Interview

Das sind die Pläne des Weltseglerverbandes World Sailing

Lars Bolle am 27.02.2018

Die durchgängige Kontrolle der Ausführung will der Welt-Seglerverband World Sailing nun zumindest für Regattayachten ändern.
Rennyachten, mit denen Regatten der Kategorien 0, 1 oder 2 gesegelt werden, also allgemein Hochseeregatten, müssen den Offshore Special Regulations von World Sailing entsprechen. Für diese findet derzeit bezüglich des Kiels nur eine Zeichnungsprüfung statt. Diese Prüfung soll ausgeweitet werden, um auch die anderen kritischen Aspekte einer Kielkonstruktion zu beleuchten und damit sicherzustellen, dass Unfälle wegen Kielverlustes nicht mehr passieren. Das betrifft in erster Linie die Ausführung der Arbeiten. Bei der Auswertung vergangener Schadensfälle ist der Arbeitsgruppe von World Sailing aufgefallen, dass der Grund der Kielverluste nicht unbedingt im Design zu finden ist, sondern auch in der Realisierung. Die Kon­struktionsbetriebe von Rumpf und Kiel waren sich offensichtlich nicht immer der Bedeutung einer sachgemäßen Umsetzung der Konstruktion bewusst. Es ist vor­gesehen, dass diese Regel für Neubauten ab 2020 in Kraft treten soll.

Es soll also eine Art Bauaufsicht eingeführt werden?
In der neuen Regel wird eine genauere Dokumentation der Anfertigung gefordert, etwa welches Schweißgut bei welcher Temperatur zu verwenden ist, was bei dem Werkstoff zu beachten ist, welche Oberflächen­güte in der Nachbearbeitung zu erzielen ist und so weiter. So könnte man den Auftrag eigentlich jedem geben, und der setzt ihn dann eins zu eins um. Eine derartige Dokumentation gab es bisher nur in seltenen Fällen. Normalerweise wurde nur eine grobe Konstruktion geliefert – damit haben die Werften dann gemacht, was sie für richtig hielten. Ist man zu einem Hersteller gegangen, der jahrein, jahraus Kiele baut, hatte man wahrscheinlich kein Problem; wenn man dagegen zu einer Werft gegangen ist, die nur günstig war, vielleicht schon.

Jetzt soll die gesamte Herstellung eines Kiels vor Ort überwacht werden?
Nein, das geht schon aus Zeit- und Kostengründen nicht. Die Qualitätssicherung soll der Produzent selbst dokumentieren, mittels Fotos, Ultraschall oder anderer Methoden. Das kommt alles in eine große Dokumentationsmappe und wird bei der kontrollierenden Stelle, wie dem DNV GL, abgegeben. Wir sitzen nach wie vor im Büro und kontrollieren. Eine Ausnahme ist jedoch die Montage. Da wird in jedem Fall ein Sachverständiger vor Ort sein, der sich die kritische Heirat von Kiel und Rumpf anschaut und kontrolliert, ob diese denn auch sachgerecht durchgeführt wird.

Es sind auch wiederholte Überprüfungen geplant.

Es ist angedacht, verpflichtend wiederkehrende Prüfungen einzuführen.

Die Idee ist momentan eine jährliche Prüfung, aber das finde ich zu starr. Wenn man mit seinem Boot nur einmal im Jahr rund Fünen segelt und nicht auf Grund läuft, ist eine Überprüfung meiner Meinung nach nicht nötig. Es wird deshalb vermutlich ein Kriterium geben, das die Segelzeit und die zurückgelegten Seemeilen berücksichtigt.

Warum dieser Aufwand?
Ein Auflaufen ist ein einmaliges, großes Ereignis. Um die dafür vorgesehenen Vorgaben der Norm zu erfüllen, braucht es nicht viel, das sind relativ einfache Rechnungen, Hebelgesetze, Festigkeitsrechnungen. Wo es kompliziert wird, ist der Bereich der millionenfachen Lastwechsel. In jeder Welle gibt es einen Lastwechsel, diese kumulieren sich in unterschiedlichen Amplituden und können zu Ermüdungen von Konstruktionen führen. Daraus entstehen Schäden, die zu Zeitpunkten auftreten können, wenn keiner damit rechnet, vielleicht bei relativ ruhigen Bedingungen. Dieses Risiko sollen wiederkehrende Prüfungen verringern.

Entwicklungen im Regattabereich sind oft Vorreiter für den Breitensport. Sind auch für Freizeityachten schärfere Kontrollen geplant?
Inwieweit diese Initiative von Verantwortlichen aufgenommen wird, die für die Sicherheit der Sportschifffahrt zuständig sind, kann ich nicht sagen.

Wäre das denn aus Ihrer Sicht sinnvoll? Also eine Art Boots-TÜV für den Kiel?
Ich denke, das würde die Sicherheit erhöhen. Das Problem ist ja essenziell. Andere Bereiche sind da eher sekundär, nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Ein Rigg kann herunterkommen, ohne dass die Crew gefährdet ist, auch ein Ruderverlust ist drastisch, aber die Yacht schwimmt meist noch. Die Folgen eines Kielverlustes sind dagegen dramatisch, innerhalb von Sekunden liegt die Yacht flach auf dem Wasser und geht nur mit Glück nicht unter. Gemessen an der Masse an Yachten, die unterwegs sind, passiert hinsichtlich des Kiels zwar verschwindend wenig. Wenn aber etwas passiert, dann häufig mit Verlust von Menschenleben. Um das zu verhindern, muss einiges legitim sein.

Das vollständige Interview erschien in YACHT 4/2018 (hier digital oder Print bestellen), oder den Artikel einzeln über den Link unten herunterladen.
 

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Lars Bolle am 27.02.2018

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