Vendée Globe

Die schnellste Vendée aller Zeiten?

04.12.2012 Andreas Fritsch, Fotos: J.M. Liot/Vendee/Teams - Armel Le Cléac'h schafft die Strecke von Les Sables zum Kap der Guten Hoffnung in neuer Rekordzeit. Die Skipper schenken sich nichts

Vendee
Fotograf: © J.M. Liot/Vendee/Teams

Neuer Rekordhalter: "Banque Populaire"

Das Tempo steigt: Hinkte das Feld der Open 60s bei der Überquerung der ersten großen Wegmarke, des Äquators, noch der bestehenden Bestmarke hinterher, so ist der Vorsprung am Kap der Guten Hoffnung schon deutlich angewachsen. 22 Tage, 23 Stunden und 48 Minuten brauchte der führende Armel Le Cléac’h ("Banque Populaire") für die Landmarke an der Spitze Afrikas. Damit unterbot er die bisherige Bestmarke von Vicent Riou aus dem Jahr 2004 um mehr als einen Tag.

Kein Zweifel, das Tempo ist hoch, was auch daran liegt, dass sich die Spitze des Feldes seit einigen Tagen in einem heftigen Speed-Duell beharkt. Mehrmals wechselte die Führung zwischen Armel Le Cléac’h, Jean-Piere Dick (Paprec-Virbac 3") und François Gabart ("Macif"). Das Führungstrio segelte nach rund 22 Tagen teils im Abstand von einer halben Stunde durch das Eis-Gate kurz vor dem Kap der Guten Hoffnung.

Vendee
Fotograf: © J.M. Liot/Vendee/Teams

Das Stand des Rennens heute morgen

Was das für die Skipper bedeutet, berichtete der Schweizer Bernard Stamm von Bord seiner "Cheminées Poujoulat", der zurzeit mächtig aufs Gas drückt, um wieder an das Führungstrio heranzukommen – was ihm auch gelang, sein Rückstand beträgt nur noch 70 Seemeilen, auf den dritten Platz sogar nur 20. 

"Eine ruhelose Nacht auf ‘Cheminées Poujoulat‘. Rau und nass. 20 bis 28 Knoten Wind, sehr wechselhaft, aber es ist wundervoll, und ich bin glücklich. Gestern war der Seegang sehr schwierig, viele Kreuzseen, dann plötzlich ein total konfuses Wellenbild. Raumschots macht das Boot ziemlich eindrucksvolle Sprünge über die Wellen und kracht dann hart in die Täler und die nächste Welle. Der Lärm an Bord stört sehr. Dann wurde es aber langsam besser. Das Boot donnert aber immer noch in die Wellen, die Wassermassen schießen über das Deck und ins Cockpit."

Man darf gespannt sein, wie das harte Rennen um die Führung dem Material bekommt, bei der letzten Vendée kam eine zweite Welle der Ausfälle, als die Skipper im Southern Ocean begannen, sich gegenseitig ans Limit zu pushen. Reichlich Masten kamen von oben (unter anderem Mike Golding, Loïck Peyron). Golding berichetet heute Morgen von zwei heftigen Sonnenschüssen, die er gestern hinlegte. Jetzt ist auch die andere Seite eines guten Skippers gefragt: Er muss auch wissen, wann es an der Zeit ist, das Material zu schonen, denn noch ist nicht einmal ein Drittel der Wegstrecke geschafft …

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