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Armes Deutschland

YACHT-Redakteur Christoph Schumann über den "deutschen America's Cup"

(07.11.2003/cs) Der America's Cup 2007 wird wohl wieder ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Die Italiener sind natürlich dabei. Die Germanen hoffen jetzt auf ein Projekt namens "B-Linghi".

© J. Kopp
Schweden hat nur 8,9 Millionen Einwohner und schon mehrere America's-Cup-Projekte umgesetzt. Die Engländer schafften es, die Franzosen, die Italiener und die Schweizer, nur Deutschland bisher noch nie.

Schmiddl kümmerte sich als Erster um das Thema. Der gewichtige Werftchef aus Greifswald gründete 1982 mit Freunden das Deutsche America's-Cup-Syndikat. Es folgten Projekte der Messe Friedrichshafen mit süddeutschen Firmen. Dann kam Medaillengewinner Ullrich Libor mit seiner "Maid of Germany". Er scheiterte trotz Unterstützung der Messe Düsseldorf und des mächtigen Norddeutschen Regatta Vereins schließlich genauso wie ein Unternehmensberater und ein angeblicher Wunderdesigner.

Als schließlich Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter auf den Plan trat und sich von Branchenkenner und Segelmacher Eckart Wagner ein Konzept schreiben ließ, war der Durchbruch nahe. Nach dem Wechsel in der Führungsetage in Stuttgart wollte man schnelle Erfolge. Die aber stellten sich nicht ein. Die Konsequenz war das Aus von AeroSail, dem bislang erfolgreichsten Projekt in dieser Hinsicht.

Dann kam Michael Illbruck, der den Sieg im Volvo Ocean Race als Sprungbrett in die America's-Cup-Szene nutzen wollte. Am Ende ohne Erfolg.

War's das nun mit Deutschland für eine Teilnahme 2007 am nächsten Cup der Herausforderer? Nicht ganz, wenn es nach den Plänen zweier Hamburger geht. Weltumsegler Tim Kröger und Seglerunikum Frank Schönfeldt (Clown-Sails) wollen noch einen letzten, verzweifelten Versuch unternehmen, doch ein deutsches Team an den Start zu bringen. 200 T-Shirts haben sie bedruckt mit dem Namen des Projektes: B-Linghi.Von jedem verkauften Crew-Shirt gehen zwei Euro auf ein Konto. Der Kontostand liegt bei knapp über 400 Euro, weil einige mehr getan haben als nur das Hemd zu kaufen.

Die Bewegung aber verläuft gradlinig nach oben. Theater bieten Flächen an zur Selbstdarstellung, Benefiz-Konzerte werden veranstaltet, auf der Reeperbahn soll es ein zehn mal zwölf Meter großes Plakat geben, eine Firma möchte auf ihren Rechnungen auf das Thema hinweisen. Das Fernsehen hat sich angekündigt, das Magazin "Focus" ebenfalls.

Frank Schönfeldt erklärt das so: "Die Kampagne ist ehrlich. Keiner will daran verdienen, und keiner hält die Hand auf. Wenn wir eine Welle erzeugen, können wir vielleicht am Ende auch einen großen Fisch an Land ziehen."
Die Kampagne ist sympathisch und wird ihren Weg machen. Aber: Schaut man sich in der Geschichte des Cups um, so waren es immer die Superreichen dieser Welt allein, die den America's Cup beeinflusst haben.

Und: Gibt's die in Deutschland nicht? Doch, schon. Nur: Ein Deutscher, der sein Geld in Zeiten wie diesen zeigt, ist dumm. Einen Italiener hingegen, der seinen Reichtum verbirgt, verstehen am Stiefel selbst die Armen nicht.

 
 
 

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