126. Kieler WocheErfolgreicher Auftakt zu einer außergewöhnlichen Edition

Tatjana Pokorny

 · 04.09.2020

126. Kieler Woche: Erfolgreicher Auftakt zu einer außergewöhnlichen EditionFoto: Kieler Woche Sailing

Die Kieler Woche ist in Corona-Zeiten erstmals nicht im Rathaus, sondern im Olympiazentrum bei den Seglern eröffnet worden. Auf dem Wasser gab es Segeln satt

„Große Felder, beste Segelbedingungen, tolle Bilder – das war wirklich großartig! Der Sport steht im Mittelpunkt. Dazu strahlende Gesichter bei Ministerpräsident Daniel Günther und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Wir haben alle Wettfahrten eingefahren. Das war tolles Segeln bei Aalregatta, Welcomerace und der IDM Seesegeln. Ich strahle heute, auch wenn es natürlich erst Tag eins ist und man den Tag nicht vor dem Abend loben soll.“ So gelöst konnte Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst nach dem ersten von neun Segeltagen bei der weltgrößten Regattaserie mit insgesamt mehr als 350 Starts seine erste Bilanz ziehen. Die Anspannung der Vortage war dabei zum Auftakt deutlich sichtbar aus Ramhorsts Gesicht gewichen. In schönen, wenn auch teilweise arg böigen Winden bis fünf, manchmal sogar sechs Beaufort ging es in der ersten Halbzeit für die internationalen Jollensegler und die Seesegler zwischen Sonnenschein und einigen Regenschauern zur Sache.

  Prominente Runde zur Eröffnung der Kieler Woche, die erstmals bei den Seglern in Schilksee und nicht in der Innenstadt stattfandFoto: Kieler Woche Sailing /www.segel-bilder.de
Prominente Runde zur Eröffnung der Kieler Woche, die erstmals bei den Seglern in Schilksee und nicht in der Innenstadt stattfand
  Links im Bild und in Schwarz auf Weiß zu lesen: die DK 46 "Tutima" mit Skipperin Kirsten Harmstorf-Schönwitz. Rechts Jan Opländers Swan 45 "Katima". Der schöne Blick von Fotograf Christian Beeck auf die Big BoatsFoto: Christian Beeck / Kieler Woche Sailing
Links im Bild und in Schwarz auf Weiß zu lesen: die DK 46 "Tutima" mit Skipperin Kirsten Harmstorf-Schönwitz. Rechts Jan Opländers Swan 45 "Katima". Der schöne Blick von Fotograf Christian Beeck auf die Big Boats

Zum Start der Deutschen ORC-Meisterschaft mit insgesamt 28 Mannschaften wurde den Seeseglern vom Team um die Wettfahrtleiter Eckart Reinke und Ralf Paulsen eine Langstrecke über 62 Seemeilen für die große Klasse ORC I und II und über rund 45 Seemeilen für die mittleren und kleineren Schiffe serviert. Geprägt von einer kurzen Kreuz und reichlich Reach, stand der Kurs ganz im Zeichen von Michael Berghorns Mills 45 „Halbtrocken 4.5“, die nicht nur das Ziel als Erste erreichte, sondern auch berechnet gewann und die Meisterschaftswertung am ersten Abend vor der X-41 „Sportsfreund“ mit den Europameistern um Gordon Nickel und Ralf Lässigs XP-44 „Xenia“ anführte. Jens Kuphals Crew auf der co-favorisierten Deutschen Meisterin „Intermezzo“ muss ihre Aufholjagd in den für Sonntag geplanten drei Rennen von Platz sieben aus starten. Auch in ORC III hat am Samstag eine „Halbtrocken“ die Führung übernommen: Knut Freudenberg und sein Team brachten ihre First 36.7 nur drei Minuten nach der Italia 9.98 „Immac Fram“ mit Kai Mares über die Ziellinie. Berechnet bedeutete das aber einen Vorsprung von wenigen Sekunden. Die dänische Italia 11.98 „Stony VIII“ eroberte Platz drei. In ORC IV ist Jan Schmidts „Bostik Bad Boys“ vorerst Spitzenreiterin.

  Schnell, schneller, "Halbtrocken 4.5": Michael Berghorns Crew auf der aus Australien importierten Mills 45 gab am Samstag als mit den "Line Honors" und der schnellsten berechneten Zeit den Meisterschaftston anFoto: Christian Beeck / Kieler Woche Sailing
Schnell, schneller, "Halbtrocken 4.5": Michael Berghorns Crew auf der aus Australien importierten Mills 45 gab am Samstag als mit den "Line Honors" und der schnellsten berechneten Zeit den Meisterschaftston an

Ein Rekordversuch der dänischen „Rockwool“ mit Profi-Steuermann und Ocean-Race-Weltumsegler Nicolai Sehested indessen schlug ganz knapp fehl. Die bestehende Bestmarke, die der 70-Fuß-Trimaran „Musandam-Oman Sail“ 2014 mit einer Stunde, 47 Minuten und 22 Sekunden aufgestellt hatte, verpassten die rot-weißen Jäger auf der Strecke von Kiel nach Eckernförde um fünf Minuten. Dabei hatte sich die Crew bei einer Tonne geirrt und wertvolle Zeit mit der Korrektur verloren.

  Die GC 32 "Rockwool" vor dem Kieler UferFoto: Christian Beeck / Kieler Woche Sailing
Die GC 32 "Rockwool" vor dem Kieler Ufer

Während die Big Boats „außer Haus“ unterwegs waren, stiegen die internationalen Jollensegler mit vollem Programm in die Kieler Woche ein. Auch sie genossen schöne Winde, die jedoch mit vielen Drehern und Böen ihre Tücken hatten. Kieler-Woche-Rekordsieger Wolfgang Hunger und Holger Jess starteten als Gesamt-Zweite solide in die Jagd nach Titel Nummer 23 für den 505er-Steuermann, waren selbst aber noch nicht zufrieden. „An guten Tagen hätten wir bei solchen tricky Bedingungen erste Plätze hingelegt“, sagte Holger Jess selbstkritisch und machte damit seinem Steuermann und sich selbst Dampf im Segel. Die Führung in der schnellen Gleitjolle 505er haben nach drei Wettfahrten und dem ersten von vier Renntagen Kai Bertallot und Moritz Klingenberg vom Kieler Yacht-Club übernommen.

Hier es zu den Ergebnissen aller Klassen und Meisterschaften der 126. Kieler Woche.

  Als Gesamt-Zweite im 505er nach Tag eins noch nicht mit sich zufrieden: Die ewigen Rekordjäger und Weggefährten Wolfgang Hunger und Holger JessFoto: Kieler Woche Sailing
Als Gesamt-Zweite im 505er nach Tag eins noch nicht mit sich zufrieden: Die ewigen Rekordjäger und Weggefährten Wolfgang Hunger und Holger Jess