Messe-Neuheiten Cannes, No. 2

Grand Soleil 34 Performance: schierer Renner

Diese Yacht passt eigentlich gar nicht hierher. Während sonst in Cannes überall Größe und Luxus dominieren, kommt sie ziemlich puristisch daher

Jochen Rieker am 17.09.2017
Erste Fotos der neuen Grand Soleil 34 Performance aus Cannes
YACHT/J. Rieker

Da liegt sie also, die kleinste Segelyacht unter den Weltpremieren der diesjährigen Bootsfestspiele von Cannes, die sich mehr und mehr zum Superyacht-Event wandeln. Weil am Quai St. Pierre, der Mole im Westen des Vieux Port, fast nur noch Schiffe der 50- und 60-Fuß-Klasse ausgestellt werden, musste Grand Soleil die 34 Performance tatsächlich anderswo festmachen – 300 Meter entfernt vom eigentlichen Stand der Marke und ganz außen am Schwimmsteg, der sonst weitgehend von Jeanneau belegt ist.

Man muss sie wirklich finden wollen. Zufällig wird kaum jemand auf sie stoßen. Das mag auch an der Größe liegen. Hier sind Elf-Meter-Boote inzwischen so sehr in der Minderzahl, dass sie zwischen all den weit längeren und hochbordigeren Exponaten kaum ins Auge fallen. Eine Entwicklung, die den Messeveranstaltern Sorgen bereiten sollte – doch tatsächlich scheinen sie nach noch Höherem zu streben.

Willkommen also an Bord einer Ausnahmeerscheinung. Das ist die Grand Soleil 34 nicht nur in Cannes, sondern auch im Programm von Cantiere del Pardo. Während die Werft mehr und mehr den gehobenen, luxuriösen Yachtbau pflegt und mit dem eben erst vorgestellten Motorboot und der kommenden Custom-Linie noch weiter nach oben strebt, selbst in der eher sportlich orientierten Performance-Reihe, ist die Neue in erster Linie Racer.

Fotostrecke: Cannes 2017: Premieren-Fotos der Grand Soleil 34 Performance

Das machen schon die Decksausrüstung und das Plicht-Layout deutlich. Allein drei Kontrollleinen pro Seite für die Einstellung des 3D-Holepunkts der Genua fordern die Trimmkünste der Crew. Dazu lässt sich der Kicker beidseitig per Curryklemme holen oder fieren, wie bei Regattayachten üblich. Die lange GFK-Pinne mit Ausleger positioniert den Rudergänger weit vorn im Cockpit – wo er zwar Zugriff auf die beiden Großschotwinschen hat, aber nicht direkt auf Achterstag und Travellerleine. Für Einhandsegler ist diese Auslegung nicht optimal. Das stand jedoch auch nicht im Vordergrund der Entwicklung. Die Grand Soleil 34 Performance ist vielmehr eine Yacht für die komplette, gut eingespielte Regattacrew.

Wer sie als flottes Fahrtenboot interpretiert hat, wird partiell enttäuscht sein – ähnlich wie die Italia 9.98 Fuoriserie und die XP-33 von X-Yachts fordert sie doch deuliche Zugeständnisse in puncto Wohnkomfort. So ist der hinter der Nasszelle liegende Stauraum an Steuerbord nur durch das Bad erreichbar. Sperrige Segelsäcke oder andere  Ausrüstungsgegenstände müssen also stets den Niedergang hoch- und runtergezerrt werden. Die Werft erwägt hier eine Nachbesserung, will eventuell Zugang über einen Backskistendeckel anbieten, was jedoch mit einer Änderung der Decksform einherginge und entsprechend aufwendig wäre.

Auch unter Deck wirkt die Grand Soleil 34 Performance etwas weniger verheißungsvoll, als es auf den Computerillustrationen zuvor erschien. Das Finish ist zwar ordentlich, massive Umleimer gibt es im Sportsegment sonst kaum. Die Wertigkeit aber bleibt hinter dem sonst sehr hohen Standard der Marke zurück. Stauraum in gut erreichbaren Schapps ist extrem knapp, insbesondere in Pantry und Salon.

Es gibt aber auch positive Überraschungen. So wirkt die Eignerkammer an Backbord achtern recht geräumig. Auch das Bad geht in Ordnung. Und im offenen Vorschiff gefällt die Variabilität. Für Regatten lässt sich ein großer Bereich unter der Luke freiräumen, um dort Spi oder Gennaker zu bergen und zu packen. Außerdem dient ein Einlagebrett wahlweise als Abtrennung von Stauraum, als Verlängerung der Doppelkoje vorn oder als Hocker für zwei Mitsegler, die so noch zusätzlich am aufklappbaren Salontisch Platz finden. Das ist wirklich clever gelöst.      

Über den Erfolg der 34 Performance wird all das kaum entscheiden. Vielmehr wird er von den Regattaresultaten abhängen und davon, wie gut das markant gestaltete Boot in die Vermessung passt. Die Voraussetzungen dafür sind zumindest grundsätzlich günstig. Rigg, Segelplan und sogar das Kielgewicht lassen sich an ORC oder IRC anpassen. 

Spezifikation, Preis und weitere Informationen finden Sie hier.  

Und hier eine Übersicht über die weiteren Premieren, die wir in den kommenden Tagen ausführlich vorstellen:

  • Eleva The Fifty – Was die neue, exravagante Marke aus Italien auszeichnet
  • Jeanneau Sun Odyssey 490 – Wodurch sich das Top-Modell von der 440 abhebt
  • Dufour 520 Grand Large – Was die umfangreiche Modellpflege gebracht hat
  • Grand Soleil 52 LC – Wie wandelbar die neue Fahrtenyacht von del Pardo ist
     
Jochen Rieker am 17.09.2017

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