Lotsenschoner

10 Jahre für die ewig junge N° 5 Elbe

Kultig, historisch und quicklebendig, feiert der 1883 gebaute Lotsenschoner „N° 5 Elbe" seine Rückkehr 2002 in die Hansestadt

Dieter Loibner am 10.10.2012
N°5 Elbe

N° 5 Elbe

Trotz Schmuddelwetters formierte sich letztes Wochenende auf der Elbe eine beeindruckende Parade von 28 Traditionsschiffen, die dem alten Lotsenschoner auf seiner Ehrenrunde das Geleit gaben. Von der Elbphilharmonie bis Blankenese und zurück ging die von zahlreichen Zuschauern beklatschte Reise, die aber auch ein willkommener Anlass war, hanseatische Schifffahrtstradition und ihre Bewahrung hochleben zu lassen. Im Kielwasser der „N° 5 Elbe" die schon zu Kaisers Zeiten als Lotsenversetzschiff an der Elbmündung ihren Dienst tat, folgten Schiffe der Stiftung Hamburg Maritim und des Museumshafens Övelgönne, aber auch solche, die sich in privater Hand befinden.

N°5 Elbe

Joachim Kaiser (r.), Vorstand der Stiftung Hamburg Maritim, mit Frau Christiane

„10, 50, 100, ich verliere manchmal vor lauter Jubiläen die Übersicht", scherzte Joachim Kaiser, Vorsitzender der Stiftung Hamburg Maritim, auf dessen Betreiben„N° 5 Elbe" nach einer Abwesenheit von einem Dreivierteljahrhundert und einem bewegten Dasein in den USA 2002 in seinen Heimathafen zurückgeholt wurde.

N°5 Elbe

Platt vor dem Laken folgten andere Teilnehmer „N° 5 Elbe" flussaufwärts

Das Schiff wurde nach seiner Außerdienststellung in den 1920er Jahren vom Amerikaner Warwick Tompkins gekauft und als Privatyacht restauriert. Im Jahr 1936 segelte Tompkins das Schiff, das er auf den Namen „Wander Bird" taufte, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Ann und Warwick Jr., einem Koch, einem Maat und einer kleinen Crew, die für die Mitfahrt bezahlte, von Gloucester im US-Bundesstaat Massachusetts via Kap Hoorn nach San Francisco, wo das Boot bis zum Jahr 1999 blieb. Diese abenteuerliche Reise wurde mit dem Film und dem Buch „Fifty South to Fifty South" von Tompkins selbst verewigt.

Später wurde „Wander Bird" von einem deutschstämmigen Schlepperkapitän namens Harold Sommer in San Francisco erstanden und so vor dem Abwracken gerettet. Mit Freunden restaurierte Sommer den Schoner über viele Jahre gründlich und aufopferungsvoll und inszenierte damit die damals größte von privater Hand durchgeführte Yachtrestaurierung in den USA. Durch private Umstände sah sich Sommer 1999 gezwungen, den Schoner an zwei Kunsthändler in Seattle zu verkaufen, die ihn auch dorthin schafften, bevor sie ihn 2002 an die Stiftung Hamburg Maritim veräußerten.

Das Schiff wurde unter Kaisers Leitung und abenteuerlichen Umständen abgeriggt und als Deckslast nach Hamburg geschafft. Dort wurde es durch die Stiftung Hamburg Maritim mithilfe von Sponsoren, des Vereins Jugend in Arbeit und Freiwilligen aufwändig restauriert und 2004 quasi wieder in Dienst gestellt. Betrieben und gewartet wird das Boot heute durch etwa 240 Freiwillige, die in einem Verein zusammengeschlossen sind. „N° 5 Elbe" segelt zwischen 100 und 120 Tage im Jahr, mit Chartergästen auf der Elbe, aber auch bei Regatten in der Ostsee oder auf Törns mit Vereinsmitgliedern. Dabei legt sie gut und gerne 3000 Meilen zurück.

Mehr über „N° 5 Elbe"

Dieter Loibner am 10.10.2012

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


    ANZEIGE

    Weitere News und Angebote

Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online