Olympia-Ausscheidung
Zwei London-Tickets sind sicher
Ihre Ergebnisse bei der Weltmeisterschaft in Australien lassen einiges zu wünschen übrig. Am meisten ärgern sie sich selbst über die mageren Resultate und ihre verpassten Chancen. Dennoch haben RS:X-Surferin Moana Delle und Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz zur Halbzeit der Titelkämpfe in Australien allen Grund zur Freude.
Die Surferin und die Einhandseglerin haben als erste DSV-Athleten alle Bedingungen zur Teilnahme an den Olympischen Spielen erfüllt und sind national nicht mehr zu gefährden. Der Vorschlag zur Nominierung durch den Deutschen Segler-Verband (DSV) und die Nominierung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stehen zwar noch aus, doch rechnerisch haben beide Athletinnen alle Hürden auf dem Weg in Olypiarevier Weymouth genommen.
Während Moana Delle in Australien keine nationale Konkurrentin zu fürchten und nur das DOSB-Nominierungskriterium und die Nationenqualifikation zu erfüllen hatte, musste Goltz darüber hinaus bei ihrem verpatztem WM-Auftritt plötzlich ihre anfangs überraschend stark segelnde Konkurrentin Lisa Fasselt aus Essen im Blick behalten. Die aber hätte bei der WM mindestens Sechste werden müssen, um Franziska Goltz – bei der WM ohne Punkte für die Ausscheidung – noch abzufangen. Als Achtzehnte nach acht Wettfahrten und mit 34 Punkten Rückstand auf Platz zehn kann Fasselt das erhoffte kleine Wunder in den letzten beiden Rennen jedoch nicht mehr vollbringen.
Nachdem Goltz im Rahmen der insgesamt drei Ausscheidungsregatten die besseren Ergebnisse erzielt hatte, vor allem bei der Kieler Woche mit Platz vier sowie bei der Sail-for-Gold-Regatta im Olympiarevier mit Platz zehn in den entscheidenden Regatten gepunktet hatte, kam Fasselts Parade zu spät und zu schwach. Goltz hat die Bugspitze in der nationalen Endabrechnung vorn, segelte in der DSV-internen Bewertung der drei Ausscheidungsregatten unter die besten zehn Nationen (DOSB-Kriterium) und hat vor Perth trotz mäßiger Platzierung einen der 29 ausgelobten olympischen Nationenstartplätze für die Disziplin Laser Radial selbst gesichert.
Die finalen Entscheidungen über die Vergabe der Olympiafahrkarten in den Disziplinen 470er Männer und Finn Dinghy fallen erst am Wochenende. Doch schon jetzt ist klar, dass sich die deutschen Crews deutlich werden steigern müssen, wenn sie im kommenden Jahr nicht nur Olympiastarter, sondern auch ernsthafte Medaillenkandidaten sein wollen. Die sportliche Halbzeitbilanz bei der Segel-WM in Australien fällt bescheiden aus: Nach sechs Wettfahrttagen herrscht Ernüchterung im deutschen Lager. Nur Silke Hahlbrocks Hamburger Matchrace-Team segelte erfolgreich durch die Vorrunde und kämpft ab Samstag in der Zwischenrunde um den Einzug in die Finalduelle.
Dem schlechten Donnerstag folgte ein flauer Freitag: Während sämtliche Damen in den Disziplinen Matchrace, Laser Radial und RS:X pausierten, mühten sich die Männer ohne Erfolg. Finn-Dinghy-Steuermann Jan Kurfeld aus Warnemünde fiel nach acht Wettfahrten auf Rang 34 zurück, während sich Englands Segelstar Ben Ainslie die Führung zurückeroberte. Das bayerische 470er-Team Ferdinand Gerz/Patrick Follmann liegt nach einem Frühstart auf Platz 13, hatte aber am Abend Protest gegen die Disqualifikation eingelegt. DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner erklärte: „Ich habe ein Video von dem Start gesehen. Es war eher ein nicht ganz gelungener Start aus der dritten Reihe als alles andere. Die beiden haben entsprechend protestiert.“
Die letzten beiden Wettfahrten neun und zehn vor den finalen Medaillenrennen in den Disziplinen Laser Radial, Finn Dinghy, RS:X Frauen und 470er Männer am Sonntag werden am Samstag ausgetragen.
Am Sonntag steigt dann auch das mit großer Spannung erwartete deutsche Starboot-Quartett in die WM ein, am Montag beginnen die Wettfahrten der Disziplinen 49er, Laser, 470er Frauen und RS:X Männer. Für die zweite WM-Hälfte erwarten Beobachter bessere Resultate der deutschen Teilnehmer und dramatische Kämpfe um die Olympiatickets. Im Laser liegen der führende Lübecker Simon Grotelüschen und sein Verfolger Philip Buhl vom Segelclub Alpsee Immenstadt nur sechs Punkte auseinander. Bei den 470er Frauen trennen Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher (Berlin/Hamburg)und Tina Lutz/Susann Beucke (Bergen/Kiel) lediglich zwei Zähler. Die vier Starboot-Teams Robert Stanjek/Frithjof Kleen (Berlin, 19 Punkte), Alex Schlonski/Matthias Bohn(Rostock, 18 Punkte), Johannes Polgar/Markus Koy (Hamburg, 15 Punkte) und Johannes Babendererde/Timo Jacobs (Lübeck, 13 Punkte) starten fast Bug an Bug in das Ausscheidungsfinale. Die zweiwöchige WM-Serie endet am 18. Dezember mit den letzten Medaillenrennen.










