Nonstop rundum

Abbruch! Peter Conrad gibt auch seinen dritten Versuch auf

Technische Probleme zwingen den Einhandsegler erneut zur Umkehr – wieder endet die geplante Nonstop-Weltumsegelung schon früh

Uwe Janßen am 14.09.2019
Peter Conrad
YACHT / K. Andrews

Peter Conrad

Der Eckernförder Skipper Peter Conrad hat seinen dritten Versuch einer Nonstop-Weltumsegelung abgebrochen. Der Verdacht auf einen strukturellen Schaden an seiner DEB 33 „Timshal“ und Trinkwasserprobleme lassen dem 48-Jährigen aus Eckernförde eine Fortsetzung des Projekts zu riskant erscheinen. Die Aufgabe sei ein Gebot der Vernunft und der Seemannschaft, sagt er.

Nachdem im vergangenen Jahr bereits zwei Versuche kurz nach dem Start gescheitert waren, begann die dritte Nonstopfahrt um die Welt erneut mit einigen Problemen. Am 24. August war Conrad im niederländischen IJmuiden aufgebrochen. Sehr wechselhaftes Wetter im Englischen Kanal bereitete ihm mit dem kleinen, relativ schweren Boot unerwartete Schwierigkeiten.

Peter Conrad

Struktureller Schaden? Alarmsignale aus dem  Bereich um den Mastfuß

In ausgedehnten Flautenphasen musste Conrad in dem strömungs- und verkehrsreichen Gebiet häufig motoren, die Dieselvorräte schrumpften schon früh. Dann kam in Starkwind und Strömungssee ein Knock-down hinzu, bei dem sich der Skipper verletzte. Er kam tagelang nur mühsam voran und fand kaum Schlaf.

Aber mit dem Erreichen des offenen Atlantiks schienen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Die „Timshal“ machte über die Biskaya und vor der portugiesischen Küste gute Fahrt. Der Skipper schien seinen Rhythmus gefunden zu haben. Endlich machte ihm die Fahrt „Spaß“, wie er meldete, er begann, das Segeln zu genießen.

In der Nacht auf den 7. September jedoch bekam das Schiff in grober See in einem Wellental einen brutalen Schlag. In der Folge vernahm Conrad beunruhigende Knarzgeräusche aus dem Bereich des Mastfußes. Womöglich hatte das Deck einen strukturellen Schaden erlitten – der Mast der „Timshal“ ist nicht durchgesteckt, er steht in seinem Fuß an Deck. Und die Warnsignale wurden mit zunehmender Dauer immer stärker und lauter, die hässlichen Geräusche schienen sich zudem auszubreiten.

Somit schwand beim Skipper nach und nach „das nötige Vertrauen in die weitere Stabilität für eine Umrundung“. Zumal ihm die extrem harten Reviere noch bevorstanden.

Außerdem war das Trinkwasser im Tank ungenießbar geworden, mutmaßlich durch eine Reaktion von Material mit einem vor der Ausreise hinzugefügten Additiv. Somit wäre Conrad bei einer Fortsetzung allein auf den manuellen Watermaker angewiesen gewesen. Auch dieses Risiko erschien ihm zu groß.

Timshal

Der Track der „Timshal“: Ablaufen nmach Cadiz

Deshalb entschied er sich, etwa auf der geografischen Breite der Straße von Gibraltar, auf dem Atlantik zum Abbruch. Die „Timshal“ läuft derzeit nach Cádiz ab. Ob Conrad einen vierten Versuch angehen wird, ist derzeit noch offen. Fest steht allerdings, dass er es mit der betagten DEB 33, die er neun Jahre lang auf dieses Projekt vorbereitet hatte, nicht noch einmal probieren wird. 

Uwe Janßen am 14.09.2019

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