Blauwasser-Blog

Abenteuer Afrika – Unter Segeln in den Senegal – Teil 2

Martin Finkbeiner am 06.02.2019

Je näher wir dem afrikanischen Festland kommen, das wir schon riechen, aber noch nicht sehen können, desto mehr lässt der Wind nach. Zirka zwanzig Meilen vor der Küste sind wir nur noch mit einer Geschwindigkeit von etwas über einem Knoten unterwegs, daher entscheiden wir uns, den Motor zu starten und die letzten Meilen unter Maschine nach Dakar zu tuckern.

Fischer als Begrüßungskomitee

Vor der Küste sind einige Fischer in ihren langen, eleganten und bunten Pirogen unterwegs. Zwei von Ihnen halten mit hoher Geschwindigkeit direkt auf uns zu, und während wir sie etwas skeptisch beobachten, kommen sie auch schon parallel, fragen nach Trinkwasser und möchten uns frisch gefangenen Thunfisch verkaufen. Verlockend, allerdings mangels senegalesischen Bargelds müssen wir dankend ablehnen. Lachend und winkend ziehen die beiden von dannen, und ein paar Stunden später motoren wir in absoluter Dunkelheit südlich um die große Halbinsel von Dakar, dem westlichsten Punkt Kontinentalafrikas.

Nach einem Blick auf die Seekarte haben wir uns entschieden, bei Dunkelheit durch die Bucht zum Ankerplatz zu motoren. Sie ist flach und voller Untiefen und Wracks, allerdings einigermaßen gut betonnt und kartografiert. Jedoch kann man sich hier nicht immer darauf verlassen, dass die Leuchtfeuer auch wirklich funktionieren. Auch tummeln sich in der Bucht Fischerboote, -netze und -bojen, die meist nicht beleuchtet sind.

Aracanga in Afrika

Die Steganlage des Yachtclubs von Dakar

Zumindest die Fischer machen mit einer Taschenlampe oder einem Laserpointer auf sich aufmerksam, sodass wir ihnen gut ausweichen können. Unsere Geschwindigkeit haben wir so stark minimiert, dass wir auch den Fischerbojen kurzfristig ausweichen können. Nach zwei Stunden kommen wir auf der Rückseite von Dakar im Stadtteil Hann an, wo der örtliche Yachtclub CVD ist und man vor Wind und Wellen geschützt ankern kann.

Allerdings sehen wir keine Boote, obwohl das Wasser nur noch wenige Meter tief ist und wir das Ufer deutlich erkennen können. Erst nach einiger Suche mit Fernglas und Scheinwerfer finden wir das Ankerfeld. Punkt Mitternacht ankern wir auf vier Meter Wassertiefe vor einer Handvoll anderer Segelboote. Angekommen.

Das Ankerbier schmeckt nach dieser Überfahrt besonders gut, und wir freuen uns auf eine ruhige Nacht ohne Wachegehen und ohne Welle.

Ruhig ist die Nacht nicht, aber die rhythmischen afrikanischen Trommeln, gemischt mit staubigen Popsongs und etwas, das sich anhört wie Muezzingesang, verleihen dem Ankommen einen besonderen Charakter. Beim Einschlafen freuen wir uns, diese fremde Welt in den nächsten Tagen kennenzulernen...

Willkommen in der Fremde

Dakar ist der einzige Port of Entry des Senegals. Das heißt, jedes Boot muss hierher kommen, um das Einklarierungsprozedere über sich ergehen zu lassen. Segler werden im hiesigen Yachtclub, dem CVD, herzlich empfangen. Der Club versprüht den leicht maroden Charme glanzvollerer Zeiten, und die wenigsten der einheimischen Yachten, die hier ankern und noch nicht auf Grund gegangen sind, können noch als seegängig bezeichnet werden. Dafür ist der Empfang im Club umso freundlicher und das Serviceangebot für Besucheryachten deutlich umfangreicher, als man es auf den ersten Blick erwarten würde.

Aracanga in Afrika

Viele neue Freunde

Die Hauptstadt des Senegal ist nur schwer in Worte zu fassen. Bereits nach den ersten Tagen schwirrt in unseren Köpfen ein buntes Potpourri an Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen. In der Metropolregion leben zirka drei Millionen Menschen. Der Senegal, der sich im Norden bis zu den Ausläufern der Sahara und im Süden bis in den tropischen Regenwald erstreckt, war bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 von Frankreich kolonialisiert, und auch heute noch ist Französisch Amtssprache. Eine andere Folge: Der Senegal ist ein stabiler und demokratischer Staat und hat eine der höchsten Lebenserwartungen in Afrika.

Was uns in Dakar vom ersten Schritt an Land an immer wieder begeistert, ist die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen. Wir fühlen uns Tag wie Nacht absolut sicher, nur sehr selten müssen wir "Touristenpreise" zahlen. Die Einladungen zum Tee, Kaffee und Mittagessen sind so zahlreich, dass wir teilweise Einladungen ausschlagen müssen, um vor Ablauf unserer Visa noch mehr zu sehen als nur Dakar.

Nie endende Gastfreundschaft

Allein, die nötigsten Erledigungen zu machen, fällt schwer, da wir von Verabredung zu Einladung unterwegs sind und unser Tagesplan spätestens nach dem Frühstück dahin ist. Denn die Dame, die uns die leckeren belegten Baguettes verkauft, lädt uns gleich zum Mittagessen zu ihrer Großfamilie nach Hause ein.

Aracanga in Afrika

Einladung zum Essen

Und Großfamilie heißt hier wirklich Großfamilie. In dem großen Haus in der Nähe des Hafens leben ca. 35 Erwachsene, und wir sind nicht sicher, ob irgendwer einen Überblick hat, wie viele Kinder es hier gibt. Das Haus hat mehrere Etage, von den Gängen gehen viele Türen ab, in denen die Familien leben. Das Leben allerdings spielt sich zum größten Teil im Innenhof ab.

Wir werden der ganzen Großfamilie vorgestellt und durch jedes der unzähligen Zimmer geführt, um alle Bewohner, vom Neugeborenen bis zur Urgroßmutter, zu begrüßen – und wir freuen uns genauso über die Einladung wie unsere Gastfamilie.

Zu essen gibt es mehrere große Schüsseln mit verschiedenen Speisen, die im Innenhof auf den Boden gestellt werden. Zusammen mit ein paar Kindern und kichernden jungen Frauen machen wir uns über eine der Schüsseln mit Couscous und Fisch her. So geht hier in der Stadt ein Tag nach dem anderen ins Land, und es fällt uns nicht ganz leicht, Lebewohl zu sagen. Aber mehr noch als das Stadtleben Dakars lockt uns die Casamance mit ihrem weit verzweigten Flussdelta.

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Martin Finkbeiner am 06.02.2019

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