Olympia 2012

Sind aller guten Dinge zwei?

31.07.2012 Tatjana Pokorny, Fotos: okpress/Kieler Woche, tati - Am dritten Tag der Regatta steigen die RS:X-Surfer ein. Zum Auftakt serviert das Olympiarevier Toni Wilhelms "Leibspeise": Wind satt

Kieler Woche
Fotograf: © okpress/Kieler Woche

Ab heute greift Toni Wilhelm vor Weymouth an: Nach Platz 30 bei den Olympischen Spielen 2004 hat er dieses Mal höhere Ziele

Toni Wilhelm ist ein Optimist. Der RS:X-Surfer aus Dogern hatte vor Beginn der Olympischen Spiele auf drei Medaillen für die junge deutsche Segelmannschaft getippt. Eine davon soll ihm gehören. Nach verpatzter Olympiapremiere und Platz 30 vor acht Jahren in Athen will der 29-Jährige im zweiten Anlauf vor Weymouth nach Edelmetall greifen. Dieses Mal zählt der einzige olympiaerfahrene Starter der DSV-Segelflotte zum erweiterten Favoritenkreis und sagt: "Ich will um eine Medaille kämpfen."

Toni Wilhelm
Fotograf: © tati

Gute Stimmung im Team: Toni Wilhelm mit den 470er-Seglerinnen Kathrin Kadelbach und Rieke Belcher

Bei der Eröffnungsfeier liefen dem Mann vom Württembergischen Yacht-Club „ständig kalte Schauer über den Rücken". "Es war viel toller als 2004", sagt Wilhelm, "vielleicht auch deshalb, weil dieses Mal so gute Stimmung bei uns im Team herrscht". Im Stadion-Rund konnte Wilhelm amüsiert beobachten, "dass es auch unter Sportlern Hierarchien gibt". Er fand es witzig, "wie sich unbekanntere Athleten an die Superstars heranschlichen, um ein gemeinsames Foto mit ihnen zu erhaschen".

"Der schönste Sport der Welt"

Ein begeistert surfender Vater und ein Urlaub am Gardasee haben den im Dreiländereck in Baden-Württemberg aufgewachsenen Leistungssportler im Alter von acht Jahren aufs Brett und in Wind und Wellen gelockt. Seit zehn Jahren ist mit Toni Wilhelm ein "Südlicht" Deutschlands Nummer 1 im olympischen Surfsport. Wilhelms Motoren sind Leidenschaft und Ehrgeiz: "Ich empfinde es als Privileg, den schönsten Sport der Welt ausüben zu dürfen." Ganz im Stile seiner Vorbilder Dirk Nowitzki und Roger Federer nennt auch Wilhelm seine Willensstärke als beste Waffe.

Die Pleite bei seiner olympischen Premiere in Athen hat der 1,82 Meter große und 76 Kilogramm schwere Athlet längst verarbeitet. "Ich hatte damals den Gewichtswahn übertrieben, mich mit Blick auf das Leichtwindrevier auf 72 Kilogramm heruntergehungert. Dazu kam die Nervosität", erinnert er sich. "Dieses Mal werde ich den Fokus wahren, mich nicht in Sachen Material verrückt machen lassen und genießen, wofür ich mir viele Jahre den Hintern aufgerissen habe."

Die Freundin als Ruhepool

Seine Schweizer Freundin Anne-Sophie Thilo, 2008 als 470er-Seglerin selbst Olympionikin, wird Wilhelm ab dem 4. August vor Ort die Daumen drücken. "Sie ist mein Ruhepol und wird mir gut tun", sagt Wilhelm, der heute wie seine Teamkameradin Moana Delle aus Kiel in die olympische Regatta einsteigt und am 7. August im Medaillenfinale der besten zehn olympischen RS:X-Surfer stehen will. Seine frühere Leichtwind-Schwäche hat Wilhelm überwunden. Eine ganze flaue Woche wünscht sich das Starkwind-Ass in den anspruchsvollen englischen Stromgewässern trotzdem nicht. Zum Auftakt serviert das Olympiarevier Wilhelms "Leibspeise": anfangs 30 Knoten Wind, die bis zum Nachmittag auf 20 Knoten abnehmen sollen.

Nach dem Rückschlag durch eine Schulterverletzung im vergangenen Jahr hat sich Wilhelm in dieser Saison in die Weltspitze zurückgekämpft und mit Platz drei beim Weltcup vor Hyères seine Medaillenansprüche unterstrichen. Wilhelm ist weiser geworden und blickt seinem zweiten Einsatz mit sicht- und hörbarer echter Freude entgegen: „Wie viele Menschen würden Millionen dafür zahlen, einmal die Nervosität eines Olympiastarts erleben zu dürfen?" 

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