Messe-Neuheiten Cannes , No. 3

Eleva 50: Neue Marke, extravagantes Design, hohes Potenzial

Die noch junge italienische Werft Carbon Line überraschte in Cannes mit der Premiere ihres ersten eigenen Modells. Schon der Namen klingt besonders: The Fifty

Jochen Rieker am 18.09.2017
Premieren-Fotos der neuen Eleva "The Fifty" aus Cannes
YACHT/J. Rieker

Eine einfache Zahl hätte es für den 50 Fuß langen Performance-Cruiser nicht getan. Die Eleva will ja auch nicht irgendein schnelles Boot sein, sondern das eine unter vielen. Daher der Verzicht auf Ziffern und der Rückgriff auf die leicht überhöhte Modellbezeichnung "The Fifty", der wir hier freilich nicht sklavisch folgen wollen. Denn "Eleva 50" ist klarer und trifft es ja auch.

Sie braucht solcherlei Girlanden ohnehin nicht. Dass sie für sich steht, macht sie schon von Weitem durch ihre sehr eigene, sehr reduzierte Linienführung deutlich. Am augenfälligsten ist der Sprung im Deckssprung. Etwa auf Höhe des Masts verläuft das Laufdeck schwungvoll nach oben wie auf ein Plateau zu – das Vorschiff, das von der schmalen Aufbaukante flach zum Bug verläuft, ist dadurch signifikant höher. Das kennt man sonst, in noch ausgeprägterer Form, eigentlich nur von klassischen Motorbooten. 

Fotostrecke: Frisch aus Cannes: Premieren-Fotos der neuen Eleva "The Fifty"

Abgesehen davon, dass es ein Identifikationsmerkmal der Eleva 50 ist, hat es sogar einen praktischen Vorteil. In der vorn liegenden Eignerkammer entsteht dadurch genügend lichte Höhe. Nur deshalb kann das Kajütdach im vorderen Bereich so aufreizend flach bleiben.

Es ist nicht die einzige Besonderheit des Bootes. Auch die Aufbau- und Kajütfenster in ihrer nach vorn weisenden Parallelogrammform heben die Eleva (gesprochen Elé:wa, mit Betonung auf der zweiten Silbe) von der Masse ab. Ebenso das reduzierte, sehr aufgeräumte Deck sowie die optische Leichtigkeit der ganzen Konstruktion. In der Menge der in Cannes ausgestellten Boote fiel die von Giovanni Ceccarelli gezeichnete Italienerin fraglos positiv auf.

Unter Deck setzt sich die Extravaganz fort. Die Werft hat ein kühles, aber auch sehr cooles Interieur geschaffen – so reduziert wie das Deck, aber nicht spartanisch. Dafür, dass dies das erste Modell der Marke ist, überrascht die Stilsicherheit. Die Baunummer eins zeigte gleichwohl noch Detailmängel im Ausbau, die nicht so recht zum hohen Anspruch passen – weshalb das Boot, das heute nach Genua zur nächsten Bootsmesse unterwegs ist, in Kürze noch einmal nachgearbeitet wird. 

Hinter dem Projekt steht ein noch junges, aber renommiertes Bootsbauunternehmen: Carbon Line mit Sitz in Fano, einem Ort an der Adriaküste unweit von Pesaro in der Region Marken. Der Hightech-Betrieb mit fast 200 Festangestellten verfügt über modernstes Komposit-Know-how. Er fertigt im Auftrag große Motoryachten für Riva, Azimut, Ferretti und andere.

Mit Eleva startet Carbon Line jetzt erstmals eine Eigenmarke. In ihr bündeln die Gründer, Samuele Poli and Michele Pierleoni, ihre Fähigkeiten. So profitiert das Boot von einer aufwendigen Bauweise:

Der Rumpf entsteht inklusive der aussteifenden GFK-Bodengruppe in Vakuum-Infusion unter Verwendung von Epoxidharz. Hoch belastete Teile wie die Aufnahmen der Wanten werden mit Kohlefaser verstärkt. Das Deck wird auf Wunsch sogar komplett aus Carbon-Sandwich gefertigt, um den Schwerpunkt niedrig zu halten und ein günstiges ORC-Rating zu gewährleisten. So kommt das für ein Boot dieser Klasse sehr niedrige Leergewicht von nur 10,5 Tonnen zustande – und eine sehr hohe Segeltragezahl von 5,7.

Auch der Preis erscheint attraktiv. In der Basisversion mit Alu-Mast soll die Eleva The Fifty inklusive Mehrwertsteuer 690.200 Euro kosten; das Messeboot mit Kohlefaser-Rigg und -Deck liegt bei 952.000 Euro. Wenn jetzt noch das Finish stimmt, sollte es gelingen, die Marke rasch zu etablieren – auch im durchaus eng besetzten Markt anspruchsvoller Performance-Cruiser, in dem ja noch Nautor mit der ClubSwan 50, Grand Soleil, Ice, Mylius, Solaris, X-Yachts und einige andere vertreten sind.

Hier finden Sie die technischen Daten der Eleva The Fifty 

Und hier eine Übersicht über die weiteren Premieren, die wir diese Woche noch ausführlich vorstellen:

  • >> Jeanneau Sun Odyssey 490 – Wodurch sich das Top-Modell von der 440 abhebt
  • >> Dufour 520 Grand Large – Was die umfangreiche Modellpflege gebracht hat
  • >> Grand Soleil 52 LC – Wie wandelbar die neue Fahrtenyacht von Cantiere del Pardo ist

 

Jochen Rieker am 18.09.2017

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