Solo nonstop

Henrik Masekowitz nicht mehr allein

In Newport ist am Sonntag Joe Harris gestartet, der wie der Hamburger auch auf einer Akilaria Class 40 einhand um die Welt segeln will

Jochen Rieker am 16.11.2015
Masekowitz Class 40 Frankreich 2015 NGü_8C8A3074

Henrik Masekowitz war gerade mal drei Tage in der Biskaya unterwegs, da bekam er auf der anderen Seite des Atlantiks plötzlich Gesellschaft. Mit Joe Harris ist seit Sonntagnachmittag mitteleuropäischer Zeit noch ein zweiter Class-40-Segler auf See, der ebenfalls den Rekord des Chinesen Guo Chuan jagt.

Allerdings könnten die Bedingungen kaum unterschiedlicher sein.

Josh Harris startet zum Solo-Nonstop-Versuch

Zeitgleich auf Rekordjagd: Josh Harris

Der 49-jährige Deutsche müht sich nach wie vor hoch am Wind und mit geringer Geschwindigkeit nach Süden – er stand heute am frühen Abend zwischen Vigo und Porto an der portugiesischen Küste, nur gut 500 Seemeilen entfernt von seinem Ausgangspunkt. Das heißt, er kommt weit langsamer voran als erhofft und auch erforderlich, will er den Rekord knacken.

Dagegen profitiert sein virtueller Gegner vor der US-amerikanischen Ostküste von nahezu idealen, wenn auch recht ruppigen Raumschotsbedingungen. Harris, unterwegs auf einer Akilaria RC2 mit dem Namen "Gryphon Solo2", dem Nachfolgemodell von Masekowitz' 2007er-Akilaria "Croix du Sud", loggte schon in seinen ersten 24 Stunden gut 200 Meilen und musste erst eine Halse fahren. Bei 6 bis 7 Beaufort aus Westnordwest surft er mit kleiner Fock und zweitem Reff fast permanent im zweistelligen Bereich nach Südosten (Direktlink zu Harris' Website hier). 

Gegenüber YACHT online zeigte sich Henrik am Sonntag gelassen über das sich anbahnende Matchrace um die Welt. "Dann werden wir mal zusammen einen Kaffee trinken unterwegs", schrieb er in einer E-Mail von Bord. Die ersten Meilen beschrieb er als "ziemlich harte Arbeit", weil er in der Nacht nach dem Ablegen und noch vor dem Queren der Startlinie bei Ouessant 30 Knoten Wind gegenan hatte. "Jetzt läuft es aber."

Kommt nur mühsam voran: Henrik Masekowitz

Kommt nur mühsam voran: Henrik Masekowitz

Seit Sonntag sucht er an der Festlandsküste jeden Windhauch und tastet sich südlich vorwärts – ein Seegebiet mit vielen Fischern, Tonnen und Netzen, das nachts Aufmerksamkeit verlangt. Er wird wohl noch einen weiteren Tag mit sehr schwacher Brise aushalten müssen, eventuell auch zwei – nicht gerade eine Stärke der Class 40, die durch ihr breites Heck und Doppelruder viel benetzte Fläche hat. Erst dann kann Henrik mit besserem Druck, vor allem aber einem besseren, weil achterlichen Windeinfallswinkel rechnen. So lange heißt es: Nerven und Kräfte schonen.

Wer als Erster am Äquator sein wird – ob er oder Joe Harris –, ist noch nicht ausgemacht. Und auch das hat allenfalls psychologische Bedeutung – denn die Fahrt hat für beide gerade erst begonnen. 

Jochen Rieker am 16.11.2015

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