Vendée Globe

Dicks atlantischer Drahtseilakt

31.01.2013 Tatjana Pokorny, Fotos: J.-M. Liot/DPPI/Vendée, Y. Zedda / Virbac-Paprec Sailng Team, Jean Marie Liot/DPPI/Vendée Globe - Kiellos vor San Ciprian: Solosegler Jean-Pierre Dick wartet im Sturmversteck vor Nordspanien auf seine Chance, das Rennen beenden zu können

virbac
Fotograf: © J.-M. Liot/DPPI/Vendée
"Virbac Paprec 3"-Skipper Jean-Pierre Dick kämpft um seine Chance, die Vendée Globe beenden zu können

Jean-Pierre Dick gibt nicht auf. Der französische Solosegler – nach dem Verlust seiner Kielbombe südlich der Azoren schon eine Woche lang und über 2.000 Seemeilen im Ausnahmezustand unterwegs – wartet in der Bucht von San Ciprian an der nordspanischen Küste auf besseres Wetter. Erst am Wochenende will sich Dick in die Biskaya wagen, die schon Alex Thomson bei dessen Finalsprint mit stürmischen Winden von bis zu 50 Knoten auf eine letzte harte Probe gestellt hatte, bevor sich der Brite den dritten Podiumsplatz sichern konnte.

Jean-Pierre Dick und sein Konkurrent, der Albatross
Fotograf: © Y. Zedda / Virbac-Paprec Sailng Team
Würde jetzt am liebsten dem Ziel entgegenfliegen wie ein Albatross: Jean-Pierre Dick

Für Dick geht es nun nicht mehr um ein Top-Drei-Resultat – seine größte Herausforderung besteht darin, das Rennen überhaupt zu Ende zu bringen. Der 47-Jährige, den sie in Frankreich den "Gentleman-Segler" nennen, sagte: "Ich will dieses Rennen beenden und auf ein Abenteuer zurückblicken können. Ich wollte das gelbe Trikot tragen, bekam aber das mit den Punkten für den besten Kletterer. Ich wollte die Surfs genießen und muss stattdessen diesen stressigen Hochseilakt absolvieren. Es ist mein Ziel, die Vendée Globe zu beenden. Was für eine Freude wird es sein, diese Linie zu kreuzen!"

Jean-Pierre Dick muss seine 18,28 Meter lange und 5,70 breite "Virbac Paprec 3" mit der verbliebenen stählernen Kielfinne, aber ohne die verlorene tonnenschwere Kielbombe wie ein Dingi bändigen. Die Kentergefahr für den Kiellosen ist hoch. Weil für die Biskaya heute und am Freitag noch einmal sehr stürmische Winde vorhergesagt sind, bevor Wind und Wellen am 2. Februar ein wenig abnehmen sollen, will sich Dick erst am Wochenende den Herausforderungen im berüchtigten Atlantik-Golf zwischen Galizien und der Bretagne stellen.

Dick
Fotograf: © Jean Marie Liot/DPPI/Vendée Globe
Zu diesem Zeitpunkt noch mit Kielbombe unterwegs: Jean-Pierre Dick und seine "Virbac Paprec 3"

Wird die Entscheidung zur Weiterfahrt gefallen sein, muss er sich beeilen, denn das nächste Sturmtief lauert schon. Rund 290 Seemeilen stehen dem in der Einhandszene sehr beliebten und humorvollen Mann aus Larmor-Plage in der Bretagne noch bevor. Es werden lange und bange Meilen sein.

Ob Jean-Pierre Dick mit seinem Notfallplan den vierten Platz halten kann oder die dichtesten Verfolger Jean Le Cam und Mike Golding ihn doch noch einholen können, wird sich erweisen. Am Donnerstagmorgen segelten Le Cams "SynerCiel" mit knapp 16 und Goldings "Gamesa" mit 14 Knoten dem Ziel entgegen. Das Duo hatte am Donnerstagmorgen noch rund 1300 Seemeilen Rückstand auf Jean-Pierre Dick und 1600 Seemeilen bis ins Ziel zu absolvieren. Es könnte also noch einmal richtig spannend werden und möglicherweise sogar einen ungleichen Dreikampf um Platz vier mit besseren Chancen für die Verfolger geben.

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