus Hunderttausenden Schilfrohren zusammengeschnürt wurde. Wie gesagt: wenn alles gut geht.

"Derzeit sind wir dabei, den Transport der Schilfteile zu organisieren", erzählt Dr. Dominique Görlitz. Der Biogeograf und Experimentalarchäologe aus Chemnitz ist die treibende Kraft hinter dem Projekt "Abora IV": jenem Schilfboot, das im Sommer 2019 von Sotschi aus über das Schwarze Meer, durch den Bosporus und die Dardanellen und weiter über das Mittelmeer bis nach Ägypten segeln soll. Damit will Görlitz frühe Seehandelsrouten zwischen dem Schwarzmeerraum und Ägypten nachweisen. 

"Viele Historiker und erfahrene Segler bezweifeln, dass ein Fernhandel auf dieser schwierigen Route für ein Schilfboot überhaupt möglich war", sagt er. "Doch ich bin fest davon überzeugt: Der Mensch war viel früher, als bisher angenommen, ein Meister von Wind und Wetter."

Von Bolivien ans Schwarze Meer

Am bolivianischen Ufer des Titicacasees entstanden die zusammengeschnürten Schilfbündel für den Rumpf des Schiffes unter Anleitung der im Schilfbootsbau versierten Aymara-Indianer. Auch Görlitz' vorherige Projekte "Abora II" und "Abora III" fertigte er hier und ließ sie im Anschluss zu den Ausgangsorten seiner Expeditionen transportieren. So auch 2007, als er mit einer Crew von New York aus zur Atlantiküberquerung von West nach Ost startete, um zu zeigen, dass schon Boote aus längst vergangener Zeit gegen den Wind und über den Atlantik kreuzen konnten. Noch vor Erreichen der Azoren musste der außergewöhnliche Törn jedoch aufgrund von zu großer Schäden am Rumpf abgebrochen werden.

Im Sommer 2007 wollte die Crew um den Wissenschaftler Dominique Görlitz den Atlantik auf dem Schilfboot "Abora III" von West nach Ost überqueren. Sie kamen bis kurz vor die Azoren. Eindrücke der Reise

Um eventuelle Vorschäden durch den Transport zu vermeiden und seine nächste Mission nicht schon vor dem Ablegen zu gefährden, werde die "Abora IV" daher entweder am russischen oder bulgarischen Ufer des Schwarzen Meeres fertig gebaut. "Das klären wir gerade mit den Zollbehörden", erklärt Görlitz. "Wir bauen da, wo wir zuerst reingelassen werden." Laut Zeitplan will er schon im Juli 2019 lossegeln, der eigentliche Bootsbau dauere nicht mehr lange. 

Auf 2,5 Millionen Schilfrohren über den Pazifik

Görlitz ist nicht der Einzige, der zurzeit mit einem Schilfboot auf große Fahrt gehen will. An der nordchilenischen Küste wurde vor wenigen Wochen die "Viracocha III" zu Wasser gelassen. Phil Buck, Abenteurer und Kopf der "Viracocha Expedition", will mit dem gut 23 Meter langen und fünf Meter breiten Schilfboot über den Südpazifik segeln: Von Chile aus, durch die Südsee, bis nach Australien. Die Gefahr dabei ist jedoch, dass sich das Schilf mit Wasser vollsaugt. Zur Stabilisierung haben die Bündel jeweils ein Rohr im Kern.

Bau eines Schilf-Schiffes: faszinierender Zeitraffer

Wie Görlitz ist auch Buck inspiriert von Thor Heyerdahls "Kon-Tiki" und ist bereits mit vorangegangenen Schilfbooten zur Osterinsel gesegelt. Diesmal soll es weiter gehen, und die rund sechsmonatige Reise auf dem Schiff aus zweieinhalb Millionen Schilfrohren soll sobald wie möglich beginnen.

Das Projekt "Abora IV": www.abora.eu
Das Projekt "Viracocha III": www.buckexpeditions.com

Kristina Müller am 15.03.2019

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