Quant 23

Hammer: Das erste Kielboot hebt ab

Die Quant 23 ist ein Einrumpfboot mit Ballastkiel und kann trotzdem "fliegen". Das Geheimnis: eine Kombination von DSS und Flügelschwert

Michael Good am 09.06.2015
Quant 23

Quant 23

"Lift off" gleich beim ersten Probeschlag: Der Prototyp der Quant 23 hat seinen Jungfernflug bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Projektinitiator Michael Aeppli von Quant Boats in der Schweiz schwärmt: "Schon bei 12 Knoten ist das Boot mit einer Dreier-Mannschaft auf die Foils gekommen, ganz einfach so. Wahnsinn!" Damit ist die Quant 23 das erste Segelboot mit einem festen Kiel (Ballastanteil 60 Kilogramm), das "fliegen" kann. Der Bildnachweis ist erbracht. 

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Konstrukteur Hugh Welbourn bereits an der innovativen DSS-Technologie (Dynamic Stability System, er ist deren geistiger Vater. Die Funktionsweise von DSS: Seitlich am Rumpf ausfahrbare, asymmetrische Profile generieren in Lee zusätzlichen Auftrieb, was mit Hebelwirkung das aufrichtende Moment verstärkt. Damit kann der Ballastanteil von Kielbooten wesentlich reduziert werden. In Zusammenarbeit mit Quant Boats  in der Schweiz (Quant 28 und Quant 30) sowie mit Infinity Yachts in Monaco (Infinity 36GT und im Bau Infinity 46R) brachte Hugh Welbourn das DSS-System schließlich zur Serienreife. Die Projekte, die Boote und die Physik wurden in der YACHT 16/2011 ausführlich vorgestellt.

Quant 23

Quant 23

Jetzt kommt zur Funktion DSS eine weitere Dimension dazu: der vertikale Lift. Die jüngste Technologie von Welbourn kombiniert die Funktionsweise von DSS mit flexiblen Profilflügelschwertern in V-Form, die jeweils in Lee ausgefahren werden. In Kombination mit zusätzlichen Tragflächen am Ruderblatt generieren die Foils bei der Quant 23 genügend Auftrieb, dass das Boot bei einer gewissen Geschwindigkeit abheben, also foilen kann. Eine ähnliche Technologie in Kombination mit Neigekielen wird derzeit bei den neuesten Offshore-Rennyachten der Imoca-Open-60-Klasse ausprobiert. Diese großen Yachten werden allerdgins nicht wirklich fliegen sondern auf den schnellen Reaching-Kursern nur partiell angehoben und vor allem aufgerichtet. Wie Michael Aeppli von Quant-Boats gegenüber YACHT-Online berichtet, ist die Frage, ob diese französische Version von DSS das weltweite DSS-Patent verletzt, noch nicht geklärt.

Fotostrecke: Quant 23

Die 7,08 Meter lange und 1,96 Meter breite Quant 23 hat einen Scow-Rumpf.  Damit soll das Boot in den schwimmenden Phasen, also zum Starten und in den Manövern, eine hohe Anfangsstabilität erhalten. Das Boot ist eine Epoxy-Glas Konstruktion mit Kohlefaserverstärkungen. Das segel- beziehungsweise flugfertige Gewicht beträgt gemäss den Spezifikationen lediglich 270 Kilogramm Kilogramm, inklusive allen flexiblen und festen Flügeln und eines Ballastanteils von 60 Kilogramm im Kiel. Dieser lässt sich übrigens über eine am Mast angeschlagenen Talje aufholen. Auch sind die Foils komplett abbaubar. Damit kann das Fliegengewicht mit wenig Aufwand auf dem Straßentrailer transportiert und über eine Rampe auch geslippt werden.

Nach den ersten Probeschlägen in England wird der Prototyp jetzt bei Quant Boats in der Schweiz getestet und reichtig eingesegelt. Grundsätzlich wird ein Serienbau angestrebt. Wo und mit welchen Partnern die Quant 30 schließlich gebaut werden soll ist noch nicht entschieden. Auch eine erst Preisvorstellung kann Aeppli vorerst nicht beziffern.

DSS Quant 28 im YACHT-Test

Michael Good am 09.06.2015

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