MESSE

boot-Premiere I – Dehler 38

19.01.2013 Jochen Rieker, Fotos: YACHT/M. Strauch, YACHT/ M.Strauch - Eine der spannendsten Neuheiten aus Deutschland: Mit der 38 definiert Dehler die künftige Modellpolitik – sportiver Stil, gemütlicher Ausbau

Dehler 38 auf der boot 2013
Fotograf: © YACHT/M. Strauch

So komfortabel kann ein Performance-Cruiser sein: Salon der neuen Dehler 38

Für die Werft ist es ein ungemein wichtiges Projekt, für die Besucher eine der interessantesten Premieren dieser boot. Da passt dann auch der Zeitpunkt der feierlichen Enthüllung. Und Enthüllung war wörtlich zu nehmen. Zum Auftakt der Messe in Düsseldorf fiel am Samstag kurz nach Öffnung der Tore in Halle 17 schon der rote Vorhang, der bis dahin die Sicht auf die Dehler 38 nahm.

Gestreckte Linien charakterisieren die von Judel/Vrolijk konstruierte Yacht. Mit breitem, in der Serienkonfiguration offenem Heck und senkrechtem Steven, nicht zu viel Freibord und einem zwar langen, aber stilistisch geschickt gestalteten, flach wirkenden Aufbau erscheint die 38 sehr modern und durchaus sportlich.

Besonders gelungen die spitz zulaufenden Kajütfenster, die in drei nach außen öffnende Segmente unterteilt sind, aber wie aus einem Guss wirken. Ein klarer Gewinn gegenüber der bisherigen Gestaltung – und funktional dazu: bei Nieselregen muss man jetzt nicht gleich die Fenster schließen.

Die 38 zeigt in Sachen Cockpit-Ergonomie alte Dehler-Tugenden 

Die Plicht kommt im Standard mit sechs Winschen, alle von Harken: zwei am Aufbau für Fallen und Strecker, zwei für die Genua, zwei für das beidseitig geschotete Groß – und dessen Schoten lassen sich mit Stoppern auch abklemmen, was die Verwendung der achteren Winden flexibler gestaltet. Ein kleines Detail, aber nur wenige Werften machen sich so weitreichende Gedanken beim Cockpitlayout. 

Die Plicht lässt sich auf Wunsch schließen. Das GFK-Bauteil fungiert abgefiert dann als große Badeplattform. Auch ein großer Cockpittisch ist verfügbar – Extras, die Regattasegler nicht brauchen und wegen des Mehrgewichts kaum ordern werden. Sie werden sich wohl auch einen anderen Kiel mit feinerem Finish wünschen; die Standardflosse an der ersten Baunummer ist recht grob gegossen. Aber Dehler geht es nicht nur um diese Zielgruppe. Das Boot soll auch und gerade ambitionierte Fahrtensegler ansprechen. Und für die ist Komfort wichtiger als Leichtbau und die letzten Zehntel Geschwindigkeit.

Hochwertiger und warmer Ausbau 

Unter Deck wird das besonders deutlich. Der Ausbau in Fineline-Teak wirkt sehr wohnlich und warm. Für einen Performance-Cruiser fast schon luxuriös. Und auch hier erkennt man eine große Liebe zum Detail.

Türkanten sind mit zwei Millimeter starken Massivholz-Umleimern geschützt, wo andere Werften nur dünne Furnierlagen aufkleben. In der Pantry gibt es schicke, flexibel montierbare Trennhölzer, die dafür sorgen, dass das Geschirr auch bei Lage und Seegang nicht verrutscht. Die Paneele am Kajütdach sind mit Textilstoffen bespannt. Die Polster der Sitzgruppe, mit Kedern abgenäht, sind angenehm straff und ergonomisch sauber ausgeformt. Das macht alles einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck.

Neu ist die runde Formensprache. Neu auch das "Raumbad", bei dem die Tür zugleich als Abtrennung für WC und Dusche fungiert. So bleibt der Zugang zur optionalen zweiten Achterkammer an Backbord frei, selbst wenn zeitgleich jemand das Örtchen aufsuchen muss. Neu das praktische Kleinteilefach am Niedergang. Alles gut durchdachte Details, mit denen die Marke ihren historischen Anspruch an Innovationsführerschaft untermauert.

Was die Dehler 38 so besonders macht

Diese Kontinuität ist den Verantwortlichen wichtig. Denn die Schließung des angestammten Werftstandorts in Freienohl und die Verlagerung von Dehler zur Hanse-Gruppe in Greifswald vergangenen Herbst hat manche Händler und Kunden irritiert. Die 38 soll jetzt den Beweis liefern, dass darunter weder Identität noch Qualität leiden. Und das tut sie auf überzeugende Weise. 

Eigentlich kein Wunder, ist sie doch das Projekt von Karl "Kalle" Dehler. Der ist schon seit 2004 für Hanseyachts als Entwicklungsingenieur tätig – und kann nach dem Standortwechsel jetzt das Erbe seines Vaters Willi Dehler fortführen. Er selbst hat auch schon eine 38er geordert. Vom Frühsommer an will er damit bei Regatten mitmischen. 

Technische Daten Dehler 38

Konstrukteur: Judel Vrolijk & Co
Länge über alles: 11,30 m
Länge Wasserlinie: 10,40 m
Breite: 3,75 m
Tiefgang: 2,00 m
Gewicht: 7,0 t
Genua (105 %): 35,6 qm
Groß: 43,7 qm
Preis: 153.510 Euro

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