Heiße Kiste

Agile 42: Kohle statt Käse!

Nordholland ist bekannt für Milchprodukte. Doch auch der Schiffbau dort hat Tradition. Die kulminiert jetzt in einer Carbonrakete von VMG Yachtbuilders

Alexander Worms am 31.03.2017
Agile 42
Werft

Auf Wunsch auch mit Pinne und zwei Ruderblättern: die Agile 42

Ein „zum Touren ausreichendes Interieur" kündigt die Werft an. Dieses könne man auch mit dem eigenen Innendesigner entwerfen, denn natürlich soll es, was den Komfort angeht, auf den 12,70 Meter Länge an wenig fehlen. Dennoch spielt das Thema Gewicht eine erhebliche Rolle, denn wer leichte Rümpfe baut, hat mehr Spielraum beim Interieur und ist trotzdem schnell unterwegs. 4.800 Kilogramm soll das Schiff mit einer eher einfachen Innenraumausführung wiegen, eine XP 44 bringt 8.700 Kilogramm auf die Waage. Baunummer 1 der Agile wird etwas schwerer, der Eigner wünscht Selbstwendefock, E-Winschen und Holzinterieur.

Agile 42

Der Rumpf im Bau. Glatte Oberflächen dank Vakuuminjektion

46 Prozent Ballastanteil bedeuten ein Kielgewicht von 2,2 Tonnen in 2,40 Meter Tiefe. Gepaart mit rund 100 Am-Wind-Quadratmetern, was einer Segeltragezahl von 5,9 entspricht, ist Power also kein Thema. Dafür sorgt übrigens auch der Name Simonis/Voogd – das Büro zeichnet für den Entwurf verantwortlich. Weitere optionale Merkmale: Ein Wasserballastsystem mit vier Tanks, je einer pro Seite für Up- und Downwind, angelehnt an das System in einem Open 40 und ein Antriebssystem von Oceanvolt, das ab zirka 5 Knoten auf Wunsch Energie aus dem Wasser einsammelt. So wird das Schiff energetisch selbstversorgend. 

Auf tieferen Kursen sorgt der lange Bugspriet, der teils in die Crashbox einfährt, und ein Gennaker von 185 Quadratmetern für mächtig Druck. Thema Bugspriet: Der feste Teil ist etwa einen Meter lang. An ihm wird der Code Zero gefahren. Soll der Gennaker hoch, können weitere 1,40 Meter ausgefahren werden. Dann stört auch das Vorstag bei der Halse kaum mehr.

Das schmale Vorschiff, ein leicht negativer Steven und das breite Heck sollten auch bei Erreichen der Rumpfgeschwindigkeit die Zahlen auf dem Display der Logge weiter steigen lassen. Die stehen seitlich neben dem außermittig platzierten Niedergang. Mastinstrumente gibt es nicht. „Die Agile ist eine Spaßmaschine, der Spaß hört aber für uns im Hafen nicht auf. Natürlich ist es schwierig, das Schiff nicht zu schwer werden zu lassen, aber Rohrkojen will ja auch keiner haben", so Tim van Daal, Werftchef von VMG. Im Innenraum dominiert also, je nach Kundenwunsch, ansehnliche Schlichtheit. Angeboten wird die Agile 42 ab 595.000,- Euro ohne Mehrwertsteuer.

VMG wurde erst vor wenigen Jahren gegründet und ging aus Zeeman Yachtbau hervor. Zum Portfolio der Enkhuizer gehört neben dem Bau von Carbon- und Customyachten auch die Reihe der Puffins, stäbige Tourenschiffe, häufig mit variablem Tiefgang. Doch auch den Puffins bläst VMG durch die wunschweise Abkehr vom Stahlbau hin zu einer modernen Compositbauweise neues Segelleben ein. So will sich die Werft einen Namen machen, als die Adresse für den hochwertigen Bau von Composityachten, egal ob aus Glas oder Kohle. Und egal ob 100 Prozent nach Kundenwunsch oder aus einer der werfteigenen Baureihen.

www.agileyachts.nl

Alexander Worms am 31.03.2017

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