Segeln olympisch

Ein grandioses Jahr für den Leitwolf

26.12.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: SailingEnergy/Pedro Martinez, Thom Touw/Sailing Aarhus, onEdition, Team Buhl, Kalle Raeda, Mark Lloyd/Oman Sail - Philipp Buhl ist nicht nur Aktivensprecher der deutschen Olympiasegler. Der nimmermüde Kämpfer zählt zu den großen Hoffnungsträgern für 2016

Testregatta Rio 2015
Fotograf: © SailingEnergy/Pedro Martinez

Laser-Steuermann Philipp Buhl im Olympiarevier von Rio de Janeiro

Er ist am 19. Dezember 26 Jahre alt geworden und steuert das Segeljahr seines Lebens an: Philipp Buhl führt die deutsche Segelnationalmannschaft Sailing Team Germany in das Olympiajahr 2016. Sein eigenes Sportjahr 2015 schließt der Allgäuer aus Sonthofen auch laut DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner "mit herausragender Bilanz" ab.

Testregatta Rio 2015
Fotograf: © SailingEnergy/Pedro Martinez

Hat eine olympische Medaille im Visier: Philipp Buhl probt im Olympiarevier für den Ernstfall

"Es war ein grandioses Jahr", sagt sogar der für seine Bescheidenheit bekannte Buhl und blickt dabei nicht nur auf WM-Silber und EM-Silber zurück. Auch zwei Siege bei Weltcup-Regatten zieren die Bilanz des Aktivensprechers der deutschen Olympiasegler. Buhl hat ein Jahr vor den Olympischen Spielen geliefert und geht mit dem Jahreswechsel auf die Zielgerade des Olympiazyklus, an dessen Ende er sich bei der olympischen Regatta im August vor Rio de Janeiro nichts sehnlicher wünscht als eine Medaille. Dieser Medaillentraum ist der Antrieb für alle Mühen, hartes Training und seine so große Leidenschaft für den olympischen Regattasport.

Laser WM 2015
Fotograf: © Thom Touw/Sailing Aarhus

Duell zwischen dem Niederländer Rutger van Schaardenburg und Philipp Buhl: so könnte es auch im August vor Rio im Kampf um die Medaillen zur Sache gehen

Dass Philipp Buhl im Herbst seinen langjährigen Hauptsponsor Veolia verloren hat, kam so unverdient wie überraschend. Auf Nachfrage von YACHT online lobte das Unternehmen Philipp Buhl als erfolgreichen Segler und Botschafter explizit, begründete den Ausstieg zur Unzeit aber mit einer Neuorientierung der eigenen Sponsoring-Aktivitäten. Buhl muss nun ausgerechnet im Jahr des ins Visier genommenen olympischen Gipfelsturms ohne die Unterstützung Veolias auskommen. Dass er trotz dieses Rückschlages kein böses Wort über den auf der Zielgeraden schwächelnden Ex-Partner verliert, spricht für den Sonthofener, der im Segelclub Alpsee-Immenstadt groß geworden ist und sich in den vergangenen zwei Jahren in die Weltspitze der Lasersegler vorgearbeitet hat.

Buhl hat in diesem Jahr gelacht und geweint, gejubelt und gehadert, erfolgreich seine Rückenprobleme bekämpft, geackert, gehofft und gewonnen. Das Hamburger "Nein" zu Olympia hat den Vollblutathleten tief getroffen und zu einem vielbeachteten Kommentar zur Stellung des Leistungssports in der deutschen Gesellschaft unter dem Titel "Deutschland, was ist los mit Dir?" motiviert. Hier kann dieser noch einmal nachgelesen werden.

Philipp Buhl Isaf Weltcup Weymouth 2015
Fotograf: © onEdition

Eins mit seinem Laser: Philipp Buhl ist schnell unterwegs

Philipp Buhl ist kein Lautsprecher, aber ein offener Fürsprecher für den Leistungssport. Er ist ein vorbildlicher Fairplayer, räumt regelmäßig ein, wenn andere besser waren als er. So schickte er dem in der holländischen Olympiaqualifikation knapp unterlegenen Weltmeister Nicholas Heiner nach dessen zerplatzten Olympiaträumen umgehend eine Aufmunterung via Facebook: "Never stop fighting, Nicholas Heiner! Du bist ein fantastischer Segler und warst schon Weltmeister in der Laserklasse. Es gibt davon nicht viele..."

