BMW Oracle bekommt Recht
Richter Cahn entscheidet gegen Alinghi. Kann Coutts nun doch einen Cup 2009 erzwingen? Alinghi will gründlich die Entscheidung prüfen
(28.11.2007/ck) Alinghi hat den Rechtsstreit gegen BMW Oracle Racing verloren. Der oberste Gerichtshof in New York entschied, dass die Herausforderung des bisherigen Challenger of Record Desafio Español illegal ist.
Nun sind die Amerikaner in die Position des ersten Herausforderers aufgerückt. Entsprechend zufrieden lautet die Pressemitteilung des Golden Gate Yacht Club (GGYC):
„Wir sind sehr erfreut über diese Entscheidung, denn durch sie können sich alle Beteiligten darauf konzentrieren, den Cup schnell wieder auf Kurs zu bringen", sagte Russell Coutts, CEO des Teams des Clubs, BMW ORACLE Racing.
Coutts sagte weiter, der GGYC strebe eine konventionelle America's Cup Regatta in Valencia an und wolle so schnell wie möglich Kontakt mit Alinghi aufnehmen, um ein Meeting zu organisieren mit dem Ziel, eine Herausforderung im gegenseitigen Einvernehmen zu erzielen. Die vorrangigen Anliegen des GGYC sind: 1. Eine Übereinkunft mit allen Herausforderern bezüglich des Reglements zu erzielen, die sich am "Neun-Punkte-Kompromissvorschlag" vom 17. Oktober orientiert, und einen konventionellen America’s Cup im Jahr 2009 in Valencia stattfinden zu lassen. 2. Sollte es zu einer Herausforderung auf Basis der Stiftungsurkunde (Deed of Gift) kommen, so strebt der Club an, dass dies unter der AC90-Einrumpfboot-Regel geschieht, die bereits veröffentlicht wurde. Sollte Alinghi dem nicht zustimmen, dann sollen Mehrrumpfboote zum Einsatz kommen. 3. In allen Szenarios ist der GGYC bestrebt, im gegenseitigen Einvernehmen eine Challenger Selection Series zu installieren, an der so viele Herausforderer wie möglich teilnehmen. “Wir werden uns unverzüglich darum bemühen, uns mit den anderen Herausforderern zu treffen, um uns gemeinsam mit allen anderen Teams auf ein faires Regelwerk zu einigen", sagte Coutts. Wir werden sehr glücklich sein, wenn wir die vergangenen Monate hinter uns lassen und uns wieder auf das Segeln konzentrieren können."
Alinghi äußert sich so: „Die heutige Entscheidung gegen die Rechtmässigkeit des Challenger of Record Club Náutico Español de Vela (CNEV) ist eine Enttäuschung für die Société Nautique de Genève (SNG), das AC Management, Alinghi und die sieben gemeldeten Challenger, die von diesem Ergebnis betroffen sind. Der Entscheid des Richters wird nun einer gründlichen Prüfung unterzogen und die verschiedenen Optionen, welche die Deed of Gift ermöglicht, werden analysiert.“
Alinghi-Präsident Ernesto Bertarelli zum Entscheid: Wir sind enttäuscht, dass der CNEV wegen einer reinen Formsache für unrechtmässig erklärt wird, und wir konzentrieren uns nun auf die Diskussionen mit dem Golden Gate Yacht Club, um sicherzustellen, dass es mit dem America’s Cup weitergeht.“
Wird jetzt doch 2009 gesegelt? BMW Oracle strebt das offenbar an. Und mit der Entscheidung von Richter Cahn sind die Karten zu Gunsten der Amerikaner neu gemischt worden. Alinghi muss die abgebrochenen Gespräche wieder aufnehmen.
Ein wenig Angst macht die Alinghi-Aussage, dass man die Entscheidung einer gründlichen Prüfung unterziehen und die Optionen abwägen wolle. Das hört sich nach weiteren Verzögerungen an. Zuvor hatte das Team ausgeschlossen, in Berufung gehen zu wollen.
Prozessbeobachter halten einen solchen Schritt auch nicht für Erfolg versprechend. Richter Cahn habe BMW Oracle zu einem deutlichen Sieg vor Gericht verholfen.
Jetzt kommt es vermutlich darauf an, wie Alinghi die eigenen Siegchancen bei einem Katamaran-Wettkampf beurteilt. Stehen die Chancen schlecht, weil sich BMW Oracle vielleicht schon die besseren Designer auf diesem Gebiet gesichert hat, dann könnte es doch noch zu dem geplanten Ablauf mit den neuen AC90 Yachten kommen, den die Amerikaner befürworten. Vielleicht ist dann auch 2009 wieder ein Thema.
Stehen die Chancen für Alinghi gut bei einem Multihull-Wettkampf, dann werden die Schweizer vermutlich keinen Anlass dafür sehen, sich mit den Amerikanern auf ein gemeinsames Protokoll zu einigen. Dann treten sie 2008 auf einem Mehrümpfer gegen BMW Oracle an.
Diese Variante dürfte allerdings nicht im Sinne der übrigen Herausforderer sein. Sie wären von einem solchen Wettkampf ausgeschlossen.
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