Jubiläum

100 Jahre Segelausbildung auf der Elbe

Im Jahr 1914 wurde die Jugendabteilung des Blankeneser Segelclubs gegründet. Eine Pionierleistung, die bis heute Früchte trägt

Lasse Johannsen am 16.09.2014
Jugendwanderkutter "Onkel Hanne" unter BSC-Stander

Jugendwanderkutter "Onkel Hanne" unter BSC-Stander

"Der Wassersport ist in hervorragendem Maße geeignet, die Jugend zur Selbständigkeit und Geistesgegenwart zu erziehen, sowie die Liebe zur engeren Heimat und zur Natur zu wecken und zu pflegen." So steht es in der Gründungssatzung der "für Knaben im Alter von 10 bis 16 Jahren" am 1. November 1913 beschlossenen Einrichtung.

Hintergrund, so BSC-Vorsitzender Dieter Tetzen in seiner anlässlich des Jubiläums gehaltenen Rede, sind damals die Jungs vom Elbstrand, die den Seglern traurig hinterhersehen, wenn die am Wochenende aufs Wasser gehen. "Wem die Jugend gehört, dem gehört die Zukunft", habe ein fortschrittlich gesinntes Mitglied seinerzeit postuliert. Und er sei damit auf breite Zustimmung im BSC gestoßen.

Gründung der ersten Jugendabteilung weit und breit

Schnell ist die Jugendabteilung im Verein am Elbstrand beschlossene Sache. Ihr Zweck: "Anleitung zum Rudern und Segeln durch theoretische und praktische Übungen, gemeinschaftliche Ausflüge, Schwimmen, Vorträge und Unterweisung in praktischen seemännischen Arbeiten." In ganz Segeldeutschland gibt es zu dieser Zeit mit der "Kieler Yachtschule" erst eine einzige vergleichbare Einrichtung.

Heute gibt BSC-Vorsitzender Tetzen zu: Ganz uneigennützig sei die Sache wohl nicht gewesen – "man erhoffte sich, die gut angelernten Jungs später auch anheuern zu können." Verständlich: Die Boote liegen anno 1914 an Bojen im Strom, man braucht Bootsleute, die sie regelmäßig ausösen und die Besatzungen hinrudern. Und schließlich fehlt es dem ein oder anderen Clubmitglied auch an Mitseglern.

So lernt der "Verein im Verein" schon bald das Laufen. Mit Beginn des Jahres 1914 werden die ersten Mitglieder aufgenommen, Boote angeschafft und das heute noch unverändert am Fähranleger stehende Bootshaus aus einem alten Kohlenschuppen hergerichtet. Gesegelt wird auf Gigs und Kuttern. Es gibt Jugendregatten und Wanderfahrten, um die Nachwuchswerbung kümmert sich ein rühriges Clubmitglied – ein Lehrer an der örtlichen Schule.

Mädchenabteilung anno 1919 – eine echte Sensation

War diese Einrichtung schon eine Pionierleistung, kommt die kurze Zeit später gegründete "Mädchenabteilung" einer echten Sensation gleich. Doch für den Club am Strandweg ist es ein logischer Schritt. Denn als die Jungs vom Elbstrand auf die Boote verschwunden sind, stehen nun die Mädchen an Sommertagen mit traurigen Augen am Ufer und schauen den weißen Segeln nach. Das ändert sich, als sie 1919 ihre eigene Abteilung bekommen – mit durchschlagendem Erfolg. Zehn Jahre später sind mehr Mädchen als Jungs unter den Jugendmitgliedern.

"Ruxen" – Rudern auf Kuttern anno 1920

Die Mädchen beim "Ruxen" – Rudern auf Kuttern anno 1920

BSC-JA heute

Im Zweiten Weltkrieg kommt der Segelsport auch auf der Elbe zum Erliegen. Doch im BSC geht es schon ein Jahr nach dem Ende wieder los. Gesegelt wird auf Piraten und Jugendwanderkuttern, mit denen es bald auch auf ausgedehnte Fahrten in die Dänischen Gewässer geht. 

Heute gehört auch die Ausbildung auf Optis und Jollen fest zum Programm. Die Bootsklassen im BSC sind Optis, Laser, 29er, Piraten, RS Fevas und J 24. Neben diversen Freizeiten richtet der Club mit dem "Störtebeker Opti Cup" die scherzhaft auch "inoffizielle Opti-WM im Hochseesegeln" genannte Optimisten-Regatta auf Helgoland aus.

Die JA auf "Sherry-Island" – einer Sandbank gegenüber von Blankenese

Die JA auf "Sherry Island" – einer Sandbank gegenüber von Blankenese

Mehr geblieben als verändert

Natürlich gehören auch nachdenkliche Töne zu einer Jubiläumsansprache. So seien die Kosten der heute unverzichtbaren Begleitboote immens. Die Ansprüche der Jugendlichen seien angesichts der Konkurrenz benachbarter Vereine gestiegen. Und nicht zuletzt habe sich das heimatliche Revier der Elbe im Lauf der Zeit doch stark verändert.

Doch BSC-Vorsitzender Dieter Tetzen stellt vor allem fest, dass die erfolgsbildenden Faktoren der Clubjugend heute noch dieselben seien wie vor 100 Jahren. Mit 135 Mitgliedern sei die Jugendabteilung ähnlich groß, wie sie im Durchschnitt immer schon gewesen sei. Etwa ein Drittel der Mitglieder seien Mädchen, die Ausbildung auf der Elbe erfolge immer noch ehrenamtlich. Und selbst die Kutter finden sich in der aktuellen Ausbildungsflotte heute noch wieder.

Lasse Johannsen am 16.09.2014

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