VPLP Oceanwings

Flügelrigg 2.O: vollautomatisch und reffbar

Beflügelt in die Zukunft: Die Ingenieure bei VPLP arbeiten an einem halbstarren Flügelsegel, das man reffen kann und das sich vollautomatisch von selbst trimmt

Michael Good am 10.04.2017
Oceanwings
VPLP

Das System Oceanwings von VPLP. Der halbstarre Flügel wird vollautomatisch getrimmt

Das System wurde jetzt unter dem registrierten Markennamen Oceanwings vorgestellt, basierend auf einem effizienten zweiteiligen Flügelprofil, ähnlich den Riggs, welche derzeit auf den foilenden Katamaranen im America's Cup eingesetzt werden. Anders aber als auf den aktuellen AC-Rennmaschinen ist der Flügel von Oceanwings nicht komplett starr, sondern kann wie ein herkömmliches Segel gesetzt und auch gerefft werden. Das Profil besteht dazu aus flexiblen Kohlefaser-Rippen, über die segmentweise Segelstoff gespannt ist. Gesetzt wird das Profil an einem unverstagten, unprofilierten Rundmast. Die Festigkeit des Flügels ergibt sich erst mit dem Durchsetzen am Mast.

Oceanwings

Der Versuchsträger ist ein Acht-Meter-Trimaran. Das System soll auf großen Frachtschiffe Anwendung finden sowie auch auf Segelyachten

Die Besonderheit des Oceanwings-Systems ist seine volle Automation. Über einen zentralen Rechner werden die Daten zur Windstärke, Windrichtung und Windeinfallswinkel ausgewertet und der Flügel danach vollautomatisch über eine komplexe hydraulische Anlage immer optimal eingestellt. Der Oceanwings-Flügel wurde jetzt erstmals auf einem Acht-Meter-Trimaran von Tricat erfolgreich getestet. Quasi ist dies aber noch ein Modellversuch. Das System von VPLP soll sich zunächst vor allem für den Einsatz auf Frachtschiffen und großen Luxusyachten anbieten, mit dem Ziel einer deutlich besseren Energiebilanz auf der langen Strecke und stark reduziertem Schadstoff-Ausstoß. In Planung sei aber auch die Umsetzung auf mittelgroßen und großen Segelyachten und Katamaranen, sagt VPLP-Projektleiter Nicolas Sdez. 

Oceanwing

Mit dem Oceanwing-System sollen Frachtschiffe bis zu 42 Prozent effizienter fahren können 

Die Idee des flexiblen Flügelriggs ist allerdings nicht ganz neu: Schon 2014 hat die französische Groupe Beneteau ein einteiliges, aber über Gelenke verstellbares Flügelrigg präsentiert, welches auf einer Segelyacht vom Typ Sense 43 aufgebaut worden ist. Das System wurde als die Revolution im Yachtsport vorgestellt, hat sich bis dato aber nicht wesentlich aus dem Projektstadium weiterentwickeln können – es ist zunächst beim Prototypen geblieben. Ein ganz ähnliches System wurde von Omer-Wingsail in Zusammenarbeit mit One Sails entwickelt. Das ebenfalls flexible Profilrigg wurde recht erfolgreich auf einer Elan 37 sowie auf einer Seascape 18 getestet. Wirklich durchgesetzt haben sich aber auch die Profile von Omer nicht. Und Incidence Sails in Frankreich hat ebenfalls ein semi-starres Flügelrigg aufgebaut, mit welchem der aufsehenerregende Arkema-Mini 6.50 (s. Reportage in YACHT 4/2017) das Rennen der Hochseezwerge über den Atlantik gewinnen soll.

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Michael Good am 10.04.2017

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