Volvo Ocean Race

Letzter Akt eines langen Stücks

01.07.2012 Dieter Loibner, Fotos: PAUL TODD/Volvo Ocean Race - Hält Groupama durch, ist ihr der Gesamtsieg sicher. Doch lange war Telefonica top, bis ein Bruch zur falschen Stunde alle Chancen raubte

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Sentimentale Helden: Telefonica, die lange dominierte, wurde am Schluss durch Bruch entscheidend zurückgeworfen

Neun Monate und neun Etappen. Bald ist dieses Volvo Ocean Race ebenso Geschichte, so wie die spektakulären, aber nicht immer standfesten VO70-Boote. Die Flotte hat die 550 Meilen der letzten See-Etappe in Angriff genommen und wird sich bis Galway ein Match auf Biegen und Brechen liefern, mit Ausnahme von Groupama , die eher auf Bewahrung des komfortablen 25-Punkte-Vorsprungs aus sein wird. Ein vierter Etappenplatz reicht schon für den Gesamtsieg, und das sollte eher Pflichtaufgabe denn Herausforderung sein, weil es ja nur gilt, die beiden schwachen Teams Abu Dhabi und Sanya in Schach zu halten. Für Puma, Camper und Telefonica geht es allerdings um den Rest des Podests.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Prozession: Groupma (M.) hält sich am Start nobel zurück, denn ein 4. Platz auf dieser Etappe reicht für den Gesamtsieg

Nach einer flotten Runde um den 6,5 Meilen langen Hafenkurs, bei dem es mit mehr als 20 Knoten zur Sache ging, machte sich die Flotte auf den Weg hinaus in den Atlantik. Nach den ersten Rennstunden hat die Flotte Belle Ile gerundet und Kurs abgesetzt auf den nächsten Wegepunkt, Fastnet Rock, der an Backbord bleibt. Telefonica war vorne weg, einen Hauch vor Camper, die einen Strafkringel drehen musste, Puma und Groupama, die damit im Soll sind.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Hoffung lebt: Camper, die sich oft selbst schlug, könnte noch Zweiter werden

Egal, wie dieses Rennen ausgeht, Telefonica war über weite Strecken das Team, das bei diesem Volvo Ocean Race die Akzente setzte, vor allem am Anfang, als sie die ersten drei Etappen hintereinander gewinnen konnte. Doch ein Hänger in den mittleren Teilstücken und konsistent schwache Vorstellungen bei den In-Port-Rennen verhinderten, dass die Sache zu früh entschieden war. Dies war schlecht für die Spanier, aber gut für die Zuschauer und vor allem für die Veranstalter, für die der Kommerz Priorität hat. Und dem ist nur mit Einschaltquoten gedient.

Volvo Ocean Race 2011/12
Fotograf: © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Die Letzten werden die Ersten sein: Abu Dhabi (Bild) war das schwächste neue Boot. Es wurde von Farr konstruiert, also jener Firma, die die neue Einheitsklasse fürs Volvo Ocean Race entwarf.

Doch wer erinnert sich nicht an Telefonicas Husarenstück am Horn, als die schlitzohrigen Spanier mit angeschlagenem Boot im Schutz einer Insel fast einen ganzen Tag Pause machten, um den Schlitten wieder auf Vordermann zu bringen, aber auch, um ein günstiges Wettersystem abzuwarten, mit dem sie nachher Hunderte Meilen auf die Führenden Puma und Groupama gutmachten. Im Ziel dieser spektakulären Königsetappe lagen sie gerade mal ein paar Minuten hinter Puma. Dennoch hielten sie sich sieben Etappen lang an der Spitze des Gesamtklassements, die sie erst in Lissabon an die immer stärker segelnden Franzosen abgeben mussten. 

Zusammenfassung Start 9. Etappe

Der letzte Nagel im Sarg der Siegeshoffnungen Telefonicas war dann der doppelte Ruderbruch auf der achten Etappe von Lissabon nach Lorient. Nach dem Bruch des ersten Ruders holten sie sich sofort die Führung wieder. Als das zweite Ruder bei einer schwierigen Halse wegbrach, hatten sie aber ihre Munition verschossen, retteten zwar immerhin noch Rang 5 ins Ziel, doch das war zu wenig, weil Hauptrivale Groupama den wahrscheinlich vorentscheidenden Sieg einfahren konnte. 

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