Neue Yachten

boot-Premieren Teil 1: Elan 210

22.01.2011 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/J. Rieker - Doppelruder, Kimmkanten, Bugspriet, Hubkiel: Die Kleine von Elan kommt topaktuell daher. Hier erste Eindrücke und exklusive Bilder

Fotograf: © YACHT/J. Rieker

Rumpf mit Kimmkanten

Sie ist DIE Überraschung von Düsseldorf. Erst im letzten Moment fertig geworden, hat die Elan 210 das Zeug zum Messe-Star. Moderne Konstruktion, gepaart mit durchdachtem Ausbau, das alles zu einem fairen Preis.

Bereits mit ihren größeren Performance-Cruisern, den Elan-Typen 310 und 350, haben die Slowenen ein Ausrufezeichen gesetzt. Als erster Großserienhersteller haben sie ihre Yachten mit Anleihen aus dem Einhand-Hochseerennsport versehen. Erfolgreich – beide verkaufen sich gut und konnten in Vergleichstests überzeugen.

Jetzt adaptieren sie die Erfolgsformel in einem Größensegment, das von den Großen der Branche entweder gar nicht oder lange nicht bedient worden ist: mit einem Kleinkreuzer, der wie eine Art ziviler Minitransat-Renner daherkommt: flach, breit, mit Gennaker gut betucht und relativ einfach zu beherrschen. Wie eine ein Meter längere Version der Seascape 18 wirkt er, und so sind auch die wesentlichen konstruktiven Merkmale.

Mit ihrem Hubkiel und dem breiten Heck verfügt die Elan 210 über ein hohes aufrichtendes Moment. Die Rumpflinien prädestinieren sie für rasches Angleiten – das Geschwindigkeits-Vorhersageprogramm nennt 14 Knoten maximalen Speed raumschots.

Theoretische Werte zunächst, doch hat ihre große Schwester, die 350, bei den Tests zur Wahl für Europas Yacht des Jahres im November bewiesen, dass sie die Vorgaben von Konstrukteur Rob Humphreys erfüllen kann. Es wird ungemein spannend sein, das Potenzial des 6,50 Meter kurzen Flitzers zu erkunden, der wegen des relativ kompletten Ausbaus nicht gerade ultraleicht ist.

Tatsächlich soll die Elan 210 beides sein: Sportler und Tourer. Unter Deck überrascht sie deshalb fast noch mehr. Sehr durchdachte Details werden Kleinbooteigner freuen, denen andere Werften allenfalls rudimentäre Einbauten bieten, oft noch geprägt vom Stil der achtziger Jahre. Die 210 ist anders: pfiffig, innovativ und größer, als sie von außen wirkt.

Die Doppelkoje im Bug, die sich mit zwei ausrollbaren Foliensegen optisch abtrennen lässt, misst in Schulterbreite 1,60 Meter, und auch im Fußraum kommt man sich zu zweit nicht in die Quere. Die Pantry verfügt über einen einflammigen Kocher, eine Spüle mit Fußpumpe und 55 Liter Wassertank.

Auf Wunsch passt eine Chemietoilette unter das Polster der Doppelkoje. Stauraum gibt es ausreichend. Im Cockpit ruht in einem großen Bodenfach der Außenborder, der sich bei Bedarf durch einen Schacht stecken und „unsichtbar“ betreiben lässt. Es kann etwas fummelig bei Welle vor der Hafeneinfahrt werden, bis man den Quirl in die Halterung gewuchtet hat, aber besser als ein achtern angehängter Motor, der den Gewichtstrimm versaut und an dem sich in der Halse gern mal die Großschot verhakt, ist dieses Setup allemal.

Die Beschläge sind von guter Qualität und leicht bedienbar. Schön der achtern über fast die gesamte Breite verlaufende Traveller, der beidseitig mittig im Cockpit bedient wird.

Noch schöner der Seldén-Bugspriet. Er ist wie bei den großen Elans in einem eigenen GFK-Kasten gehaltert, läuft auf einer Schiene und lässt sich vom Cockpit aus ein- und ausfahren. Besser geht’s nicht.

Einen tiefen Ankerkasten gibt’s auch, dazu einen Bugbeschlag, der sich mit einem Handgriff wegnehmen lässt. Details, die durchdacht sind und zudem funktional. Auch das Finish überzeugt. Am Prototyp, der erst drei Tage vor Messebeginn fertig wurde, gibt es so gut wie nichts zu beanstanden.

Kein Zweifel: Dieses Boot bereichert den Markt. Es könnte wie schon die 310 und die 350 zum Trendsetter werden, wenn es sich auch auf dem Wasser bewährt.

Komplett ausgestattet, wird die Elan 210 um die 30.000 Euro liegen. Ein faires Angebot. Wer sich intensiver damit auseinandersetzen möchte, sollte unter der Woche auf die boot Düsseldorf kommen. Am Wochenende sind lange Warteschlangen programmiert.

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