Corona-Krise
3 Phasen für den Segelsport

Auch der Städteverband Schleswig-Holstein hat Vorschläge für die angekündigten Lockerungen vorgelegt. Er fordert darin strenge Restriktionen

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 27.04.2020
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YACHT/N. Krauss 3 Phasen für den Segelsport

"Das heißt ausdrücklich, dass ab dem 04.05.2020 noch nicht gesegelt werden kann!" So fasst die Verfasserin der Empfehlung für die Landesregierung selber zusammen, was sie vorschlägt – und ist damit strenger als die Politik selbst, die am 20. April angekündigt hat, dass Anfang Mai unter Auflagen wieder gesegelt werden darf.

Raketenwissenschaft Segelsport

Grund für diesen Rat ist ein sogenanntes "3-Phasen-Modell". Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich diese wissenschaftlich anmutende Vorstellung vom Segelsport als folgenschweres Laienverständnis. Denn erst, wenn alle Boote geslippt wurden, soll in Phase 2 erlaubt werden, die Masten zu stellen. Und erst wenn das alle Eigner erledigt haben, dürfen die ersten auslaufen. Dass es unter solchen Umständen vielleicht vor Ende der Saison gar nicht dazu kommt, lässt auf mangelndes Verständnis vom Segelsport oder Kalkül schließen.

Hier das Schreiben des Städteverbandes als PDF

Privat Vorschlag Städteverband

Manche Segler sind gleicher als gleich

Doch das Auslaufen ist laut dem Städtetags-Vorschlag im Land zwischen den Meeren ohnehin längst nicht jedem gestattet. So gilt für Nicht-Schleswig-Holsteiner auch weiterhin: "Wir müssen leider draußen bleiben." Während Ferienwohnungen und Wohnwagen – selbst auf den von der Pandemie bislang verschonten Inseln – wieder von Auswärtigen aufgesucht werden dürfen, soll Seglern die Einreise weiterhin untersagt werden – obschon sie nach dem Auslaufen nur noch Möwen und Seesterne anstecken können. Für alle anderen gilt aber auch nicht, dass sie einfach mit ihrem Eigentum verfahren dürfen, wie sie wollen: So wird etwa vorgeschlagen, Kalendertage zum Segeln zuzuteilen, damit das Ausbreitungsrisiko des Corona-Virus auf ein Minimum reduziert wird.

Der Zweck vor lauter Mitteln kaum zu erkennen

Unter dem Strich wirken die Vorschläge so, als wäre lediglich eine Rechtfertigung für die Rechnungen der Liegeplatzgebühren bei weitgehender Unterbindung der Hafenbenutzung erarbeitet worden. Es ist den Vorschlägen kaum anzumerken, dass sie den Zweck beinhalten, freiheitsbeschränkende Maßnahmen unter der Maßgabe der ohnehin geltenden Auflagen zu lockern. So soll das Öffnen der Sportboothäfen nur schrittweise erfolgen, Gastlieger vorerst nicht erlaubt sein und auch Liegeplatzinhabern das Übernachten an Bord untersagt werden.

Klagewelle programmiert

Nachdem sich Segler in der vergangenen Woche bereits wegen der Hafensperrungen an das Oberverwaltungsgericht gewandt haben, bleibt abzuwarten, ob die Landesregierung sich für eine derart extreme Ausgestaltung der angekündigten Lockerungen entscheidet und damit die nächste Klagewelle auslöst oder ob man, wie in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens auch, darauf vertraut, dass die Benutzer von Sportboothäfen sich an die geltenden Maßnahmen der Bundesregierung halten.


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Themen: CoronaCorona-KriseHafensperrungKlageOberverwaltungsgericht

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