Messe-Neuheiten Cannes, No. 1

Amel 50: Heimspiel für eine elegante Ausnahmeerscheinung

Grandioses Wetter, tolle Boote, viele Besucher: Die größte schwimmende Bootsmesse im Mittelmeer setzt erneut Maßstäbe – zumindest im gehobenen Segment

Jochen Rieker am 15.09.2017
Premiere der Amel 50 auf dem Yachting Festival Cannes 2017
YACHT/J. Rieker

Das Yachting Festival wird seinem Namen einmal mehr gerecht. Ein Fest der Superlative findet derzeit in Cannes statt, und die Veranstalter betonen das – recht unbescheiden – bei jeder sich bietenden Gelegenheit. "Le plus grand salon nautique" nennen sie ihre Messe, wahlweise auch "The Ultimate Rendez-vous".

Tatsächlich trifft das in weiten Teilen zu. Immer mehr Superyachten riegeln die Piers ab, immer mehr Motorboote drängeln sich in den Vordergrund. Und bei den Segelschiffen sind 50 FUß so selbstverständlich wie an der Ostsee 35. Was einmal – lang, lang ist's her – als Gebrauchtbootmesse regionalen Zuschnitts begann, hat sich längst weit entfernt von einer Ausstellung für jedermann. 

Die einzige Weltpremiere im Segelsegment, die sich auch "normale" Besserverdiener leisten können, war die Grand Soleil 34 Performance, die wir in Kürze ausführlich vorstellen. Ansonsten rangiert fast alles, was neu ist, im Bereich um die 15 Meter. So auch die mit Spannung erwartete Amel 50, seit Langem die erste Slup der französischen Werft, die an der Côte d‘Azur zu Hause ist. 

Fotostrecke: Cannes 2017: Premieren-Fotos der Amel 50

Auch wenn sie von Weitem vertraut wirkt, sofern man vom fehlenden Besanmast absieht, auch wenn das tiefe, von einem fest verglasten Aufbau überspannte Cockpit typisch erscheint, vermag sie doch zu überraschen. Unter Deck nämlich erweist sie sich als Yacht mit Wow-Effekt.

Große Rumpffenster und Decksluken sowie viele mit weißem, gepolstertem Vinyl bespannte Flächen verleihen ihr einen sehr hellen, transparenten Charakter. Gleichzeitig sorgen dunkel gebeizte, tief glänzend lackierte Palisander-Furniere im Ausbau für ein ungewohnt elegantes Ambiente. Man wähnt sich eher in einer Pariser Boutique als auf einer Langfahrtyacht.

Die Vorstellung, mit nassem, von Salzwasser triefendem Ölzeug in den Salon zu poltern, grenzt hier fast an Blasphemie. Dabei werden die Yachten von Amel ja häufig auf Langfahrt genutzt. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass man überhaupt den Elementen ausgesetzt ist, denn Schutz und Wohlbefinden der Crew sind Kernelemente der Marke. Deshalb auch der gut abgeschirmte Steuerstand an Backbord, an dem selbst bei schwerem Wetter niemand nass wird.  

So steht das edle Ambiente durchaus nicht im Widerspruch zum Konzept der Amel 50. Es ist vielmehr ihr vielleicht schlagkräftigstes Verkaufsargument. Denn solche Noblesse auf einem durchaus kernigen Boot findet sich kaum irgendwo im Serienbau. Die Pantry im Durchgang zur sehr großzügigen Eignerkammer achtern ist auf See gut nutzbar, wenn man sich an die zwei nach Steuerbord abgewinkelten Stufen direkt neben dem Niedergang gewöhnt hat, die dorthin führen. 

Geradezu fürsorglich ist ein Sicherungsstab aus Edelstahl, mit dem die Schubladen gesichert werden können, die in einem zwischen Pantry und Sofa als Raumteiler vorgesehenen Schrank viel Stauraum bieten. Auch die kleinen Hocker, die das Sitzplatzangebot am Salontisch erweitern, lassen sich festsetzen. Da merkt man die Erfahrung und Detailverliebtheit der Werft.    

Gleichwohl gibt es durchaus Einschränkungen, über die sich Interessenten klar werden müssen. So fällt die Stockbett-Kabine an Steuerbord recht eng aus. Obendrein bietet sie, wie auch die Doppelkammer im Vorschiff, kaum Staumöglichkeiten. Das ist für ein 50-Fuß-Schiff eindeutig zu knapp – weshalb Interessenten erwägen sollten, die seitliche Zusatzkammer anders zu nutzen, sofern die Kojen nicht für Gäste benötigt werden.

Einen Besuch ist die Amel 50 aber allemal wert. Allein schon, um diese ganz eigene Welt unter Deck zu erleben – und die unglaublich gute akustische Entkoppelung, die entsteht, sobald man die gepolsterten Türen zur Vorschiffs- oder Eignerkammer schließt. 

Hier gibt es alle Informationen und technischen Daten zur Amel 50!   

Und hier eine Übersicht über die weiteren Premieren, die wir in den kommenden Tagen ausführlich vorstellen:

  • Grand Soleil 34 Performance – Wie fahrtentauglich ist der neue ORC-/IRC-Renner
  • Eleva The Fifty – Was die neue, extravagante Marke aus Italien auszeichnet
  • Jeanneau Sun Odyssey 490 – Wodurch sich das Top-Modell von der 440 abhebt 
  • Dufour 520 Grand Large – Was die umfangreiche Modellpflege gebracht hat
  • Grand Soleil 52 LC – Wie wandelbar die neue Fahrtenyacht von del Pardo ist
Jochen Rieker am 15.09.2017

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