Blauwasser-Blog

Abenteuer Afrika – unter Segeln in den Senegal

Friederike und Martin Finkbeiner sind seit letztem Sommer mit ihrer "Aracanga" unterwegs. Inzwischen erkunden sie die Westküste Afrikas. Ihr spannender Bericht

Martin Finkbeiner am 06.02.2019
Aracanga in Afrika
Martin Finkbeiner

Die "Aracanga" (rot) mit der "Streuner" (blau) auf der Casamance im Senegal

Kanaren, eventuell Kapverden, Karibik – das ist die gängige Route unter Atlantikseglern, die kaum infrage gestellt wird. Dabei gibt es an der Westküste Afrikas Segelreviere, die noch viel mehr zu bieten haben und die nur selten angesteuert werden. Riki und Martin Finkbeiner sind mit ihrer "Aracanga" abseits ausgetretener Segelrouten unterwegs und berichten aus einem faszinierenden Land, das für Wassersportler geradezu prädestiniert ist. Und in dem sie neben einer atemberaubenden Flora und Fauna eine Gastfreundschaft erleben, wie man sie sonst nur aus dem Pazifik kennt: dem Senegal.

Aracanga in Afrika

Friederike und Martin Finkbeiner

Als wir diese Reise geplant und vorbereitet haben, lautete das Credo, so wenige Pläne wie möglich zu machen, um immer auch spontane Abstecher unternehmen zu können. Ein paar einzelne Ziele standen trotzdem von vornherein fest. Meist Orte, von denen ich auf meiner ersten Weltumsegelung gehört und damals nicht die Zeit hatte, sie zu besuchen.

Einer dieser Orte ist Gambia, das kleinste Land Afrikas an dessen Westküste. Es ist bekannt für seine goldenen Sandstrände, die als die schönsten des Kontinents bezeichnet werden, und den mächtigen Gambia-River, auf dem man knapp 200 Seemeilen flussaufwärts ins Landesinnere fahren kann. Hier leben Flusspferde, Krokodile, Affen, Scharen an Vögeln und viele andere exotische Tiere.

Und mit der Planung unseres Abstechers nach Gambia kommt automatisch ein anderes Land ins Gespräch, das Gambia zu allen Seiten umschließt: der Senegal. Da so gut wie keine Informationen für Segler über das Land existieren, beschließen wir, zunächst nach Dakar zu segeln. Auf dem Weg dorthin und in Dakar selbst möchten wir so viele relevante Infos wie möglich sammeln, bevor wir uns dazu entscheiden, auch in abgelegenere Regionen des Landes zu segeln.

Diese Taktik bewährt sich, denn unterwegs treffen wir doch ein paar wenige andere Crews, fast ausschließlich Franzosen, die bereits im Senegal waren. Diejenigen, die nach dem Einklarieren in Dakar Kurs auf die Casamance genommen hatten, berichten uns begeistert vom Süden des Landes. Und auf die Frage nach der Sicherheit im ehemaligen Rebellengebiet lautet die Antwort immer gleich:

Seit vielen Jahren ist nichts mehr passiert, die Region gilt als sicher.

Die französischen Segler wissen das, ist das Land durch seine Geschichte ja eng mit Frankreich verbandelt. Bei uns Deutschen hängt über dem ehemaligen Rebellengebiet leider noch immer der schlechte Ruf von Raub und Kidnapping. Nach allem, was wir über die Casamance in Erfahrung bringen, steht für uns außer Frage: Da müssen wir hin.

500 Seemeilen gegenan

Der Abstecher in den Senegal will sich verdient sein. Denn ein weiterer Grund für die wenigen Fahrtensegler in der Region ist mit Sicherheit, dass man einmal die Zähne zusammenbeißen und gegen den Passat segeln muss. Nachdem wir unsere Ausreisestempel von den Kapverden in den Pässen haben, stecken wir den Kurs nach Osten ab. Von Mindelo bis Dakar sind es etwa 500 Seemeilen. Daher kalkulieren wir mit unserer 30 Fuß kleinen "Aracanga" fünf bis sieben Tage für die Strecke ein.

Aracanga in Afrika

Der Skipper nach duchwachter Nacht

Der Wind weht mit ca. 20 Knoten kräftig, aber nicht übermäßig stark. Doch da wir gegen Wind und Welle segeln, werden wir ordentlich durchgeschüttelt, und unsere Yacht hat mit viel Schräglage und harten Schlägen in die tiefen Wellentäler zu kämpfen. Dafür werden wir mit guten Etmalen belohnt und machen während der ersten drei Tage unter gerefftem Groß und Fock jeweils über 120 Seemeilen gut. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über fünf Knoten, trotz mehrerer Flautengebiete zwischen den Kapverdischen Inseln.

Allerdings fahren wir das Leben und jegliche Aktivitäten an Bord während dieser Zeit auf ein notwendiges Minimum herunter. Wir verspüren keine Lust auf Lesen, Fotografieren oder auch nur Musikhören. Während der Nachtwachen dösen wir unter Deck, die Eieruhr auf 15 Minuten gestellt, um dann einen Rundumblick zu machen, nach anderen Schiffen Ausschau zu halten und den Kurs zu kontrollieren.

Schreck in der Nacht

In der zweiten Nacht gibt es während Rikis Wache, als das Boot in einem Wellental abrupt abgebremst wird, einen lauten Knall an Deck und danach das ungute Geräusch, wenn ein loses Stahlseil umhergewirbelt wird. Sofort nehmen wir alle Power aus den Segeln und leuchten das Deck ab. Mit der Stirnlampe können wir zunächst nur wenig erkennen und tippen auf ein gebrochenes Unterwant, stellen dann aber fest, dass unser Babystag aus dem Terminal gerissen ist.

Aracanga in Afrika

Die Skipperin am Steuer

Für den Rest der Überfahrt riggen wir mit dem Toppnant ein provisorisches Babystag und nehmen etwas Druck aus den Segeln. Bevor wir vor einem halben Jahr losgesegelt sind, haben wir sämtliche Stagen und Wanten erneuert. Bei der Berechnung des neuen Babystags hat sich allerdings ein Messfehler eingeschlichen, weswegen wir das Stag gekürzt und mit einem Schraubterminal versehen hatten. Wir haben es damals zwar sorgfältig zusammengeschraubt und auch darauf geachtet, dass alle Adern des Stahlseils beim Zuschrauben korrekt liegen. Aber wahrscheinlich haben wir doch irgendwo einen Fehler gemacht. Vielleicht war es zu fest oder nicht fest genug verschraubt, da ein paar Adern des Babystags im Terminal gerissen sind, die restlichen Adern rausgezogen wurden.

Jedenfalls ist nichts Schlimmeres passiert, und wir haben einen neuen Punkt auf der To-do-Liste.

Nach dem dritten Tag lässt der Wind dann deutlich nach, die Welle geht auf ungefähr einen Meter zurück, und das Segeln macht wieder Spaß. Zwar sind wir nur noch mit zirka viereinhalb Knoten unterwegs, aber dafür mit angenehmen Schiffsbewegungen.

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Martin Finkbeiner am 06.02.2019

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