Isaf Sailing World Cup Miami
Fotograf: © Team Buhl

Humor hat Buhl oftmals auch in engen Situationen. Die hier gezeigte zwei waren bei WM und EM im Jahr 2015 die herausragenden Ergebnisse in großen Weltklassefeldern

Dass im ausklingenden Jahr weitere deutsche Leistungssegler mit Weltklasseleistungen glänzen konnten, begrüßt der Laser-Steuermann Buhl ausdrücklich: "Es ist gut für uns alle, wenn der Kreis unserer Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele größer wird." An das Olympiarevier hat sich Buhl in mehreren Trainingslagern gewöhnt, es aber noch nicht nach Wunsch im Griff. Divenartig fordert dieses von komplizierten Strömungsverhältnissen und schwerst berechenbaren Winden geprägte Revier die Segler immer wieder neu heraus. "Es geht vor Rio viel um die eigene Erfahrung, das Sehen und Fühlen", sagt Buhl, "wir sind im März mit einer internationalen Trainingsgruppe wieder da. Auf diese Weise kann man sich die besten Aufschlüsse erarbeiten. Also, wenn du 20 gute Leute dabei hast und nicht nur angleichst, sondern viele Wettfahrten unter möglichst echten Bedingungen segelst."

Isaf Sailing World Cup
Fotograf: © Team Buhl

Lust auf Leistungssport: Philipp Buhl gilt als vorbildlicher Athlet

Die nicht endende Debatte über die mangelhafte Wasserqualität des Olympiareviers lässt Buhl möglichst nicht zu nah an sich heran. "Für mich ist klar: Das Wasser ist saudreckig. Es ist dreckig und stinkt. Bei Flut sind die Bedingungen einigermaßen akzeptabel. Draußen in der Bucht geht es, in der Marina da Gloria eigentlich nicht. Ich bin bislang gesund geblieben und hoffe, dass es so bleibt. Dafür unternehme ich alles in meiner Macht Stehende." Buhl hat Hepatitis-Impfungen hinter sich gebracht und versucht wie seine Teamkameraden und Gegner, möglichst kein Wasser zu schlucken. Der Blick auf manch ein Action-Foto beweist, dass dieser Vorsatz im Einsatz kaum durchführbar ist. Nach jedem Segeleinsatz waschen sich die Segler gründlichst. Die deutschen Coach-Boote sind vor Rio mit Süßwasserduschen ausgestattet, sodass ein Abduschen jederzeit auch zwischen den Rennen möglich ist. Vor jedem Trinken aus sorgfältig gereinigten Flaschen spült sich Buhl den Mund aus. 

Philipp Buhl startet mit "einer Mischung aus Vorfreude, wachsender Anspannung und auch ein bisschen Nervosität" in das Jahr 2016, das seines werden soll. Buhl sagt: "Ich weiß, dass ich etwas Großartiges machen will. Und eine Olympiamedaille, das wäre schon cool!" Im Laser ist der Favoritenkreis besonders groß. Nach Buhls Ansicht können etwa neun oder zehn Steuerleute in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Dazu gehören neben anderen der brasilianische Altmeister, Olympiasieger und neunmalige Laser-Weltmeister Robert Scheidt, der britische Weltmeister Nick Thompson, der schnelle australische Weltranglisten-Erste Tom Burton, der Zypriot Pavlos Kontides, der Kroate Tonci Stipanovic, der Neuseeländer Andy Maloney, der Niederländer Rutger van Schaardenburg, der Schwede Jesper Stalheim und der Franzose Jean Baptiste Bernaz. Buhl selbst zählt als Weltranglisten-Fünfter ebenfalls dazu. Bundestrainer Thomas Piesker begleitet Philipp Buhl vor Rio auch auf dem Wasser. Vater Friedl Buhl wird als Unterstützer vor Ort sein.

Duell Scheidt vs. Buhl
Fotograf: © Kalle Raeda

Robert Scheidt im Duell mit Philipp Buhl – auch diese Szene könnte sich bei der olympischen Regatta vor Rio im August 2016 wieder so abspielen

Die Medaille will Buhl "im Prinzip so sehr, als wären es meine letzten Olympischen Spiele, obwohl das nicht unbedingt so sein muss". Er weiß: "Es ist ein richtig guter Zeitpunkt. Ich bin fit. Aber das gilt natürlich auch für viele andere. Doch mental tun sich andere vielleicht schwerer als ich. Ich bin normalerweise mental stark und glaube daran, dass ich das auch im August sein kann." Der auffallend gute Teamgeist im Sailing Team Germany macht dem DSV-Star zusätzlich gute Laune: "Die Stimmung ist krass cool, klassenübergreifend sehr gut. Ich freue mich sehr, dass der Kreis der Hoffnungsträger angewachsen ist. Gerade dieser Gedanke, dass nicht alle nur auf ein oder zwei Teams schauen, sondern die deutschen Segler insgesamt etwas wert sind, der macht mir viel Spaß." Wer Buhl kennt, weiß, dass dieser Spaß sein wichtigster Antrieb ist.

Laser Weltmeisterschaft 2013 Oman
Fotograf: © Mark Lloyd/Oman Sail

Mit Bronze gewann Philipp Buhl seine erste WM-Medaille 2013 im Oman und konnte es kaum fassen. Seitdem ging es immer weiter bergauf. Nun kann die olympische Regatta kommen

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