Blauwasser-Blog

Abenteuer Afrika: Unterwegs auf dem Gambia River

Friederike und Martin Finkbeiner sind seit letztem Sommer mit ihrer "Aracanga" unterwegs. Seit Anfang des Jahres erkunden sie die Westküste Afrikas. Ihr Bericht

Martin Finkbeiner am 11.03.2019
Aracanga Gambia
Martin Finkbeiner

Es gibt viele Wege, die Welt zu besegeln. Wir haben uns dafür entschieden, nicht der großen Masse zu folgen, sondern uns möglichst abseits der gängigen Blauwasserrouten zu bewegen und Länder und Orte zu besuchen, die nicht regelmäßig von Fahrtenseglern angelaufen werden. Nach Marokko und den Kapverden sind wir daher statt nach Westen nach Osten gesegelt, um die westafrikanischen Länder Senegal und Gambia zu besuchen.

Entgegen aller Warnungen und Bedenken, die wir uns bei der Planung der Route anhören mussten, erleben wir hier eine Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Aktuell schwimmt unsere "Aracanga" im Süßwasser, weit im afrikanischen Binnenland auf dem mächtigen Gambia River. Doch der Reihe nach.

Ausklarieren mit Hindernissen

100 Seemeilen – so weit ist es vom Süden des Senegals nach Gambia. Für die verhältnismäßig kurze Strecke entlang der westafrikanischen Küste kalkulieren wir 24 Stunden ein. Wir wären gern länger geblieben in der Casamance, wie der Fluss und die gleichnamige Region im Süden des Senegals heißt. Doch leider ist unser Cruising Permit abgelaufen.

Der einzige "Port of Entry" des Senegals ist Dakar, und es ist nicht möglich, in einem anderen Ort in das Land einzureisen. Einen Ausreisestempel bekommt man allerdings auch in der Casamance, da für die Ausreise nur die Immigration und nicht auch der Zoll aufgesucht werden muss.

Also ankern wir vor Elinkine und fragen uns zum Büro der Immigration Police durch. Dort allerdings stoßen wir mit unserem rudimentären Französisch auf Sprachbarrieren – und auf einen Officer, dem gerade eher nach Palmwein als nach Arbeiten zumute ist. Wir sollen an den Flughafen fahren und dort ausklarieren, sagt er.

Dort kosten die Stempel für die Pässe allerdings ein beachtliches "Trinkgeld", wie wir von anderen Seglern wissen. Es ist genau, wie uns zu Beginn unseres Casamance-Aufenthalts gesagt wurde: Das Land ist sehr sicher, und die Menschen sind unglaublich hilfsbereit und freundlich. Die einzigen, vor denen man sich in Acht nehmen muss, sind die Offiziellen.

Jetzt also stecken wir in der Zwickmühle: Der eine will uns nicht ausklarieren und der andere verlangt dafür sehr viel Geld. Also Lagebesprechung zurück an Bord und Telefonat mit einem befreundeten Segler, den wir hier kennengelernt haben. Am nächsten Morgen versuchen wir unser Glück noch einmal, und unser Freund begleitet uns. Ganz nebenbei zeigt er dem Officer seinen Pass mit den Ausreisestempeln aus Elinkine, und wir alle tun so, als ob es gestern nur ein großes Missverständnis gegeben hat. Eine halbe Stunde und 15 Euro "Gebühren" später haben wir unsere Stempel in den Pässen und machen uns auf den Weg nach Norden. Geht doch!

Kurs Gambia

Der Wetterbericht sagt etwas Wind vorher, sodass wir die erste Hälfte segeln und dann den Rest unter Maschine zurücklegen möchten. So weit der Plan. In Elinkine haben wir jedoch keinen Diesel bekommen, also wurde der restliche Treibstoff zwischen unserer "Aracanga" und unseren Freunden vom "Streuner" so aufgeteilt, dass es für beide Boote bis nach Gambia reichen sollte. Dann geht es los, unter Maschine mit der langsam einsetzenden Ebbe durch den flachen, gut betonnten Pass raus auf den Atlantik.

Der erhoffte Wind stellt sich dort nicht ein, daher setzen wir nur das Großsegel, um das Boot in der Dünung etwas zu stabilisieren, und fahren weiter unter Maschine. 100 Meilen bei durchschnittlich vier Knoten bedeutet 25 Stunden, bei einem Dieselverbrauch von großzügig gerechnet einem Liter die Stunde heißt das 25 Liter. Mit unseren 30 Litern im Tank plus fünf Liter Reserve sollten wir also zur Not die komplette Strecke unter Maschine zurücklegen können.

Fotostrecke: Die "Aracanga" auf dem Gambia River

Uns so ist es auch. Bei absoluter Flaute und schlechter Sicht tuckern wir langsam in die Nacht. Gegen 23 Uhr verlieren wir das Licht der "Streuner" aus den Augen. Die Küste vor dem Senegal und vor Gambia ist sehr flach und fischreich, und tags wie nachts sind unzählige Fischer in ihren eleganten, bunten Pirogen unterwegs – was uns eine schlaflose Nacht beschert.

Die Fischer legen Netze aus, die in der Regel unter der Wasseroberfläche treiben und mit Fahnen markiert sind. Manche Netze, wie wir jetzt feststellen, treiben jedoch an der Oberfläche und stellen eine Gefahr für uns dar, da sie nicht beleuchtet sind und sich leicht in unserem Propeller verheddern können. Da wir in der stockdunklen Nacht keine Chance haben, die Netze zu erkennen, bewegen wir uns nicht weg vom Gashebel, um im Notfall den Hebel auf Neutral zu stellen und somit Schlimmeres zu verhindern.

Zweimal erwischt es uns. Glücklicherweise hängt das Netz nur zwischen Kiel und Ruder und nicht in der Schraube. Trotzdem müssen wir ins Wasser, um es unter dem Ruder hindurch zu drücken und uns zu befreien. Etwas mulmig ist es schon, bei stockdunkler Nacht auf Tauchgang zu gehen, zumal wir bei der Dämmerung noch zwei stattliche Haie gesehen haben, aber es bleibt uns nichts anderes übrig.

Der Rest der Nacht vergeht ohne nennenswerte Zwischenfälle, doch im Morgengrauen gibt es schon den nächsten Schreck: Wenige Meilen vor Banjul ist unser Tank leer – wir haben deutlich mehr Sprit verbraucht als kalkuliert. Also schütten wir die letzten fünf Liter hinterher und setzen trotz fast absoluter Flaute auch die Genua. Am Funk rufen wir die "Streuner" auf dem vereinbarten Kanal, die uns jedoch nicht hört. Wir sehen allerdings ihr Boot am Horizont vor uns und kommen ihnen langsam näher. Auch sie dümpeln in der Flaute.

Ihr Motor ist wegen eines verstopften Kühlwasserfilters heißgelaufen, was allerdings schnell behoben ist. Von den beiden bekommen wir weitere fünf Liter Diesel, sodass der Sprit jetzt für beide Boote bis zu unserem Ziel Banjul reichen sollte. Wenige Meilen vor der Ankunft dann dasselbe Spiel nochmal. Diesmal ist den "Streunern" der Diesel ausgegangen. Wir hängen sie an eine lange Schleppleine für die letzten Meter.

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Martin Finkbeiner am 11.03.2019

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