Volvo Ocean Race

Kontroverse um Preis für Seemannschaft

13.01.2012 Dieter Loibner, Fotos: Paul Todd/Volvo Ocean Race, Ian Roman/Volvo Ocean Race, Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race - Bisher hat Team Sanya keine Zielflagge gesehen, doch zwei Segler wurden für gute Seemannschaft ausgezeichnet. Zum Missfallen der Konkurrenz

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Fotograf: © Paul Todd/Volvo Ocean Race
Die Preisverleihung an Mike Sanderson

Andrew Cape, der Navigator des führenden Telefonica-Teams, habe gestern verärgert die Galafeier in Abu Dhabi verlassen, als Sanya-Skipper Mike Sanderson die Auszeichnung für hervorragende Seemannschaft für zwei seiner Segler, Richard Mason und Jared Henderson, entgegennahm. Das berichtet die englische Zeitung "The Telegraph".

Wie erinnerlich, wagte Team Sanya auf dem ersten Teilstück der zweiten Etappe einen riskanten Extremschlag nach Norden und setzte sich damit weit vom Feld ab. Es war eine fragwürdige taktische Entscheidung von Sanderson und seinem Taktiker Aksel Magdahl, die sie in die Nähe eines tropischen Sturms brachte. Der Preis für die zwischenzeitliche Führung war dann in der Tat sehr hoch: raue See, viel Wind und ein Schaden in der Verstagung, der das Team zwang, Madagaskar anzulaufen. Mason und Henderson mussten während der kritischen Momente in den Mast aufentern, um eine Notverstagung zu riggen, damit das Boot überhaupt den nächsten Hafen erreichen konnte.

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Fotograf: © Ian Roman/Volvo Ocean Race
Wenig erfreut: Andrew Cape, der australische Navigtor des führenden Telefonica-Teams, nahm an der Preisverleihung Anstoß

„Hätte ich meine Crew gefragt, ob sie damit einverstanden wären [zu dem Zeitpunkt nach Norden zu segeln, d. Red.], hätten sie mich ausgelacht”, sagte der erboste Cape. "Als ich sah, dass Sanya genau dies tat, dachte ich: ‚Viel Glück’. Eine Auszeichnung für Seemannschaft haben sie dafür nicht verdient.” Cape erhielt Schützenhilfe von seinem Landsmann Chris Nicholson, dem Skipper des neuseeländischen Camper-Teams. „Als Skipper müssen wir das Risiko für unsere Mannschaft minimieren, weil es in diesem Rennen ohnehin schon hoch genug ist", erklärte er. „Ich würde niemals eine navigatorische Entscheidung treffen, um dafür einen Preis für Seemannschaft einzuheimsen. No way. Die Sicherheit der Crew ist oberstes Gebot. Wir zogen diese taktische Entscheidung ebenfalls in Erwägung, doch haben sie verworfen.”

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Fotograf: © Paul Todd/Volvo Ocean Race
Preisträger: Jared Henderson von Sanya beim Pro-Am Race in Kapstadt

Der Preis, der von einer Jury verliehen wurde, die aus VOR-Offiziellen bestand, wurde an Mason und Henderson für ihre „einfallsreiche Aktion" vergeben. „Unter sehr schwierigen Bedingungen haben Richard und Jared eine behelfsmäßige Reparatur im Rigg durchführen können, die einen defekten Teil der Verstagung ersetzte und so dem Mast die nötige Stabilität gab, um damit Madagaskar zu erreichen", erklärte Sanderson. Damit haben sie nicht nur den dritten Mastbruch dieser Regatta verhindert, sondern auch Team Sanya vor der Blamage bewahrt, wieder an Deck eines Frachters weiterzureisen. Wäre ja peinlich, bei der Ankunft im eigenen Hafen, im chinesischen Sanya, wo die dritte Etappe ihr Ziel hat.

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Fotograf: © Andres Soriano/Team Sanya/Volvo Ocean Race
Preisträger: Richard Mason in der Navi an Bord von Team Sanya

Wird die ganze Angelegenheit nur unnötig aufgebauscht? Ist sie ein Symptom der wachsenden Frustration der Segler mit einem skurrilen Event? Oder doch nur ein Sturm im Wasserglas? Heute ab 11 Uhr  wird die Sache wohl vergessen sein, wenn das In-Port Race in Abu Dhabi gestartet wird. Morgen Samstag, ebenfalls um 11 Uhr, erfolgt der Start zum ersten Teil der dritten Etappe, den man auch den Sprint zum Frachter nennen könnte, auf den die Boote, wie berichtet, zum Weitertransport an einen sicheren, aber unbekannten Ort im Indischen Ozean verladen werden, wo die mittlerweile reparierte Sanya wieder zur Flotte stoßen soll. 

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