Segeln olympisch

WM-Bronze geht nach Berlin

15.02.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Olli, Edney/EdneyAP - Bronze für Victoria Jurczok und Anika Lorenz – es ist die erste WM-Medaille für deutsche Seglerinnen in der neuen Olympiadisziplin 49erFX

WM 49erFX
Fotograf: © Olli

Überglücklich nach Rang vier im Medaillenrennen und WM-Bronze: Steuerfrau Victoria Jurczok (l.) und Vorschoterin Anika Lorenz

Im ersten Telefonat mit YACHT online kurz nach dem Zieldurchgang waren Victoria Jurczok und Anika Lorenz noch gar nicht sicher, ob ihr vierter Rang im Finale tatsächlich zu einer Medaille gereicht hatte. Wirklich? Oder doch nicht? Gemeinsam mit ihrem Trainer Max Groy rechneten sie im Coach-Boot fieberhaft die eben eingefahrenen Ergebnisse aller Teams mit den vorherigen Punktständen zusammen. Und kamen schließlich auf dasselbe Ergebnis, was die offiziellen Listen Minuten später anzeigten: Mit einem Punkt Vorsprung vor den Niederländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz hatten sich die Berlinerinnen, die als Fünfte ins Medaillenfinale gestartet waren, noch auf den Bronzerang katapultiert. Während die italienischen Titelverteidigerinnen Giulia Conti und Francesca Clapcich im Finale in einem Windloch steckengeblieben waren und auch die brasilianischen Ex-Weltmeisterinnen Martine Grael und Kahena Kunze nicht über Platz acht hinauskamen, reichte der mit guter Positionierung im Flautenpoker auf den letzten paar hundert Metern bis ins Ziel erkämpfte vierte Rang im Medaillenrennen zur ersehnten und verdienten Medaille.

WM 49erFX
Fotograf: © Olli

Happy End einer spannenden WM-Woche: Trainer Max Groy und die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz jubeln über Bronze

"Das ist der Wahnsinn", sagte Trainer Max Groy wenige Minuten nach dem Happy End für seine Schützlinge, "wir sind alle noch ganz sprachlos." Steuerfrau Victoria "Püppi" Jurcok hatte vor der Regatta gesagt, sie wolle sich nicht dem Druck der bei der WM laufenden nationalen Ausscheidung um die Olympia-Fahrkarte unterwerfen. Sie wolle einfach nur die bestmögliche Regatta segeln und Freude daran haben. Während der WM-Serie nahm diese Freude am Regattasegeln beständig zu. Auch wenn zwei fulminanten Wettfahrtsiegen für die leichteste Mannschaft der Top 20 ein schwerer Tag mit mäßigen Ergebnissen in starkem Wellengang folgte, verlor die Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee ihren Spaß am Segeln nie. "Wir waren eigentlich ganz entspannt unterwegs", erzählte Anika Lorenz. Vor dem Finale sagte Jurczok dann zu ihrem Trainer: "Jetzt will ich auch diese Medaille." Sie war nach WM-Platz fünf in Santander 2014 und verlässlich guten Platzierungen bei großen Anlässen fällig und bestätigte, was Jurczok selbst immer wieder sagt: "Zu unseren großen Stärken zählt, dass wir dann gut sind, wenn es zählt. Wir haben hier alles erreicht, was wir wollten."

WM 49er, 49erFX, Nacra 17
Fotograf: © Edney/EdneyAP

Die deutsche Segelnummer 55 scheint durch das dänische 49erFX-Segel durch: Mit diesem Boot segelten Victoria Jurczok und Anika Lorenz zu Bronze

Ihren Vorsprung in der laufenden Olympia-Ausscheidung haben die beiden Sportsoldatinnen mit WM-Bronze und den dafür verdienten 25 Punkten ausgebaut. Mit insgesamt 39 Zählern auf dem Qualifikationsskonto dominieren sie die nationale Konkurrenz. Ihre Rivalinnen Tina Lutz und Suann Beucke haben mit Rang drei im Medaillenfinale als WM-Neunte zwölf Punkte für ihr Ausscheidungskonto ersegelt, aber vor der letzten Ausscheidungsregatta im Rahmen des spanischen Klassikers Trofeo Princesa Sofía vor Palma de Mallorca mit insgesamt 19 Punkten bereits 20 Zähler Rückstand auf Jurczok/Lorenz. Leonie Meyer und Elena Stoffers vom Norddeutschen Regatta Verein konnten bei der WM als 21. ebenso wenig für die Ausscheidung punkten wie die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge auf WM-Platz 30. 

Für die 49er-Männer war die WM keine Ausscheidungsregatta. Erik Heil und Thomas Plößel aus Berlin zählen als WM-Achte weiterhin verlässlich zu den Top Ten der 49er-Elite. Die Crew vom Norddeutschen Regatta Verein ersegelte im Medaillenrennen Platz acht. Auch ihren Kieler Trainingspartnern und Freunden, den amtierenden Europameistern Justus Schmidt und Max Boehme, fehlte es nicht an Glanz, aber ein wenig an Konstanz. Sie hatten die Vorrunde verpatzt, im Zwischenspurt zwei fulminante Tagessiege eingefahren, zweimal Peter Burling und Blair Tuke abgemeldet und mitreißende Leistungen gezeigt, verpassten aber am Ende der WM-Woche den Sprung ins Medaillenfinale der besten zehn Teams doch knapp. 

WM-Gold sicherten sich die neuseeländischen Überflieger Peter Burling und Blair Tuke vor den Österreichern Nico Delle Karth und Nikolaus Resch sowie den Briten Dylan Fletcher-Scott und Alain Sign. Burling und Tuke hatten ihr viertes WM-Gold schon sicher, als noch eine Wettfahrt der Goldflotte und das Medaillenrennen ausstanden und ließen die Konkurrenz damit ein wenig ratlos zurück. Die Kiwis sind seit 23 großen Regatten in Folge ungeschlagen. Seit sie Silber bei den Olympischen Spielen 2012 gewannen, haben sie durchweg erste Plätze im 49er eingefahren. Damit sind die Weltsegler des Jahres 2015 die unumstrittenen Favoriten für die Olympischen Spiele in diesem Jahr. Bei den 49erFX-Frauen gewannen die Spanierinnen Tamara Echegoyen (Matchrace-Olympiasiegerin 2012) und Berta Betanzas vor den Däninnen Maiken Foght Schütt und Anne-Julie Schütt. Im Nacra 17 setzten sich wie im 49er die französischen Top-Favoriten und Titelverteidiger Billy Besson und Marie Riou vor den Dänen Allan Norregaard und Anette Andreasen sowie Vittorio Bissarro und Silvia Secouri aus Italien durch. Die Österreicher Thomas Zajak und Tanja Frank verspielten ihre Chancen auf WM-Bronze durch eigene taktische Fehler im Medaillenrennen und wurden Vierte.

WM 49erFX
Fotograf: © Olli

Wer soll die seit 23 Regatten ungeschlagenen alten und neuen Weltmeister in Rio besiegen? Die Neuseeländer Peter Burling und Blair Tuke holten sich den vierten WM-Titel in Folge

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