Rekordfahrt

70-Jährige rundet Kap Hoorn

Jeanne Socrates hat auf ihrem Solo-Nonstop-Törn um die Welt die Südspitze Amerikas passiert. Beim letzten Mal war sie dort gescheitert

Pascal Schürmann am 08.01.2013
Socrates

Jeanne Socrates 2012 in Kanada nach Vollendung ihrer letzten Weltumsegelung

Auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte die 70-jährige Britin Socrates die berüchtigte Landmarke schon einmal querab. 2011 jedoch war sie zu diesem Zeitpunkt bereits unter Motor auf dem Weg nach Ushuaia, um ihr Schiff zu reparieren. Das hatte damals wenige Tage zuvor infolge einer Kenterung so großen Schaden genommen, dass an eine Fortsetzung des Nonstoptörns nicht zu denken war. In Etappen vollendete sie seinerzeit dennoch den Törn um die Welt.

Nun ist Jeanne Socrates wieder unterwegs. Vor 79 Tagen hat sie Victoria verlassen, die Inselhauptstadt von Vancouver Island vor der Küste Westkanadas. Von dort will sie von West nach Ost um die Welt. Es ist bereits ihr dritter Versuch, die Erde einhand und nonstop zu umsegeln.

Einen ersten Rückschlag musste die Britin, die erneut mit ihrer "Nereida", einer Najad 380, unterwegs ist, bereits gleich zu Beginn hinnehmen. Nur wenige Tage nach dem Start verlor sie ihre Rettungsinsel. Die hatte sich in ruppiger See aus ihrer Halterung am Heckkorb gelöst und sich im Wasser aufgeblasen. Socrates musst daraufhin außerplanmäßig die Bucht von San Francisco anlaufen, um dort eine Ersatz-Insel zu übernehmen.

Zuvor hatte das World Sailing Speed Record Council, das die Rekordfahrt der Britin offiziell beobachtet und mitloggt, sein Einverständnis zu der Aktion gegeben. Der Aufenthalt in der Bucht – Socrates lag für kurze Zeit an einer Muringboje – sei nicht als Unterbrechung der Nonstop-Fahrt zu werten.

Socrates

"Nereida", die Najad 380, mit der Jeanne Socrates derzeit wieder auf dem Weg um die Welt ist

Danach setzte Socrates ihren Südkurs fort. Abgesehen von einigen Tagen Flaute sowie kleineren technischen Problemen, über die sie in ihrem Internetblog berichtet und die sie augenscheinlich allesamt selbst in den Griff bekam, verlief ihre Fahrt bislang reibungslos. Gestern Morgen chilenischer Ortszeit erreichte sie dann eine Position rund 100 Seemeilen südlich von Kap Hoorn. Die Inselgruppe an der Südspitze Feuerlands habe sie lediglich auf der elektronischen Seekarte gesehen. Aus Respekt vor dem Felsen und nach den leidvollen Erfahrungen beim letzten Mal habe sie einen ausreichend großen Sicherheitsabstand zum Land einhalten wollen, schreibt sie.

Auf ihrem AIS beobachtet die Britin, wie sie ferner schreibt, seit Tagen schon einige weitere Yachten. Es sind die Boote der Vendée-Globe-Teilnehmer, die zurzeit ebenfalls auf ihrem Weg um die Welt Kap Hoorn runden. Das Race Management der Vendée Globe habe sie freundlicherweise in den vergangenen Tagen immer wieder mit aktuellen Eisberg-Reports unterstützt.

Die Regattasegler haben nur noch den Atlantik vor sich auf ihrem Weg zurück zum Ziel. Socrates hingegen beginnt nun erst mit der Querung des Südatlantiks, bevor sie danach in den Indischen Ozean eintauchen wird. Ihr Kurs führt sie, sollte alles weiterhin problemlos verlaufen, vorbei an Südafrika und später dann längs der Südküste Autraliens und um Neuseeland herum und schließlich weiter nordostwärts quer über den gesamten Pazifik zurück gen Westkanada.

Socrates

Der bisherige Kurs der "Nereida" von Westkanada bis Kap Hoorn

Die derzeit älteste Einhand-Weltumseglerin ist Jeanne Socrates bereits. Erreicht sie nun ihr Ziel wie geplant ohne Zwischenstopp, wäre sie darüber hinaus auch die älteste Seglerin, die dies nonstop geschafft hätte.

Pascal Schürmann am 08.01.2013

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