Volvo Ocean Race

Team Sanya nimmt „Auszeit"

20.12.2011 Dieter Loibner, Fotos: Ian Roman/Volvo Ocean Race, Yann Riou/Groupama Sailing Team, Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race, Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing - Die Temperaturen steigen, der Passat weht, und die Favoriten geben sich vorn das Match, während Sanya dem Husarenritt Tribut zollen muss

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © Ian Roman/Volvo Ocean Race
Sanya, das einzige Schiff der vorletzten Generation, kommt auch bei der zweiten Etappe nicht ins Ziel. Das Speed-Defizit muss manchmal mit höherem Risiko erkauft werden

Sanya hat ein altes Boot und wenig Glück. Nach dem Kollisionsschaden, der das chinesische Team kurz nach dem Start der ersten Etappe zum Aufgeben gezwungen hatte, müssen sie nun mit defektem Rigg zum außerplanmäßigen Boxenstopp nach Madagaskar. Die Gewaltleistung der Bootsbauer, die dem havarierten Schiff in Kapstadt im Bugbereich eine neue Außenhaut verpasst hatten, bleibt somit unbelohnt. Bitter.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © Yann Riou/Groupama Sailing Team
Endlich Wind! Groupama nutzt die frische Brise auf der Außenbahn, um Boden gutzumachen

Dabei sah es nach dem Extremschlag gestern noch gut aus. Mike Sanderson und sein Team sind früher als alle anderen nach Norden gesegelt. Damit hatten sie hoch gepokert, doch die Rechnung schien zumindest vorerst aufzugehen: Mehr als 200 Meilen Vorsprung waren die Folge dieses gewagten Schachzugs. Doch die rauen Bedingungen, die den guten Wind begleiteten, forderten ihren Tribut mit einer gebrochenen D2-Verstagung. Nun schleppt sich Sanya Richtung Tolagnero an der madegassischen Südostküste, wo das Boot heute früh erwartet wird.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race
Schlafwagen Sanya: die Freiwache im Tropenkostüm. Hart gesegelt, Führung erkämpft und dann dem Defektteufel zum Opfer gefallen

„Alle haben ein Wunder vollbracht und uns nach der Kollision mit einem unbekannten Gegenstand für die zweite Etappe fitgemacht”, ließ Sanderson über die Pressestelle verlauten. „Jetzt mit defektem Rigg als Führende auszuscheiden ist eine Riesenenttäuschung. Doch ich verspreche: Beim dritten Teilstück sind wir wieder dabei.” Wie’s weitergeht, wird die Schadensbegutachtung ergeben. Laut Veranstalter muss Sanya den ersten Teil der zweiten Etappe, die wegen der Piratengefahr in einen sicheren, aber bisher unbekannten Hafen führt, aus eigener Kraft beenden, um Punkte gutgeschrieben zu bekommen. Es ist denkbar, dass Sanya den Schaden repariert, das erste Teilstück fertigsegelt und am Start zum zweiten Teilstück der dritten Etappe wieder ins Geschehen eingreift. Der Rest der Flotte macht derweil per Huckepacktransport den Abstecher zum Etappenziel nach Abu Dhabi. Für die nicht gesegelten Teilstücke und das Inport Race in Abu Dhabi würde Sanya laut Regeln jeweils die Punktezahl für den sechsten Platz bekommen.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing
Kleistern unterwegs: Die Durchführung des Schwerts auf Abu Dhabi wird mit Bordmitteln verarztet

Unterdessen ist nicht nur das Wetter heißer geworden, sondern auch der Kampf um die Führung. Puma hat in der Nacht Telefonica knapp von der Spitze verdrängt, doch Camper sitzt den Spaniern fast sprichwörtlich im Nacken. Auf der östlichen Außenbahn treten Franck Cammas und Groupama bei frischer und raumer Brise das Gaspedal durch und rauschen mit mehr als 20 Knoten an die Führenden heran. Nur Abu Dhabi, das eine defekten Schwertführung reparieren musste, hat den Anschluss etwas verloren. „Wir sind Letzte, wir attackieren, wir haben nichts zu verlieren und können kreativ sein”, sagt Navigator Jules Salter. „Daumen drücken, Ohren anlegen und das Boot irgendwo reinhauen ist manchmal effektiver, als alles ausführlich durchzudenken.” Na denn.

Freud und Leid auf dem Weg nach Norden

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