Henrik Masekowitz

Zum zweiten Mal den Äquator passiert

Henrik Masekowitz ist auf dem Weg nach Hause. Kleinere technische Probleme, sonst sehr entspanntes Segeln auf dem Weg in die Doldrums

Lars Bolle am 17.03.2016
Masekowitz

Masekowitz bei der Vorbereitung seiner Weltumsegelung in Südfrankreich

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat die "Croix du Sud" in aller Ruhe in einer sanften Brise zum zweiten Mal den Äquator passiert.

Henrik Masekowitz schreibt in seinem Blog:
Ich lag derweil in der Koje und habe es glatt verschlafen. Ehrlich gesagt gab es die letzte Woche auch wirklich gar nichts für mich zu tun, außer das ein oder andere Mal den Hydrogenerator aus dem Wasser zu nehmen, weil der einfach mal überdreht bei mehr als zehn Knoten Fahrt, oder den Kurs des Autopiloten um wenige Grad der gerade herrschenden Windstärke anzupassen.

Die Schoten waren schon seit Tagen optimal getrimmt, sodass jede Veränderung um ein paar wenige Zentimeter eher ein gegenteiliges Ergebnis lieferte als eine erhoffte Geschwindigkeitssteigerung. Wilder Aktionismus, aber irgendwie werden die Tage ja auch lang.

Der Südatlantik, wenn man aus Richtung St. Helena kommt, ist wirklich unglaublich stabil, was Wind und Wetter angeht. Lediglich ein einziges Mal wurde ich aus der Bahn geworfen, als eine kleine schwarze Regenwolke über uns hinwegzog.

Mit einem kleinen Holeschlag nach Westen hoffte ich, einigermaßen passabel die Doldrums zu durchfahren. Im Moment komme ich noch mit einer Brise von acht bis zehn Knoten ganz gut voran. Auch die Richtung passt wieder besser. Allerdings verschlechtert sich das Routing in der Zone zusehends.

Jeden Morgen hole ich mir per Satellit die Prognose von meiner Wetter- und Routingcrew, das sind zum einen Routingspezialist Eddie Dost und zum anderen Meeno Schrader und seine Wetterwelt. Dann bin ich meist eine Stunde damit beschäftigt, meinen Weg vorauszuplanen. Zu jeder optimierten Route gibt es natürlich immer mindestens 20 Optionen – sonst wäre es ja auch zu einfach. Normalerweise ist man mit einem Routing der höchsten Wahrscheinlichkeit der Wettervorhersage ganz gut bedient, aber ich analysiere nun einmal gern selbst etwas herum und versuche, mir das komplexe Wettergeschehen verständlich zu machen und eventuell doch noch einen Vorteil herauszusegeln.

Auf dem Hinweg bin ich ja ganz bravourös um das St.-Helena-Hoch herumgesteuert, was mir einen enormen Vorteil gegenüber Joe Harris gebracht hatte. Heute morgen habe ich nun eher das Gefühl, auf einen langen Weg durch die Doldrums zu geraten. Mein Diesel kann etwas schieben, aber 300 Meilen halt doch wieder nicht. Bin deutlich zu weit im Osten. Mist!

Nachdem seit heute Nacht auch noch der Hydraulikantrieb meines Haupt-Autopiloten seinen Dienst quittiert hat, bin ich gezwungen, nach Kompasskurs zu steuern, da mein Sekundärsystem, mit eigenem Rechner und elektrischem Antrieb, leider keinen Zugang zu Winddaten hat. Ich wollte vor der Abreise noch einen Schalter einbauen, womit ich die beiden Antriebe mit den Rechnern hätte kreuzweise umschalten können. Nun muss ich mich wohl aufmachen, in die hinterletzte Ecke meines Bootes zu krabbeln und die Verkabelung entsprechend von Hand umzuklemmen. Vielleicht lasse ich das aber auch, da es in nächster Zeit bis zu den Azoren eh an den Wind geht und dort der Windmodus nicht so superwichtig ist.   

Ich muss gestehen, dass ich den Autopiloten auch wirklich sehr viel in Anspruch nehme, er fast die gesamte Strecke steuert und ich mich gerade schon vor ein paar Tagen gefragt habe, wie lange das wohl noch geht. Nun ist es geschehen, was allerdings kein Drama darstellt. Ich habe für diese Komponenten allerhand Ersatzteile dabei und kann, wenn es hart auf hart kommt, immer einen Antrieb in Gang bringen.

Weniger Ersatz habe ich für meine Freizeitbeschäftigung. Nachdem ich bisher drei Bücher durchhabe, geht es langsam dem Ende zu. Zu meinen Favoriten gehören mit großem Abstand das gerade erst erschienene Buch von Jan Heinze "Atlantik-Fieber". Er erzählt die wahre, sehr persöhnliche Geschichte seiner Mini-Transat. Wirklich zu empfehlen und das nicht nur, weil mein altes Boot "Beijamar" auf dem Cover ist.

Heute Morgen gab es Besuch einer supergroßen Delphinschule. Das ist immer wieder nette Abwechslung.
 

Masekowitz

Die von Bord aus fotografierte Delphinschule

Lars Bolle am 17.03.2016

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