Speedrekord

50-Knoten-Marke zweimal geknackt

Ein Kitesurfer war der Erste, die Jagd durch den Tri "l'Hydropère" ist jedoch eröffnet

Lars Bolle am 07.10.2008

Kitesurfer gegen Trimaran

50,57 Knoten schaffte der Franzose Caizergues auf der offiziellen Messstrecke über 500 Meter. Die Freude wird indes wohl nicht lange währen: Auf 52,86 Knoten brachte es ein Tri kurz danach – allerdings inoffiziell.

Bei der Lüderitz Speed Challenge 2008 in Namibia purzelten am vergangenen Wochenende die Rekorde. Den Kitesurfern gelang, was bis dato als magische Grenze gegolten hatte: Sie knackten die 50-Knoten-Marke und stellten somit einen neuen Geschwindigkeitsrekord für windgetriebene Wasserfahrzeuge auf. Am Samstag gelang es dem französischen Kitesurfer Alexandre Caizergues, in seinem Lauf über die 500 Meter lange Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,57 Knoten (93,65 km/h) zu erzielen. Der Rekord wurde von den Kampfrichtern vor Ort bestätigt und muss nun noch offiziell vom WSSRC (World Sailing Speed Record Council) ratifiziert werden.

Der erste Mensch, der jemals mit einer höheren Geschwindigkeit als 50 Knoten über das Wasser schoss, war am Tag zuvor Caizergues Landsmann Sebastien Catellan gewesen. Sein Rekord wird zwar in die Geschichte eingehen, doch er hielt nur einen Tag. Denn am Samstag herrschten in Lüderitz noch bessere Bedingungen, sodass die 50 Knoten gleich mehrmals überboten wurden. Caizergues schaffte es, in drei Läufen schneller zu sein.

Minimaler Aufwand: Der Kitesurfer Alexandre Caizergues

Die 500-Meter-Distanz bedeutet auf dem Wasser in etwa so viel wie der 100-Meter-Sprint in der Leichtathletik. Es ist die Königsdisziplin unter den Geschwindigkeitsrennen. Seit Jahren duellieren sich hier bereits Segler und Windsurfer. Erstmals gelang es 1986 dem französischen Windsurfer Pascal Maka, mit 38,86 Knoten den Seglern den Rekord abzujagen. Erst sieben Jahre später konnte wieder ein Segelboot, die "Yellow Pages", diese Marke zu überbieten. 2004 dann knackte mit dem Iren Finian Maynard wieder ein Windsurfer den Rekord. Vorläufiger Höhepunkt der Dominanz der Windsurfer war 2008 wiederum die Bestmarke eines Franzosen. Antoine Albeau galt seitdem als schnellster Mann auf dem Wasser.

Im vergangenen Jahr stiegen dann auch die Kitesurfer ernsthaft ins Rennen um den Geschwindigkeitsrekord ein. Zu Beginn der Speed Challenge 2008 in Namibia konnte sich bereits der Kiter Rob Douglas (USA) kurzzeitig als Schnellster bezeichnen.

Viel Aufwand: Der Tri in seinen zwei Konfigurationen für Speedrekorde (links) und Hochsee

Nur zwei Tage später schlug das Pendel jedoch wieder in Richtung Segler aus. Wobei Segeln auch in diesem Falle nichts mehr mit dem traditionellen Begriff zu tun hat. Auf Tragflächen bewegt sich der 18-Meter-Tri "l'Hydroptère" fort, von Verdrängen oder Gleiten kann nicht mehr die Rede sein.

Im französischen Port-St-Louis trainiert die Crew gerade für die Bestmarke. In der vergangenen Nacht ergab die Analyse der Datenaufzeichnung von einer Probefahrt vor Fos sur Mer 52,86 Knoten. "Es ist das erste Mal, dass ein Segelboot die 50-Knoten-Marke übertroffen hat", sagte Skipper Alain Thébault. "Jetzt müssen wir alles daransetzen, diese Geschwindigkeit über die 500-Meter-Distanz zu halten."

Die 50-Knoten-Marke galt bisher als unpassierbar, da in diesem Geschwindigkeitsbereich vor allem das Problem der Kavitation mit der Folge von strukturellen Schäden als unlösbar galt.

Lars Bolle am 07.10.2008

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