Neue Boote

boot-Premieren I: Grand Soleil 46 LC

Mit Spannung erwartet: Cantiere del Pardo präsentiert erstmals eine reine Fahrtenyacht als Ergänzung ihres bisherigen Performance-Programms

Jochen Rieker am 17.01.2015
Grand Soleil 46 LC

Sehr geräumig, offen und mit Fenster überm Hautschott, durch das man voraus peilen kann: die neue Grand Soleil 46 LC

Auf der boot Düsseldorf feiert von heute an die Grand Soleil 46 LC Weltpremiere. Das Boot, für dessen Neuentwicklung sich die italienische Traditionswerft mehr als ein Jahr Zeit genommen hat, ist nicht zuletzt das "Ergebnis einer intensiven Marktanalyse und Kundenbefragung". Das sagte Gigi Servidati am Vorabend der Messeeröffnung gegenüber YACHT online. Der kaufmännische Leiter von Cantiere del Pardo ist so etwas wie die Seele des Projekts – er hat es von Beginn an begleitet.

"Wir sind immer wieder von Eignern angesprochen worden, ob wir nicht auch ein Fahrtenboot bauen könnten", sagt Servidati. Schon vor zwei Jahren ließ die Werft erste Skizzen anfertigen, wie eine Grand Soleil zum Cruisen aussehen könnte. So richtig konkret wurde es aber erst Anfang 2014. Damals gewährte Werftchef Fabio Planamente der YACHT erstmals Einblick in seine Pläne.

Wie ausgefeilt sie schon waren, zeigt die Baunummer 1, die jetzt in Halle 16 zu sehen ist. Bis auf wenige Abweichungen entspricht sie genau den llustrationen, die YACHT online im April vorigen Jahres erstmals veröffentlichte.

Fotostrecke: Exklusiv - Die ersten Bilder der neuen Grand Soleil 46 LC

 

Die Grand Soleil 46 LC ist ein luxuriöser Allrounder

Am auffälligsten ist der GFK-Bügel, der den Niedergang überspannt und sowohl die Großschot aufnimmt als auch Sprayhood und Bimini. Aber das sind nicht die einzigen Kennzeichen. Das große Volumen des recht hohen und breiten Rumpfes differenziert die 46 LC ebenso von ihren sportlicheren Schwestern.

LC steht übrigens für "Long Cruise", eine etwas ungelenke Bezeichnung für die neue Modellreihe, die wohl am ehesten mit "Langfahrt" übersetzt werden kann. Dabei ist die Grand Soleil nicht in erster Linie ein Blauwasserkreuzer für Weltumsegelungen oder andere ausgedehnte Reisen. Das kann sie auch, aber dafür gibt es sicher noch weitaus geeignetere, kernigere Typen. Sie ist vielmehr ein Komfort-orientierter Allrounder für anspruchsvolle  (und vermögende) Fahrtensegler.  

Das wird besonders unter Deck deutlich, wo die Italienerin mit einem überraschend großen und offenen Salon aufwartet. Nicht unbedingt einfach begehbar bei starker Krängung und ruppigem Seegang, im Hafen oder vor Anker aber eine Wucht.

Geschickt haben die Stylisten von Nauta Design die Pantry an Backbord vom Niedergang eine kleine Stufe tiefergelegt. Das ermöglichte es ihnen, dem Küchenblock Höhe und visuelle Schwere zu nehmen – er wirkt am Übergang zur Sitzgruppe eher wie ein flaches Sideboard und damit sehr elegant. 

In der ausgestellten Drei-Kabinen-Version (auf Wunsch soll es später auch eine mit nur zwei Kabinen geben) verfügt die Grand Soleil 46 LC über zwei Nasszellen. Die Eignerkammer mit viel Stauraum und guter Begehbarkeit liegt im Vorschiff; achtern gibt es an Steuerbord eine in zwei Einzelkojen teilbare Liegefläche, backbord eine breite Doppelkoje. 

Sehr hochwertig wirkt die offenporige Maserung des Ausbaus in heller Eiche. Die Hölzer werden drei bis vier Mal in einem speziellen Verfahren klarlackiert, das viel von der natürlichen Haptik bewahrt. Auf Wunsch und ohne Aufpreis können Eigner auch traditionelles Teakfurnier oder gemessertes Teak von Alpi wählen.

Vier Zentimeter starkes Hauptschott, aufwändige Verarbeitung

Die Struktur der Yacht wirkt extrem solide. Ein hohes Gerüst aus Spanten und Stringern in Volllaminat steift den Rumpf aus. Deck, Schotten und Struktur sind sowohl verklebt als auch anlaminiert, um die Festigkeit des Verbunds zu erhöhen. "Das war uns wichtig", betont Projektpate Gigi Servidati und verweist beispielhaft auf das vier Zentimeter dicke Hauptschott. 

Diese Sicherheits-Philosophie findet sich im ganzen Schiff wieder. So verzichtet die Werft auf den einfacher zu installierenden Saildrive und bietet die 46 LC nur mit Wellenantrieb an, "einfach weil er robuster ist", sagt Servidati. Standard ist ein 75 PS starker Volvo-Penta, gegen Aufpreis verbaut del Pardo auch einen 110-PS-Yanmar.

Das Rigg ist über sehr breite Salinge abgespannt. Weil die Oberwanten ganz außen am Rumpf angreifen und die Unterwanten an der Aufbaukante, bleibt der Durchgang nach vorn völlig frei. Auch dies ein Wunsch, der in den Befragungen von Eigner deutlich geworden war und perfekt umgesetzt wurde.

Als Standard-Vorsegel fährt die Grand Soleil eine Selbstwendefock; für eine leicht überlappende Genua IV gibt es schon im Standard Schienen, Umlenkblöcke und Stopper. Optional bietet die Werft auch ein wegnehmbares inneres Vorstag an, an dem eine Schwerwetterfock gefahren werden kann. Das Groß verfügt serienmäßig über drei Reffreihen – das unterstreicht die breitbandige Auslegung der Yacht.

Gut möglich also, dass Grand Soleil ähnliche Erfahrungen macht wie X-Yachts, die bereits 2008 begonnen hatten, ihr Produktportfolio um eine Fahrtenreihe zu erweitern. Die Dänen verkauften in den Folgejahren mehr Boote der XC-Reihe als Performance-Cruiser. Der 46 LC, die moderner und noch konsequenter wirkt, ist ein ähnlicher Erfolg zuzutrauen.

Jochen Rieker am 17.01.2015

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